Der Fußballbundesligist TSG Hoffenheim sammelt immer mehr Daten im Controlling an. Bei der Verarbeitung sucht der Verein Hilfe bei Hauptsponsor SAP.

TSG 1899 Hoffenheim

22.02.16
Finanzabteilung

TSG Hoffenheim wappnet sich für Datenwust

Der Fußballbundesligist TSG Hoffenheim sammelt immer mehr Daten an. Bei der Verarbeitung sucht der Verein Hilfe bei Hauptsponsor SAP.

Kaum ein Profiverein in Deutschland hat technisch die Möglichkeiten, die der Fußballbundesligist TSG Hoffenheim hat. Der Softwarekonzern SAP ist Hauptsponsor und lässt sein IT-Know-how in den Verein einfließen. Seit rund einem Jahr wickle der Verein sein Controlling ausschließlich über die moderne Hana-Plattform ab, sagt Frank Briel, CFO der TSG.

Nach Einschätzung des Finanzchefs hat der Verein seine Systeme wesentlich früher als die meisten deutschen Mittelständler umgestellt. Der finanzielle Nutzen der neuen Technologie ist laut Briel zwar noch überschaubar, doch die aktuell auf einem Abstiegsplatz stehende TSG Hoffenheim will sich vor allem sportlich auf die Zukunft vorbereiten.

TSG Hoffenheim setzt auf SAP S/4 Hana

Der Hintergrund: Der Datenwust weitet sich auch auf den Trainingsalltag der Fußballer aus: Hoffenheim analysiert seit einem Jahr etwa Messwerte aus dem sogenannten Footbonauten. Spieler werden durch das Gerät gezwungen, viele Bälle in kurzer Zeit schnell zu verarbeiten. Die Werte werden digital erfasst, wodurch sich das Kurzpassspiel der Fußballer verbessern soll. Der Footbonaut ist für alle Mannschaften der TSG Hoffenheim zugänglich. Auch andere Bundesligisten wie Borussia Dortmund nutzen die Maschine.

Hoffenheim setzt im allgemeinen Trainingsbetrieb ab der U19 zudem sogenannte Tracking Devices ein, um die zurückgelegte Laufstrecke und die Herzfrequenz der Spieler zu erfassen. „Dadurch entsteht eine hohe Menge an Daten“, sagt CFO Frank Briel. „Wir sehen da erhebliche Entwicklungspotentiale bei der Auswertung und wollten auf der Softwareseite vorbereitet sein.“ Der Verein aus dem Rhein-Neckar-Land beschäftigt daher einen Leistungsdiagnostiker, der sich um die richtige Analyse der gesammelten Zahlen kümmert.

Bundesligist Hoffenheim macht ein monatliches Reporting

Auf der finanziellen Seite dagegen ist das Vorgehen bei Hoffenheim für Finanzchef Frank Briel, der seine Karriere im Controlling von SAP gestartet hat, bekanntes Terrain. „Wir haben insgesamt dreieinhalb Stellen im Accounting und Controlling und bewerkstelligen so unsere Zwischen- und Jahresabschlüsse und machen ein monatliches Reporting“, berichtet er.

Das ist notwendig: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) zwingt die hiesigen Profi-Vereine zu genauer Buchführung. Zweimal im Jahr überprüft sie die Liquidität der Clubs. So soll verhindert werden, das ein Verein während der Saison Insolvenz anmeldet und Spiele ausfallen. „Wir müssen alle realistischen Szenarien durchdenken und entsprechend planen“, sagt Frank Briel. Dazu gehört auch die Rechnung, was im Falle eines Abstiegs passiert.

Die Planung ist aber schwierig: „Der Profisport ist mit hohen Unwägbarkeiten verbunden. Die Ausschläge beim Umsatz erfolgen sehr stark auf emotionaler Basis“, sagt Briel. Insbesondere in einer schwierigen Phase, wie sie Hoffenheim derzeit durchläuft, zeige sich das. Der Club ist derzeit Tabellenvorletzter und in akuter Abstiegsgefahr.

Hoffenheim-CFO Frank Briel: „Wir sind kein Großkonzern“

Für Heimspiele wird daher genau kalkuliert: „Wir machen eine spieltagsspezifische Deckungsbeitragsrechnung. Es gibt Umsätze aus den Ticketverkäufen, Einnahmen aus dem Catering und Fanshoperlöse“, erklärt Briel.

Dem gegenüber stünden Veranstaltungsausgaben für unter anderem Energiekosten und das Ticketpersonal. Aus der Differenz errechnet sich der Ertrag je Spieltag. „Aufgrund unseres ERP-Systems fällt uns die genaue Berechnung relativ leicht, wir sind ja kein Großkonzern“, sagt der Finanzchef des Bundesligaklubs, der einen höheren zweistelligen Millionenbetrag im Jahr an Umsatz erwirtschaftet.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Nicht nur die TSG Hoffenheim und der 1. FC Nürnberg bedienen sich modernster Controlling-Tools. Einen Überblick über die Anwendungsgebiete erhalten Sie am Mittwoch in Teil 3 der FINANCE-Serie "Controlling im Fußball".