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Renminbi: Kleine Enttäuschung für Frankfurt

Das Renminbi Clearing-Center in Frankfurt ist bald startbereit.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Bedingungen für das geplante Frankfurter Renminbi-Clearing-Center werden immer klarer. Nachdem im Juni die Bank of China als Clearing-Bank für Frankfurt benannt wurde, gibt es nun eine weitere Neuigkeit. Während des Besuchs der Bundeskanzlerin in China verkündete der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang die Investitionsquote für ausländische institutionelle Investoren (RQFII) für das Frankfurter Clearing-Center. Ein Kontingent von 80 Milliarden Yuan wird der Frankfurter Standort erhalten. Dies entspricht rund 9,5 Milliarden Euro.

Damit ist das Kontingent genauso groß wie jenes für die Clearing-Standorte in London und Paris. Manche Beobachter werten dies als kleine Enttäuschung für den Finanzplatz Frankfurt. Viele Finanzprofis sehen das aber gelassener – und verweisen auf den absehbaren nächsten Schritt: Falls das Kontingent der 80 Milliarden Yuan ausgeschöpft wird, ist eine Erhöhung von Seiten der People‘s Bank of China (PBoC) nicht ausgeschlossen. China tastet sich langsam an die Öffnung seiner Währung heran – auch ein Weg, um Enttäuschungen vorzubeugen. Kaum jemand geht davon aus, dass die jetzt von Li Keqiang genannte Quote das letzte Wort ist.

HSBC: Kaum Unternehmen planen Umstellung auf Renminbi

Der Finanzplatz Frankfurt will vor allem mit seiner starken Verbindung zur Realwirtschaft punkten. Als ‚real economy hub‘ will man sich von Paris und Luxembourg abgrenzen. Der vereinfachte Zahlungsverkehr zwischen Deutschland und China soll neben den Direktinvestitionen auch den Handelsbeziehungen einen weiteren Schub geben und vor allem dem kleineren deutschen Mittelstand den Zugang zum chinesischen Markt weiter erleichtern.

Laut einer aktuellen Studie der HSBC planen allerdings nur 3 Prozent der Unternehmen, die bisher in ihrem China-Geschäft Euro oder Dollar verwenden, eine Umstellung auf Renminbi. Diese geringe Zahl wird vor allem damit erklärt, dass jedes vierte deutsche Unternehmen bei seinen Geschäften mit China bereits Renminbi verwendet.

Vor allem viele große Unternehmen haben inzwischen eine gute eigene Infrastruktur für ihren Zahlungsverkehr nach China aufgebaut. Bei kleineren Unternehmen ist die Hemmnis, Renminbi zu verwenden, oft größer. Der Anreiz, bei Abrechnung in Renminbi günstigere Preise bei chinesischen Geschäftspartnern zu erzielen, scheint den Aufwand nicht aufzuwiegen. Die Ansiedlung des Clearing-Centers in Frankfurt soll mit Hilfe  eines vereinfachten Prozesses in deutscher Sprache und in der eigenen Zeitzone dazu beitragen,  diese Zurückhaltung abzubauen.

Peking tritt aufs Gas

Langfristig wird damit gerechnet, dass die Chinesen den Renminbi noch weiter liberalisieren werden, um ihre Währung  zur dritten großen Reservewährung zu machen. Wie lange dieser Prozess dauern wird, lässt sich nicht genau sagen. Xuechun Zhang, Chief Representative der PBoC in Frankfurt, sagte auf einer Renminbi-Konferenz in dieser Woche, dass die chinesische Zentralregierung nicht politisch in den Prozess eingreifen wolle: „Sie vertritt die Ansicht, dass man den Prozess der wirtschaftlichen Natur überlassen soll“, erklärte Zhang. Allerdings scheint es der chinesischen Regierung mit der Liberalisierung ihrer Währung ernst zu sein. Die Nachrichten über weitere Lockerungen erfolgen in immer kürzeren Abständen. Diesen Monat wurde bekannt, dass grenzüberschreitendes Cash Pooling in Renminbi möglich werden soll. Dieser Schritt kommt nur kurz nach der Erlaubnis für Cash Pooling in der Freihandelszone Shanghai, die erst im Februar bekannt gegeben wurde.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und Chefin vom Dienst bei DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.