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Geld schießt doch Tore

Richard Bartz

Als der FC Chelsea im Mai die Champions League in dem aus deutscher Sicht tragischen Finale in der Allianz-Arena in München gewann, hieß es, dass Roman Abramowitsch letztlich rund 1 Milliarde Euro investiert habe, um diesen Pokal zu gewinnen. Lässt sich sportlicher Erfolg also wirklich erkaufen? Die Studie European Football Finance von Deloitte kommt in der Tat zu dem Schluss, dass dies zumindest für nationale Wettbewerbe gilt. Die Autoren stellen fest, dass sich in der englischen Premier League, „in der Saison 2010/11 eine besonders starke Korrelation zwischen den Spielergehältern und dem Tabellenplatz am Saisonende“ feststellen lasse.

Damit aber kommen immer mehr Vereine finanziell in die Bredouille. Denn die Spielergehälter fressen einen immer größeren Teil der Einnahmen auf. In den „Big Five“ der europäischen Fußball-Ligen (England, Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien) gehen  laut Deloitte bis zu 75 Prozent der Einnahmen für Gehälter ab (Italien und Frankreich). In England liege der Wert bei 70 Prozent (2004/05 lag er noch bei 59 Prozent). Die Gehälter in den fünf großen Ligen beliefen sich damit auf über 5,6 Milliarden Euro, bei einem Umsatz von 8,6 Milliarden. „Kostenkontrolle bleibt die größte unternehmerische Herausforderung für Fußballvereine“, so der Bericht. In der englischen Premier League, die die Studie näher unter die Lupe nimmt, verzeichneten nur acht von 20 Vereinen einen Gewinn vor Steuern. Das sei zwar eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, ist aber den Autoren zufolge immer noch besorgniserregend, zumal der Umsatz der Clubs um 12 Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund (2,8 Mrd. Euro) angestiegen ist.

In ganz Europa wird die Kluft zwischen großen und kleinen Clubs immer größer. So stieg in Spanien der Ligaumsatz zwar um 5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, aber wirklich profitieren konnten davon nur Real Madrid und der FC Barcelona. Die restlichen 18 Klubs mussten zusammengenommen einen Rückgang ihrer Einnahmen um 2 Prozent verbuchen. Damit vereinnahmen die beiden Top-Klubs mehr als die Hälfte der Ligaumsätze für sich allein. Vor allem in England profitieren Vereine wie Chelsea, Manchester City, Newcastle oder Fulham von Eigentümern, die zinslose Darlehen gewähren und diese notfalls sogar gegen Anteile tauschen. Beispielsweise verbuchte Manchester City 2010/11 einen Rekordverlust vor Steuern von 82 Millionen Pfund, wird aber von Abu Dhabis Scheich Mansour finanziell über Wasser gehalten. Dabei geht es auch anders: Manchester United vermeldete in der gleichen Saison einen operativen Gewinn von 100 Millionen Pfund.

Die Deloitte-Autoren prognostizieren, dass viele Vereine sich endlich finanziell besser aufstellen müssen, schon allein um die UEFA-Regeln zum Financial Fair Play künftig einzuhalten. Doch insbesondere für Vereine in den niedrigeren Ligen, an die angesichts des stärkeren Sponsoreninteresses an den ganz großen Klubs immer weniger Geld fließen wird, dürfte das finanzielle Überleben bald ein täglicher Kampf von Saison zu Saison werden.

Dabei wuchs der Umsatz des gesamten europäischen Fußballmarktes 2010/11 auf etwa 17 Milliarden Euro. Davon ging gut die Hälfte in die fünf großen Ligen. Diese wiederum generierten die Hälfte ihrer 8,6 Milliarden Euro über Rundfunklizenzen, den Rest über Einzelhandelsumsätze und den Ticketverkauf. Die englische Premier League führt hier haushoch mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz (+12 Prozent gegenüber Vorjahr), gefolgt von der Bundesliga (1,7 Milliarden Euro, + 5 Prozent ).

Es wird den Spielern des FC Bayern München zwar nur ein schwacher Trost sein, aber sie können ihrer täglichen Arbeit in der beruhigenden Gewissheit nachgehen, dass der Profifußball eine der ganz wenigen Branchen in Europa ist, in der in den vergangenen Jahren sowohl die Umsätze als auch die Gehälter deutlich gestiegen sind.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de