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Zankapfel Einkaufscontrolling

Das Einkaufscontrolling ist immer noch häufig Zankapfel zwischen CFOs und CPOs.
Thinkstock / Getty Images

Das Einkaufscontrolling ist immer noch ein großer Kostenfresser in Unternehmen – und wird häufig zum Streitpunkt zwischen CFOs und CPOs (Chief Purchasing Officer). Das ist das Ergebnis einer neuen Befragung zum Einkaufscontrolling von Ernst & Young und Orpheus, die FINANCE exklusiv vorliegt (Details zur Durchführung siehe Infobox).

Auffällig ist, dass viele der befragten Unternehmen immer noch große Schwierigkeiten haben, Erfolg und Misserfolg im Einkauf richtig zu messen: 60 Prozent gaben an, dass bei ihnen keine Transparenz über die Einkaufsperformance herrscht, sie also nicht präzise messen können, wie sie ihr Ziel erreicht haben. Doch gleichzeitig zahlen 85 Prozent der Unternehmen erfolgsabhängige Vergütungen im Einkauf – das kann zum Problem werden. Die Ursache für die mangelhafte Transparenz sehen die Studienautoren unter anderem darin, dass bei vielen Unternehmen das Einkaufscontrolling dezentral organisiert ist.

Excel erschwert gutes Controlling

Jedes dritte Unternehmen stützt sich bei der Datenauswertung immer noch auf Excel, was die Zusammenführung verschiedener Unternehmensdaten schwierig macht. „Den Unternehmen fehlen noch die Instrumente, um notwendige Einkaufsdaten erhalten und schnell auf neue Situationen am Markt reagieren zu können“, sagt Christian Ruck von EY, einer der Autoren. So erklärt sich auch, warum nur 20 Prozent der Befragten angeforderte Einkaufsdaten sofort auf Knopfdruck erhalten. Drei Viertel müssen mit einer längeren Aufbereitungszeit rechnen, bis sie Einsicht erhalten, teilweise länger als drei Tage.

In vielen Unternehmen lasse außerdem die die Ausgestaltung des Einkaufscontrollings zu wünschen übrig. Das gilt vor allem für kleinere Unternehmen (unter 3.000 Mitarbeiter), von denen ein Drittel keinen einzelnen offiziellen Verantwortlichen für Performance Management hat, der über das Einkaufscontrolling berichtet. Bei großen Unternehmen (über 1.500 Mitarbeiter) sieht die Lage anders aus: Dort haben 94 Prozent einen oder gar mehrere Verantwortliche, die an den Vorstand berichten, in knapp einem Drittel der Fälle ist dies der CFO.

Konflikte zwischen Finanzabteilung und Einkauf

In Dienstleistungsunternehmen ist der Einkauf häufig den CFOs zugeordnet. Viele produzierende Unternehmen haben indes ein eigenes Vorstandsressort Einkauf, obwohl der Einkauf eine wichtige Stellschraube zur Kostensenkung darstellt, die der CFO gut justieren kann. So wie beim  Ludwigsburger Automobilzulieferer Mann+Hummel, wo für CFO Frank Jehle (ein großes Portrait finden Sie in der aktuellen Ausgabe von FINANCE) gerade der Einkauf eine wichtige Stellschraube für die Kostensenkung ist. Schließlich liegen die Materialkosten des Autozulieferers bei rund 50 Prozent – Einsparungen sind mithin direkt ergebniswirksam. Ein weltweit einheitliches Einkaufsreporting, das mit dem konzernweit standardisierten und integrierten ERP-System verknüpft ist, ist für ihn die wichtigste Grundlage. „Automatisiere, was du sinnvoll automatisieren kannst“, lautet das Erfolgsrezept des ehemaligen Ford-Controllers. Auch für Knorr-Bremse-CFO Lorenz Zwingmann ist der Einkauf Chefsache.

Doch sind die Beziehungen zwischen CPO und CFO nicht immer einfach, wie die Befragung deutlich macht. Zwar sind Einsparungen als Unternehmensziel sowohl für den Einkauf als auch für die Finanzabteilung relevant. Doch „es besteht eine starke Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen Einkauf und Finanzverantwortlichen“, sagt Studienautor Jörg Dittrich vom Softwarehersteller Orpheus. Das gilt vor allem dann, wenn es um die Frage geht, wo es noch Einsparpotentiale gibt: Während nur 3 Prozent der Einkaufsexperten ungenutzte Potentiale im Einkauf sehen, sind es in der Finanzabteilung 30 Prozent.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Die Befragung wurde von der Unternehmensberatung Ernst & Young sowie dem Hersteller von Software für Einkaufscontrolling Orpheus durchgeführt. Befragt wurden 176 Entscheider aus leitenden Einkaufs- und Finanzpositionen deutscher und Schweizer Unternehmen. Die Datenerhebung fand online oder durch ein persönliches Interview statt.

Info

Die vollständige Studie steht in der White Paper Library zum Download bereit. 

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