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Ein neuer Marshall-Plan für Europa

Steigende Arbeitslosenzahlen, verfehlte Defizitziele: Es wird ungemütlich in Europa. Die Lösung, die immer mehr Politiker vorschlagen, klingt altbekannt: staatliche Ausgabenprogramme, mehr Schulden, ja sogar ein neuer Marshall Plan soll es richten – die seit Jahrzehnten praktizierte Entartung der Lehren von Keynes. Noch wird die um sich greifende Forderung in Synonyme wie „Wachstumspakt“ verpackt, in denen sich jeder wiederfindet. Der Franzose Francois Hollande versteht darunter Eurobonds und Ausgabenprogramme, Bundeskanzlerin Merkel Strukturreformen, EZB-Präsident Mario Draghi wohl eine diffuse Mischung von beidem, flankiert von einer ultra-lockeren Geldpolitik.

Das Totschlagsargument der Politiker heißt Griechenland. Das hat auf den ersten Blick etwas für sich, denn es ist Fakt, dass die Sparmaßnahmen das Land immer tiefer in die Abwärtsspirale hineinziehen. Aber gerade das Schicksal Griechenland führt uns vor Augen, dass es absolut tödlich ist, immer mehr Defizite anzuhäufen, wenn sich ein Land mit seinen Staatsschulden bereits in der Gefahrenzone befindet. Die Quittung kommt, und sie ist bitter.

Jetzt mit höheren Defiziten und Konjunkturprogrammen oder künstlichem Geld gegen die Folgen der Sparpolitik anzugehen, brächte ganz Europa auf den abschüssigen Pfad in Richtung Griechenland. Die Folgen wären katastrophal, denn wenn die Eurokrise kein Problem einzelner Randstaaten mehr ist, sondern jedes Land für sich mit dem Rücken zur Wand steht, wird es mit der Solidarität vorbei sein, dann wird der Euro zerbrechen.

Zu Wachstumsimpulsen durch Deregulierung und Strukturreformen gibt es keine Alternative. Wenn die Politiker jetzt erneut den Weg des geringsten Widerstands wählen, sollten CFOs schon mal damit beginnen, sich ernsthaft auf das Ende des Euro vorzubereiten. Die Weichen werden jetzt gestellt.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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