Newsletter

Abonnements

„China will weiter liberalisieren“

Abwertungswettlauf stellt Marktliberalisierung in Asien in Frage.
Thinkstock / Getty Images

Viele Länder wie Russland und Australien bauen Devisenreserven im chinesischen Yuan auf. Steigt der Renminbi jetzt zur weltweiten Reservewährung auf?
Ja, man muss sich nur einmal die Geschwindigkeit anschauen, mit der sich DimSum-Anleihen seit der offiziellen Eröffnung des Marktes im Mai 2007 entwickelt haben. Das ist schlichtweg spektakulär! Dies zeigt, dass der Yuan bzw. Renminbi als globale Reservewährung in den Fokus der Anleger rückt. Eines Tages wird er den US-Dollar als Weltleitwährung ablösen, doch vorher muss noch der chinesische Kapitalmarkt liberalisiert werden.

Die Zentralbanken der westlichen Welt haben einen Abwertungswettlauf begonnen. Werden asiatische Währungen infolge steigender Kapitalzuflüsse jetzt aufwerten?
Grundsätzlich bedeutet der wachsende Einfluss Chinas und des übrigen Asiens aber auch, dass den asiatischen Währungen ein dominanterer Einfluss auf die weltweiten Kapitalmärkte zugeschrieben wird. Die Ansteckungseffekte aus der Schwäche des japanischen Yen sollten sich aber in Grenzen halten, solange Peking wie gehabt für Wechselkursstabilität sorgt. Solange das so bleibt, bleiben Engagements in asiatischen Währungen aus unserer Sicht profitabel.

Wie werden die asiatischen Zentralbanken reagieren?
Bei zwei asiatischen Zentralbanken sehen wir derzeit die Möglichkeit für weitere Zinssenkungen: Indien und Korea. Insgesamt besteht aber nur eine sehr geringe Notwendigkeit, die Geldpolitik in naher Zukunft zu straffen. Der Lockerungszyklus liegt zwar wahrscheinlich hinter uns, aber es wird noch dauern, bis der nächste Zinserhöhungszyklus beginnt.

Erwarten Sie stärkere Kontrollen des Kapitalverkehrs in den asiatischen Schwellenländern?     
Wir rechnen eigentlich mit dem Gegenteil – dass die Kontrollen gelockert werden, allerdings erst allmählich. Das ist bereits erkennbar: China verpflichtet sich zur weiteren Liberalisierung, während Indien häufiger Auktionen für ausländische Investoren abhält, die Interesse an Engagements in indischen Lokalwährungsanleihen haben. Für ausländische Investoren sind politische Fehlentscheidungen wie etwa die Einführung von wie auch immer gearteten Kapitalkontrollen aber nach wie vor ein großes Risiko.

Info

Chia-Liang Lian ist ein intimer Kenner der Anleihen- und Devisenmärkte Südostasiens und arbeitet Portfoliomanager bei der Legg-Mason-Tochter Western Asset Management. Zuvor arbeitete er unter anderem für JPMorgan Chase und Merrill Lynch und war vier Jahre lang Chefvolkswirt der Zentralbank Singapurs. Dort war er für Entwicklung der Wechselkurspolitik des Stadtstaats verantwortlich.