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Ein Land auf Roadshow: China wirbt um ausländische Anleger

Die chinesische kommunistische Partei hat vor wenigen Tagen einen bedeutsamen Machtwechsel vollzogen. Seitdem wird spekuliert, inwieweit sich die chinesische Wirtschaft ausländischen Investoren weiter öffnen wird. Zumindest für ausländische institutionelle Anlegersind die Aussichten gut. Mit neuen Vorschriften soll der Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt erleichtert werden. Doch was würde die Öffnung bedeuten? Würde sie tatsächlich neues Kapital ins Reich der Mitte bringen?

Der chinesische Kapitalmarkt war aus der Perspektive ausländischer Anleger schon immer stark reguliert: Bereits in den 1990er Jahren wurden die sogenannten A-Shares von den B-Shares unterschieden. Die A-Shares, die ausschließlich in der chinesischen Währung Renminbi (RMB) gehandelt werden dürfen, waren nur einheimischen Investoren vorbehalten. Ausländische Anleger hatten lediglich Zugang zu den B-Shares, die in US-Dollar oder Hongkong-Dollar gehandelt werden. Der Markt der B-Shares bildet jedoch nur einen Bruchteil des gesamten chinesischen Aktienmarkts. 2002 wurde zwar ausländischen Anlegern der Zugang zu den A-Shares gewährt; wegen verschiedener Beschränkungen beträgt der Anteil ausländischer Investoren jedoch bis dato lediglich 1 Prozent am gesamten A-Share-Markt.

Der Kapitalmarkt öffnet sich

Um den angeschlagenen chinesischen Aktienmarkt zu pushen und frisches Kapital aus dem Ausland zu holen, hat die Regierung nun die Reform des Kapitalmarkts in die Wege geleitet. Ende Juli 2012 wurden zentrale Vorschriften über die Investition ausländischer Anleger in den Wertpapiermarkt überarbeitet.

Ein wichtiger Bestandteil: Der Zugang zum chinesischen Kapitalmarkt ist wesentlich erleichtert worden. Der Umfang des notwendigen Wertpapiervermögen, das ausländische Wertpapierhandelsunternehmen und Banken nachweisen müssen, um in den chinesischen Kapitalmarkt investieren zu dürfen, ist um 50 Prozent reduziert worden:  Die Schwelle liegt nun nicht mehr bei mindestens 10 Milliarden US-Dollar, sondern bei lediglich bei 5 Milliarden US-Dollar. Banken als Anleger müssen sich nun auch nicht mehr – wie bislang vorausgesetzt –  unter den weltweiten Top 100 befinden, sie müssen allerdings seit mindestens zehn Jahren existieren. Für alle sonstigen Anleger gilt nunmehr ein Zeitraum von zwei anstatt fünf Jahren, und ihr Wertpapiervermögen muss anstatt 5 Milliarden US-Dollar nur noch die Marke von 500 Millionen US-Dollar übertreffen.

Darüber hinaus haben ausländische Anleger Zugang zu mehr Finanzprodukten, einschließlich Interbanken-Anleihen und Aktienindex-Futures. Die obere Grenze, bis zu welcher ausländische Anleger A-Shares eines chinesischen Unternehmens halten können, ist von 20  auf 30 Prozent angehoben worden. Die chinesische Börsenaufsichtsbehörde CSRC hat außerdem versprochen, den Kapitalmarkt noch durch weitere Maßnahmen zu weiter öffnen.

Unsicherheit durch Landesgesetze

Die chinesischen Börsen haben in diesem Herbst Road-Shows auf mehreren Kontinenten veranstaltet, um den chinesischen Kapitalmarkt weltweit zu vermarkten. Ob die jetzige Reform ausländische Investoren wirklich zur Anlage im Reich der Mitte bewegen kann, bleibt jedoch abzuwarten.

Auf Grund der unbefriedigenden Entwicklung der chinesischen Börsen in den letzten Jahren sowie der Unsicherheiten, die mit der dortigen Gesetzgebung und Geschäftspraxis verbunden sind, werden viele ausländische Anleger vermutlich mit diesem Schritt zögern.

redaktion[at]finance-magazin.de

Info

Dr. Zhaoxia Chen ist Lüshi (chinesische Rechtsanwältin) bei der Kanzlei Jones Day.