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Rumänien schlägt Bulgarien und Ungarn

Rumänien schlägt Bulgarien und Ungarn
Thinkstock / Getty Images

Was aus Bukarest und Budapest nach Deutschland dringt, ist wenig vertrauenseinflößend: Der Quasi-Staatsstreich der wiedergewählten rumänischen Regierung Victor Ponta, die Plagiatsaffären einiger Minister und des Regierungschefs selbst, der Machtkampf mit Präsident Traian Basescu – all das passiert selten in einem EU-Staat.

Auch die Regierung Victor Orbán in Ungarn sorgt mit zahlreichen Eingriffen in die Wirtschaft und das Steuerregime für Wirbel. „Zwar ist die Konvergenz nach Westen  am weitesten fortgeschritten“, sagt Fondsmanager Martin Marinov von Raiffeisen Capital Management, „aber die Wirtschaftspolitik ist chaotisch.“ Zwar hätten Unternehmen wie Audi und Mercedes dort jüngst Produktionsstandorte eröffnet, allerdings sind die Entscheidungen vor ein paar Jahren getroffen worden: „Inzwischen ist die Attraktivität für ausländische Investoren deutlich gesunken“, sagt Marinov.

Am unauffälligsten, aber zugleich am passivsten zeigt sich die bulgarische Regierung. Sofia hat die Landeswährung Leva bereits 1997 an die D-Mark und später an den Euro gekoppelt und durch das Currency Board seine Selbstständigkeit quasi aufgegeben.  Zwar sind die Staatsschulden mit 18 Prozent mit die niedrigsten in Europa, die Finanzpolitik ist konservativ, die Schuldenquote geht sogar zurück. Jedoch hat die Regierung damit dem Privatsektor Liquidität entzogen. „Fiskalische Impulse konnten dies nicht kompensieren“, meint der Fondsmanager,  zumal es auch kaum Reformen gibt. Und auch die ausländischen Direktinvestitionen sind deutlich zurückgegangen.

Rumänien: Geldregen aus Brüssel

Im Vergleich dazu sehen die Perspektiven für Rumänien am besten aus. Zwar ist die Inlandsnachfrage infolge der Sparprogramme der Regierung eingebrochen, das Land steckt in der Rezession. Jedoch lassen die dem IWF versprochenen Privatisierungen von Staatsunternehmen und der Zugang zu EU-Fördermitteln einen Aufschwung erwarten, auch weil die Währung stark abgewertet hat. Von 2014 bis 2020 werden dem Land 21,4 Milliarden Euro aus dem EU-Infrastrukturfonds zufließen, die das Land stärken können.

Der Kapitalmarkt honoriert die besseren Perspektiven. „Das Finanzministerium konnte im Januar und Februar sogar deutlich größere Anleihen begeben als geplant“, sagt Marinov. JP Morgan hat angekündigt, die Staatstitel in seinen Index für Lokalwährungsanleihen von Schwellenländern aufzunehmen. Doch das träge und zerstrittene politische System bleibt ein großes Risiko, wie Marinov meint: „Die Achillesferse Rumäniens ist der träge Verwaltungsapparat.“

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de