Newsletter

Abonnements

Stimmungsindikatoren brechen ein

Die Geschäftserwartungen britischer CFOs sind so stark eingebrochen wie seit 2007 nicht mehr.
iSTock/Thinkstock/Getty Images

Die wirtschaftliche Unsicherheit und der schwache Nachfrageausblick haben bei britischen CFOs zum größten Einbruch der Geschäftserwartungen seit 2007 geführt. Das geht aus der aktuellen CFO Survey von Deloitte für das zweite Quartal 2012 hervor. In der Umfrage wurden die Finanzchefs von 137 großen Unternehmen befragt, darunter 37 Firmen aus dem britischen Leitindex FTSE 100 und 57 aus dem etwas breiter gefassten FTSE 250. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das rezessive Wirtschaftsumfeld und die Befürchtungen über ein Auseinanderbrechen der Eurozone immer stärker in den Geschäften britischer Unternehmen bemerkbar machen. Die Stimmung unter Großbritanniens Finanzchefs war in den zurückliegenden zwölf Monaten sehr volatil. Während in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres die Eurokrise für einen Einbruch sorgte, brachten die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank EZB die Hoffnung auf Besserung. Im zweiten Quartal dieses Jahres machte sich allerdings wieder Ernüchterung breit.

Den befragten CFOs zufolge ist das Auseinanderbrechen der Eurozone die größte Bedrohung für ihr Geschäft. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum Jahresende ein oder mehrere Länder den gemeinsamen Währungsraum verlassen, ist der Umfrage zufolge im zweiten Quartal auf 36 Prozent gestiegen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres lag dieser Wert noch bei 26 Prozent. Britische Unternehmen hätten daraufhin ihre Vorkehrungen für ein solches Szenario intensiviert. 28 Prozent der befragten CFOs gaben an, mit Notfallplänen „fertig“ oder in einem „finalen Stadium“ zu sein. Im Vorquartal hatten dies erst 18 Prozent der Finanzchefs behauptet. Die Stimmungslage der CFOs auf der Insel wurde zudem durch den Rückfall Großbritanniens in die Rezession beeinträchtigt. Den Befragten zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Rezession bis zum Ende des laufenden Jahres anhält oder dass es in den nächsten beiden Jahren zu einer erneuten Rezession komme, bei über 50 Prozent.

Einen Lichtblick liefert dagegen die aktuelle Finanzierungssituation. Für Finanzchefs großer Unternehmen seien die Finanzierungsbedingungen zurzeit so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zwar sei die Kreditvergabebereitschaft der Banken gesunken, allerdings würden viele CFOs dies als nicht so problematisch wahrnehmen. Nur 4 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Kosten oder die Verfügbarkeit von Finanzierungsmitteln der Grund für Änderungen in den Investitionsplänen gewesen seien. Vielmehr seien die unsichere Nachfragesituation und das schwierige gesamtwirtschaftliche Umfeld die Hauptgründe, weshalb Investitionsentscheidungen geändert würden. Die CFOs hätten auf das herausfordernde Umfeld reagiert und würden defensivere Strategien verfolgen, heißt es in der Studie. Für vier von fünf Finanzchefs sei aktuell nicht die richtige Zeit, um zusätzliche Risiken auf die Bilanz zu nehmen. „Viele Unternehmen versuchen stattdessen, ihre Verschuldung abzubauen oder stellen Randbereiche zur Disposition. Zudem werden Akquisitionen und Investitionen zurückgestellt“, kommentiert Mark Pitzpatrick von Deloitte die Studienergebnisse.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de