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Webinar: Die Grenzen des Geldes

Immer nach oben, immer mehr Geld, immer besseres Leben? Michael Sandel und Lord Skidelsky bezweifeln das.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Immer wenn eine Wirtschaftskrise außer Kontrolle gerät und Märkte, Politiker und Zentralbanker gleichermaßen hektisch nach Lösungen suchen, versuchen Akademiker mit etwas mehr Abstand auf die tieferliegenden Probleme zu blicken. Lord Robert Skidelsky, emeritierter Professor an der Universität von Warwick, ist als Wirtschaftshistoriker für seine Analysen so anerkannt wie wenige andere in Großbritannien. Zusammen mit seinem Sohn Edward Skidelsky hat er jüngst eine kritische Analyse der vergangenen Jahre herausgebracht: „How Much Is Enough? Money and the Good Life“.

Am 20. November von 11 Uhr an wird Lord Skidelsky seine Thesen in der Webinarserie  unseres Schwestermagazins CFO Insight exklusiv diskutieren. Dabei sind die Skidelskys mit ihrer Kritik an den sozioökonomischen Entwicklungen der vergangenen Jahre keineswegs allein. Harvard-Professor Michael Sandel schlägt mit „What Money Can’t Buy“ in dieselbe Kerbe. Das Buch erscheint heute erstmals in deutscher Übersetzung, nachdem es im April bereits in den USA veröffentlicht wurde. Damit dürfte Sandel seine Leserschaft nochmals deutlich erweitern. Genau wie Lord Skidelsky geht es ihm dabei nicht um populistische Schnellschüsse gegen den Kapitalismus, sondern um eine kritische Betrachtung langfristiger Trends. Finanzvorstände sollten sich der Debatte bewusst sein, denn mit ihrem Renommee haben beide Autoren das Potential, auch die politische Meinungsbildung zu beeinflussen.

Ungleichheit und Korruption

In den vergangenen Jahrzehnten, so Sandel, hat die Bedeutung von Geld in der Gesellschaft rapide zugenommen. Als Beispiele nennt er Gefängnisinsassen in den USA, die sich gegen Bezahlung besserer Zellen als der Durchschnittsgefangene mieten könne, oder Arbeitslose, die von Lobbyisten bezahlt werden, um für sie vor dem amerikanischen Kongress Schlange zu stehen.

Damit verbunden sind Sandel zufolge zwei Hauptprobleme: Erstens steige die Ungleichheit, da mit zunehmender Monetarisierung der Gesellschaft reiche Personen zunehmend noch besser dastünden als ärmere. Zweitens korrumpiere Geld Gesellschaften, und das nicht nur in Form direkter Korruption. Auch wenn Kinder dafür bezahlt werden, Bücher zu lesen (wie in einigen Schulen in Dallas), verliere Lesen den kulturellen Aspekt und vermittele kein Gefühl von Zufriedenheit, sondern werde zu einer banalen Einnahmequelle.

In den vergangenen Jahrzehnten, so Sandel, hat die Bedeutung von Geld in der Gesellschaft rapide zugenommen. Als Beispiele nennt er Gefängnisinsassen in den USA, die sich gegen Bezahlung besserer Zellen als der Durchschnittsgefangene mieten könne, oder Arbeitslose, die von Lobbyisten bezahlt werden, um für sie vor dem amerikanischen Kongress Schlange zu stehen.

Finanzvorstände können mitdiskutieren

Damit verbunden sind Sandel zufolge zwei Hauptprobleme: Erstens steige die Ungleichheit, da mit zunehmender Monetarisierung der Gesellschaft reiche Personen zunehmend noch besser dastünden als ärmere. Zweitens korrumpiere Geld Gesellschaften, und das nicht nur in Form direkter Korruption. Auch wenn Kinder dafür bezahlt werden, Bücher zu lesen (wie in einigen Schulen in Dallas), verliere Lesen den kulturellen Aspekt und vermittele kein Gefühl von Zufriedenheit, sondern werde zu einer banalen Einnahmequelle.

Die Skidelskys fragen ihrerseits, ob Wirtschaftswachstum und monetär definierter Wohlstand  wirklich zu einem besseren Leben beitragen. Beispielsweise habe sich das pro-Kopf-Einkommen in Großbritannien seit 1974 verdoppelt, „aber wir haben deshalb keineswegs mehr Grundgüter (wie bspw. Gesundheit, Freundschaft etc., Anm.d.R.) als damals“. Vielmehr verdrängten in einer hochgradig monetarisierten Gesellschaft käufliche Güter zunehmend die nicht-käuflichen Güter, da letztere nicht bepreisbar seien und viele Menschen ihnen damit auch keinen Wert mehr beimessen könnten.

Mögen die Analysen auch zum Teil akademisch-abstrakt wirken, stoßen sie doch in der aktuellen Situation auf Resonanz. Finanzvorstände tun daher gut daran, die Beiträge zu verfolgen – schon allein um für die Diskussionen gewappnet zu sein, die im kommenden  Jahr so manche politische Agenda bestimmen könnten. Wenn Sie mitdiskutieren wollen, registrieren Sie sich bei unserem Schwestermagazin CFO Insight für das Webinar mit Lord Skidelsky am 20. November.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de