Fixe Grundvergütung und Zuschüsse für Gremienarbeit: Diese Vergütungsstruktur setzt sich in immer mehr Aufsichtsräten durch. Doch die Summen variieren stark.

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02.01.19
Finanzabteilung

Aufsichtsräte bekommen höhere Fixvergütung

Der Trend zu einer steigenden Fixvergütung von Aufsichtsräten ist ungebrochen. Gut 75.000 Euro bekommen die Aufseher im Schnitt. Die Spannbreite ist allerdings nach wie vor groß.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland verzichten bei ihren Aufsichtsräten auf eine erfolgsorientierte Vergütung. Lag der Anteil der Aufsichtsgremien ohne erfolgsorientierte Vergütung im Jahr 2012 erst bei 27 Prozent, waren es 2018 bereits 76 Prozent, zeigt der jetzt veröffentlichte „Board Index 2018“ der Personalberatung Spencer Stuart. Für den Index wurden Daten von 70 Unternehmen erfasst, darunter alle Dax-Unternehmen.

Die Mehrzahl der Konzerne zahlt den Aufsehern eine Fixvergütung und gewährt zusätzliche Gelder für die Mitarbeit in Ausschüssen. Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2016 ist die Fixvergütung weiter gestiegen: In Deutschland erhält ein Aufsichtsratsmitglied durchschnittlich 75.507 Euro – ein sattes Plus von 17 Prozent gegenüber 2016. Die Aufsichtsratsvorsitzenden kassieren ebenfalls 17 Prozent mehr, im Schnitt inzwischen fast 188.000 Euro.

Hohe Fixvergütung bei BASF und SAP

Die Spreizungen sind allerdings nach wie vor enorm: Die Aufsichtsratsmitglieder der analysierten Unternehmen erhalten je nach Unternehmen zwischen 13.000 und 200.000 Euro jährlich – eine Spreizung um den Faktor 15. Das klingt enorm viel, aber die Schere schließt sich: 2016 lag die Maximalvergütung noch um das 26-Fache über dem niedrigsten Betrag.

Spencer Stuart führt die Annäherung darauf zurück, dass die Unternehmen, die am wenigsten bezahlen, ihre Aufsichtsratshonorare deutlich angehoben haben. Grundsätzlich gilt: Die Fixvergütung steigt insbesondere dann, wenn erfolgsorientierte Komponenten entfallen, und dieser Trend ist ungebrochen.

So zahlt beispielsweise BASF den Aufsichtsratsmitgliedern eine fixe Vergütung von 200.000 Euro und ist damit Spitzenreiter. Der Dax-Konzern bietet aber keine erfolgsorientierte Vergütung an. Ein im Vergleich zu anderen Unternehmen hohes Fixum erhalten Aufsichtsräte auch bei SAP (165.000 Euro), Linde (150.000 Euro), Daimler (144.000 Euro), Siemens (140.000 Euro) und E.on (140.000 Euro). Auch diese Unternehmen verzichten auf erfolgsorientierte Vergütungen für ihre Aufsichtsräte.

Bayer dagegen bietet neben einem Fixum für Aufsichtsratsmitglieder von 132.500 Euro auch eine erfolgsorientierte Vergütung – allerdings verpflichten sich die Aufseher, mindestens ein Viertel der Gesamtvergütung in Bayer-Aktien zu investieren und diese für die Dauer ihres Mandats zu halten.

Fresenius und Hugo Boss bieten variable Anteile

Deutlich geringer ist die Fixvergütung beispielsweise bei Fresenius (13.000 Euro), Drägerwerk (20.000 Euro), oder Hugo Boss (25.000 Euro). Diese drei Konzerne bieten jedoch eine variable Komponente. Andere Unternehmen wie Fraport (22.500 Euro) und United Internet (15.000 Euro) hingegen verzichten trotz eines im Vergleich eher geringen Fixums auf eine erfolgsbasierte Komponente.

In den meisten Unternehmen können die Aufsichtsräte ihr Fixum jedoch noch aufstocken, indem sie sich in Ausschüssen engagieren. Mehr als 90 Prozent der analysierten Unternehmen zahlen für die Mitarbeit in einem Ausschuss eine gesonderte Vergütung. Dabei nimmt der Prüfungsausschuss eine besondere Rolle ein: 77  Prozent der Unternehmen, die Ausschüsse eingerichtet haben, gewähren den Mitgliedern des Prüfungsausschusses eine höhere Vergütung oder vergüten sogar nur die Mitarbeit im Prüfungsausschuss. Dort sitzen in der Regel Aufseher mit besonderer Finanzkompetenz, oft ehemalige oder amtierende CFOs.

Doch die Mitarbeit in Prüfungsausschüssen ist auch besonders aufwendig: die Aufsichtsratsgremien, die sich mit Kontrollthemen befassen, tagen Spencer Stuart zufolge deutlich häufiger als andere Fachausschüsse – im Schnitt fünf Mal im Jahr.

Bereitschaft zur Mitarbeit im Aufsichtsrat sinkt

Insgesamt tagten die Aufsichtsräte der untersuchten 70 Konzerne im Geschäftsjahr 2017 im Schnitt an 6,8 Terminen. Damit ist die Sitzungshäufigkeit seit 2008 (durchschnittlich 4,6 Termine) deutlich gestiegen. Das macht es für die Unternehmen allerdings offenbar auch schwieriger, aktive Manager für eine Gremientätigkeit zu gewinnen. Nur noch 22 Prozent der aktiven Vorstandsmitglieder der analysierten Aktiengesellschaften haben mindestens ein externes Mandat. 2016 waren es noch 26 Prozent.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de