Komplexere Rahmenbedingungen und gestiegene Erwartungen des Managements: Von Controllern wird immer mehr verlangt.

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08.01.13
Finanzabteilung

Unternehmenssteuerung: Controlling im Spagat

Der Druck auf CFOs und Top-Controller hat sich 2012 immens erhöht. Die Anforderungen, denen die Finanzabteilung in der Unternehmenssteuerung gerecht werden muss, steigen immer weiter, wie eine aktuelle weltweite Umfrage zeigt. Um den Überblick zu behalten, müssen Unternehmen deshalb bei ihren Steuerungsprozessen auf neue Strategien setzen.

Für CFOs und Controller rund um den Globus wird es immer schwieriger, den Spagat zwischen komplexeren Rahmenbedingungen und anhaltender Volatilität auf der einen und den gestiegenen Erwartungen des eigenen Unternehmens auf der anderen Seite zu meistern. Das zeigt die „International Observatory of Management Control 2012“, für die französische Association Nationale des Directeurs Financiers et de Contrôle de Gestion (DFCG) in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft Décision Performance Conseil und der Management School ESSCA Finanzexperten zu ihrem Aufgabeprofil, dem Ablauf der Steuerungsprozesse sowie eingesetzten Systemen und Instrumenten befragt hat.

Mit Blick auf die Arbeitsbelastung zeichnen die Antworten der CFOs und leitenden Controller ein klares Bild – und das unabhängig von der Herkunft der Teilnehmer: 90 Prozent beobachten eine gleichbleibende oder zunehmende zeitliche Intensität ihrer Aktivitäten in den Bereichen Controlling und Unternehmenssteuerung.

Controlling: Mehr Berichte, mehr Kennzahlen

Am deutlichsten schlägt hier das interne Berichtswesen zu Buche: Bei 40 Prozent der Befragten hat sich im vergangenen Jahr die Frequenz im Reporting erhöht, bei fast der Hälfte sind außerdem zusätzliche Parameter hinzugekommen. Da erstaunt es nicht, dass 70 Prozent der Befragten die interne Berichterstattung als zeitintensivste Aufgabe wahrnehmen. Kurz dahinter rangiert die Beschäftigung mit Budgetierung und Forecasting – wobei die Teilnehmer gerade bei letzteren Aufgaben allerdings zunehmend daran zweifeln, dass die Ergebnisse ihrem Unternehmen einen entscheidenden Mehrwert liefern: Gegenüber der im Vorjahr erstmals durchgeführten Befragung hat der Wert im Bereich Forecasting um 5 Prozentpunkte (aktuell 66 Prozent), im Bereich Planung und Budgetierung mit aktuell 64 Prozent sogar um 9 Prozentpunkte eingebüßt.

Bei anderen Aktivitäten zeigt sich ein ambivalentes Bild: Zwar beschäftigen sich die Controller nach eigener Aussage im Vergleich zu 2011 weniger mit einmaligen, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören. Gleichzeitig fordern aber neuere Bereiche wie das Controlling der CSR-Aktivitäten den Experten mittlerweile einiges ab – waren es in Vorjahr noch gerade einmal 5 Prozent, die mit entsprechenden Aufgaben beschäftigt waren, ist heute gut ein Drittel der Befragten in die CSR-Arbeit seines Unternehmens eingebunden.

Fokus auf Langfristplanung

Den Stellenwert der nachhaltigen Unternehmensführung belegt auch, dass sich die Zahl derjenigen, die regelmäßig über die nachhaltige Entwicklung ihrer Gesellschaft berichten, innerhalb eines Jahres auf 32 Prozent annähernd verdoppelt hat. Auch die Entwicklung des Cashflow hat an Bedeutung gewonnen. Wichtigste Indikatoren im Reporting bleiben allerdings die Erträge sowie andere operative Kennzahlen.

Obwohl die Entwicklung der äußeren Bedingungen immer schwieriger zu kalkulieren wird, lösen sich Firmen weltweit zunehmend von der Kurzfristplanung und planen immer weiter in die Zukunft: Setzte 2011 noch die Hälfte der befragten Unternehmen bei der strategischen Planung auf einen Zeitraum von 3 Jahren, überwiegt in der aktuellen Befragung der Anteil derjenigen, die nun über einen Zeitraum von 4 Jahren oder noch länger planen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de