Newsletter

Abonnements

UniCredit lobt EZB, fordert mehr

Geschafft, Mario Draghi: Ein neues EZB-Programm für Bondkäufe soll die Eurozone retten.
WEF

Die gestrige EZB-Ankündigung eines unbegrenzten Programms für Anleihekäufe hat die Märkte elektrisiert. Spanische und italienische Anleiherenditen sind gefallen und die Aktienmärkten gestiegen. Dahinter steht die Erwartung, dass die EZB unter Mario Draghi bereitsteht, Milliarden von Euro in krisengeschüttelte Peripherieländer zu schütten. Die meisten Ökonomen sind gleichermaßen begeistert: Die Ankündigung komme einer Revolution gleich, sagt UniCredit.

Doch obwohl das Programm dem Euroraum eine dringend benötigte Atempause verschafft, bestehen die grundlegenden Probleme weiter, warnt UniCredit-Chefökonom Erik Nielsen. „Das Programm ist ein sehr wichtiger Teil im Gesamtpaket der Krisenmaßnahmen“, sagt er. „Aber wir brauchen auch strukturelle Veränderungen. Zwar gibt es Fortschritte auf nationaler Ebene; auf europäischer Ebene werden dagegen Rückschritte erzielt.“

Um zu vermeiden, dass die Regierungen nun in ihrem Reformeifer nachlassen, hat die EZB das Programm mit schweren Bedingungen verknüpft. Länder, welche die EZB um Stützung ihrer Anleihen bitten, müssen harte Verpflichtungen eingehen. Die Frage ist dabei, ob die EZB auch in der Lage sein wird, diese Verpflichtungen durchzusetzen, sollte der Reformrückstand eines Landes Sanktionen notwendig machen. Man wird es erst im Rückblick wissen, sagt Nielsen. „Es handelt sich um  Neuland. Es wird viele Herausforderungen geben. Aber es ist unmöglich, alle möglichen Szenarien vorauszuplanen.“

Entschieden wendet er sich gegen die Einschätzung, die gestrige Entscheidung habe die EZB in eine Art Super-IMF verwandelt. „Die EZB setzt die Bedingungen nicht fest.“ Tatsächlich sei das Programm sogar „clever“: Bewerber müssten mit dem ESM sprechen anstatt mit der EZB. Das Programm sei daher „kein Troika-Ding“. Das könnte die Implementierung erleichtern, weil so keine verhassten Technokraten mit dem Hubschrauber einfliegen und das Land übernehmen – eine Art der Umsetzung, die in Griechenland und Irland für viel böses Blut gesorgt hat.

Dies ist auch deshalb wichtig, da das erste Land, das die neuen EZB-Befugnisse in Anspruch nehmen wird, Spanien sein dürfte. Dort ist die Regierung bereits angeschlagen, nach dem sie bei der EU ein Rettungspaket für die spanischen Banken erbitten musste. Nielsen schätzt, dass die Wahrscheinlichkeit eines spanischen Hilfsappels bei über 50 Prozent liegt.

steven.arons[at]finance-magazin.de