Inside Corporate Banking

Abonnements

Startseite Finanzabteilung FX & Weltwirtschaft FMC erwartet Ergebniseinbruch bis zu 25 Prozent

FMC erwartet Ergebniseinbruch bis zu 25 Prozent

Fresenius Medical Care rechnet mit einem massiven Ergebniseinbruch. Grund dafür ist die Corona-Pandemie.
Fresenius Medical Care

Bei dem Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC) schlägt die Coronavirus-Pandemie ins Kontor. Wie der Konzern am gestrigen Montagabend mitteilte, erwartet FMC „signifikante negative Auswirkungen“ auf das Konzernergebnis 2021. Aktuell rechnet der Konzern mit einem Umsatzwachstum höchstens im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Konzernergebnis soll dagegen um bis zu ein Viertel einbrechen – ohne Berücksichtigung möglicher Restrukturierungsmaßnahmen.

Dabei kam Fresenius Medical Care zunächst eigentlich gut durch die Krise, berichtete Finanzchefin Helen Giza im Herbst im Interview mit FINANCE. Für Umsatz und Konzernergebnis im Geschäftsjahr 2020 war währungsbereinigt ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich prognostiziert worden. Das Umsatzziel sei erreicht, das Ziel für das Konzernergebnis, das auf die Anteilseigner entfällt, sogar leicht übertroffen, teilte der Konzern nun mit. Allerdings ist dabei eine Wertminderung im Lateinamerikageschäft über 195 Millionen Euro nicht berücksichtigt, die der gesamtwirtschaftliche Abschwung in der Region nach sich zog.

Corona-Folgen belasten FMC-Erwartungen

Der Grund für die deutlich gesunkenen Erwartungen an das neue Geschäftsjahr ist die Entwicklung der globalen Pandemie. Das Virus kann bei Menschen mit Nierenerkrankungen einen schweren Verlauf nehmen, was zu einer erhöhten Sterblichkeit unter den Patienten des Konzerns führt. Darüber hatte das Unternehmen bereits im Laufe des Jahres 2020 berichtet.

Wie FMC nun mitteilt, hat sich diese Entwicklung im November und Dezember des vergangenen Jahres insbesondere in Nordamerika wie auch in der Region EMEA beschleunigt. FMC spricht von einer Übersterblichkeit von 10.000 Patienten im Vergleich zum Niveau vor Pandemiebeginn. Der Konzern erwartet, dass sich diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2021 fortsetzen wird. Die Zahl der durchgeführten Dialysebehandlungen und die Auslastungen der Kliniken wird deshalb sinken.

Höhere Kosten für Dialysegeschäft von Fresenius

Hinzu kommen höhere Kosten für den Konzern, etwa durch den erhöhten Bedarf an Schutzausrüstung für die Mitarbeiter ebenso wie für die Patienten. Laut FMC erhalten zudem die Beschäftigten auf Isolierstationen eine höhere Vergütung. Dass das Geschäft für den Konzern deshalb deutlich teuer wird, belastet im laufenden Jahr ebenfalls das Ergebnis. Im vergangenen Jahr konnte diese Entwicklung zum Teil durch staatliche Unterstützung sowie Effizienzsteigerung und ein starkes Produktgeschäft kompensiert werden.

Nach Angaben des Konzerns läuft Ende März in den USA die letzte staatliche Unterstützungsmaßnahme für Dialyseanbieter aus, die sogenannte Sequestration. Darüber hinaus gebe es derzeit keine weiteren Programme. Fresenius Medical Care will deshalb weitere Effizienz- und Restrukturierungsmaßnahmen prüfen. Welche genau das Management um CFO Helen Giza dabei im Auge hat, teilt der Konzern aber nicht mit.

FMC-Aktienkurs bricht ein

Die Börse reagiert schockiert auf die schlechten Nachrichten von Fresenius Medical Care. Das Papier, das gestern noch bei rund 64 Euro notierte, rauscht um mehr als 12 Prozent auf rund 56 Euro nach unten. Die Aktie des Mutterkonzerns Fresenius sinkt mit, allerdings nur um rund 6,5 Prozent. Warburg Research sieht vor allem staatliche Hilfen als Knackpunkt: Sollten sich die USA unter der neuen Präsidentschaft nun doch dazu durchringen, würde der erwartete Ergebniseinbruch niedriger ausfallen.

FMC-Aktienkurs seit Jahresbeginn

Info

Mehr über die FMC-Finanzchefin erfahren Sie auf dem Profil von Helen Giza. Ihre Einschätzungen zur Coronakrise im vergangenen Herbst lesen Sie hier im FINANCE-Interview.

+ posts

Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.