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Nomura: London steuert auf EU-Ausstieg zu

Das britische Parlament: London steuert auf den EU-Austritt zu.
Maurice

Die Investmentbank Nomura sieht Großbritannien auf dem Rückzug aus der EU. Der Chefstratege Alastair Newton, Ex-Berater von Tony Blair, befürchtet, dass die prekäre Situation in der Euro-Zone den britischen Euro-Skeptikern so viel Rückenwind verleiht, dass innerhalb der nächsten Jahre mit einem britischen Referendum über die EU-Mitgliedschaft zu rechnen ist. Im Extremfall könnten größere Zugeständnisse von Premierminister David Cameron an die Euro-Skeptiker in seiner Partei sogar zum Bruch der Regierungskoalition mit den Liberaldemokraten führen, gefolgt von einer Neuwahl und einem EU-Referendum.

„Der Ausgang eines EU-Referendums hinge stark davon ab, in welchem Umfang es London vorab gelänge, in Verhandlungen mit anderen europäischen Regierungen Souveränitätsrechte von der EU zurückzuholen“, glaubt Newton. „Ich fürchte aber, dass die EU-Partner nicht zu größeren Zugeständnissen bereit wären.“ In einer im Mai durchgeführten Umfrage hatten zwei Drittel der Briten entweder für einen sofortigen Rückzug aus der EU oder einen Rückbau der EU-Mitgliedschaft auf eine reine Freihandelszone votiert.

Die Briten stehen einer EU-Mitgliedschaft traditionell sehr skeptisch gegenüber; die andauernde Euro-Krise hat diese latente Skepsis bei vielen nun zur Feindseligkeit gesteigert, was die Austrittswahrscheinlichkeit drastisch nach oben getrieben hat.

Drei mögliche Auslöser für ein EU-Referendum

Nomura identifiziert auf Grund der laufenden Bestrebungen der europäischen Regierungschefs zu einer tieferen Integration der Euro-Zone gleich drei potentielle Auslöser für einen Bruch Großbritanniens mit Europa: Eine gemeinsame Bankaufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB), die auch jenseits der Euro-Zone wirken würde und Londons Vetorecht in Regulierungsfragen verwässern könnte; die von mehreren Euro-Mitgliedern geplante Finanztransaktionssteuer, die auch den Wertpapierhandel in London treffen würde, sowie weitere Maßnahmen der Euro-Integration, die EU-Länder außerhalb des Euro-Raums diskriminieren könnten.

„Die Beschleunigung der europäischen Integration, um den Euro zu retten, treibt Projekte voran, die für die britische Regierung problematisch sind“, warnt Newton. Für den Fall eines Referendums befürchtet Newton erhebliche Verwerfungen an den europäischen Kapitalmärkten.

Auch IAG rüstet sich für Euro-Kollaps

Derweil haben mehrere britische Unternehmen ihre Vorbereitungen auf Währungsturbulenzen in Europa intensiviert. Anfang der Woche hatte Shell-CFO Simon Henry angekündigt, Cash-Reserven in  Höhe von 15 Milliarden Euro in den Dollar-Raum zu verlagern.

Wenig später verkündete Willie Walsh, Chef der International Airlines Group, unter deren Dach British Airways und die spanische Fluglinie Iberia operieren, dass er im Finanzbereich einen Krisengruppe gegründet habe, die analysieren soll, wie sich IAG für einen Austritt Spaniens aus dem Euro rüsten könnte. Iberia steuert 27 Prozent der Gruppenumsätze bei.

Die IAG hat auch seine Bankbeziehungen völlig neu geordnet. Den Anteil spanischer Banken am Finanzierungsmix haben die Briten innerhalb von 6 Monaten von 27 auf 3 Prozent zusammengestrichen. Mit Banken aus Irland, Portugal und Griechenland unterhält der Milliardenkonzern nur noch minimale Finanzierungsgeschäfte von weniger als 1 Million Euro.     

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