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Währungswelt wird multipolar

Das Weltwährungssystem könnte vor dem nächsten großen Umbruch stehen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Das globale Währungssystem steht von vielen Seiten unter Druck: Der Euro steht womöglich kurz vor dem Auseinanderbrechen, die Vereinigten Staaten stehen vor einem „fiskalischen Kliff“, das den Dollar in noch viel größere Nöte stürzen könnte als die Eurozone, und der Renminbi nimmt als de-facto-Ankerwährung in Asien und als Handelswährung vieler Schwellenländer längst eine weltpolitische Rolle ein, die weit über das hinausgeht, was die chinesische Regierung sich und der Welt eingestehen will. Doch wohin die Reise des globalen Währungssystems von hier aus gehen wird, ist unklar. Alexander Börsch, Leiter Research Deutschland bei Deloitte, glaubt, dass es so nicht weitergehen kann: „Klar ist, dass das System sich an einem Scheideweg befindet“, sagte er bei FINANCE-TV.

Drei mögliche Szenarien

Drei denkbare Szenarien sollten CFOs sich vor allem vor Augen halten und regelmäßig deren mögliche Auswirkungen auf ihre Unternehmen prüfen: Sollten die fiskalpolitischen Probleme in Europa und den USA gleichermaßen nicht gelöst, sondern durch Abschottungsversuche nur oberflächlich eingedämmt werden, drohe eine nachhaltige Reduktion des globalen Güterhandels und eine verstärkte Re-Regionalisierung von Wirtschafts- und Währungsräumen mit negativen Folgen vor allem für die deutsche Exportwirtschaft.

Sollte die politischen Probleme in Europa nicht gelöst werden, drohe ein Scheitern oder eine Marginalisierung der Euro-Zone, mit entsprechend höheren Finanzierungskosten für europäische Unternehmen, auch wenn die USA und China in einem neuen Währungsduopol ihre Ungleichgewichte reduzierten.

Löst Europa seine Probleme, die USA aber nicht, könnte eine Währungswelt der zwei Geschwindigkeiten entstehen, mit dem Euro als Anker der langsam wachsenden Industrienationen und dem Renminbi als Leitwährung der Emerging Markets.

Eine überfällige Anpassung

Jedes der Extremszenarien wäre mit erheblichen Kosten für die Weltwirtschaft verbunden. Verlässt man jedoch die Extremfälle, sieht Börsch ein künftiges multipolares Währungssystem durchaus als Chance, die Weltwirtschaft zu stabilisieren. „Die Umstellung auf eine neue globale Währungsordnung muss nicht unbedingt negativ sein“, so Börsch. Als Beispiele diene die Ablösung des britischen Pfunds durch den US-Dollar. „Neue Währungssysteme stellen meist nur eine überfällige finanzwirtschaftliche Anpassung an realwirtschaftliche Kräfteverhältnisse dar – und das ist an sich begrüßenswert.“

armin.haeberle[at]finance-magazin.de