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PwC: Schlechtes Zeugnis für Finanzabteilungen

Zahlen lügen nicht: PwC hat die Leistung von 200 internationalen Finanzabteilungen auf Herz und Nieren geprüft. Die Ergebnisse sind dürftig.
Thinkstock / Getty Images

Es ist kein gutes Zeugnis, das PwC internationalen Finanzabteilungen ausstellt. Eine Umfrage unter mehr als 200 Finanzabteilungen, die FINANCE exklusiv vorliegt, hat ein ernüchterndes Ergebnis erbracht.

So geben 80 Prozent der Befragten an, dass die Genauigkeit ihrer Prognosen für das Unternehmen entscheidend sei. Aber nicht einmal jeder Zweite (45 Prozent) glaubt, dass die Ergebnisse wirklich belastbar seien. Das liegt vor allem an zu umständlichen Prozessen und einer falschen Aufbereitung der Daten, glaubt PwC-Partner Thomas Weber: „Forecasts werden oft zu schematisch durchgeführt, als reine Fleißarbeit. Die Besonderheiten des Unternehmens werden nicht berücksichtigt und die Datengrundlage ist oft uneinheitlich“, bemängelte Weber im Interview bei FINANCE-TV.

Beispielsweise verfügt rund jeder zweite Studienteilnehmer über ein Data Warehouse, aber nicht einmal jeder Zehnte verwendet unternehmensweit einheitliche Datenstandards. Doch ohne klare Standards seien die Daten nicht miteinander vergleichbar, warnt Weber. Er rät CFOs, dieses Problem an der Wurzel anzupacken: „Alle Mitarbeiter eines Unternehmen müssen die gleichen Informationen auf der gleichen Datengrundlage erfassen.“ 

Neben einer konsistenten Datengrundlage sieht Weber auch die Konzentration auf tatsächlich relevante Management-Informationen als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu mehr Effizienz in der Finanzabteilung. Dies erleichtere die Zusammenarbeit zwischen Risiko- und Finanzfunktion, Risiken könnten schneller aufgedeckt werden. ‚Weniger ist mehr‘ laute die Devise: „Die Reportings sollten sich auf die Dinge konzentrieren, die entscheidend sind für die Steuerung des operativen Geschäfts“, rät Weber.

Kosten der Finanzabteilungen steigen zweistellig

Was noch mehr zu denken gibt, ist die Tatsache, dass trotz des schwachen Outputs die Finanzfunktionen immer mehr Geld verschlingen: In den vergangenen drei Jahren sind die Kosten der Finanzabteilungen länderübergreifend im Schnitt von 0,82 auf 1,02 Prozent des Unternehmensumsatzes angestiegen, allein 2011 schossen die Kosten um mehr als 10 Prozent in die Höhe.

Doch Weber sieht darin weder ein Legitimitätsproblem für die CFOs, wenn sie an anderer Stelle im Unternehmen als Sparkommissar auftreten, noch einen Beleg für die These, dass die CFOs es bei ihren eigenen Teams mit der Kostenkontrolle nicht so genau nehmen. „Die Kosten steigen deshalb, weil auch die Anforderungen an die Finanzteams wachsen, zum Beispiel durch die Bilanzierung nach IFRS. Interne Reportings wurden aufgewertet, in vielen Unternehmen werden sie inzwischen als wichtiges Tool zur internen Entscheidungsunterstützung herangezogen.“

In Anbetracht der deutlich gestiegenen Anforderungen erscheine die Kostensteigerung in einem anderen Licht: „Die Kosten steigen lange nicht so stark an, wie das eigentlich zu erwarten wäre. Die Finanzabteilungen sind effizienter geworden“, bricht Weber eine Lanze für CFOs. Diese Verbesserung führt Weber indes vor allem auf äußere Umstände zurück: „Die CFOs geraten zunehmend unter Druck, einen Wertbeitrag für das Unternehmen zu leisten. Auch deshalb arbeiten die meisten an den Schwächen in ihrer Abteilung.“

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