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10.04.12
Finanzabteilung

Dax 30: CFO verdient fast die Hälfte weniger als der CEO

Die Finanzvorstände der Dax-Konzerne verdienten 2011 im Durchschnitt mehr als 40 Prozent weniger als ihr CEO-Kollege. Die Spannbreite der Differenz zwischen der CEO- und der CFO-Direktvergütung ist dabei allerdings überraschend groß.

Der Finanzvorstand eines DAX-30-Konzerns verdiente 2011 deutlich weniger als der Vorstandsvorsitzende. Im Durchschnitt hatte der CFO 43,23 Prozent weniger als der CEO auf seinem Lohnzettel. Das ergab eine aktuelle Auswertung der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp). Die Spannbreite der Differenz zwischen der CEO- und der CFO-Direktvergütung ist dabei überraschend groß. MAN-Finanzchef Frank H. Lutz verdiente beispielsweise lediglich rund ein Viertel weniger als MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen. Beim Gesundheitskonzern Fresenius war der Unterschied im vergangenen Jahr schon deutlich größer: CFO Stephan Sturm hatte etwa 40 Prozent weniger als CEO Ulf M. Schneider erhalten. Spitzenreiter war jedoch der Industriegasehersteller Linde. CFO Georg Denoke musste sich bei der Direktvergütung mit 66 Prozent weniger zufriedengeben als Linde-Chef Wolfgang Reitzle. 

In Anbetracht der steigenden Bedeutung des CFOs ist diese im Vergleich zum CEO deutlich geringere monetäre Wertschätzung überraschend, denn im Zuge der größeren Bedeutung der Kapitalmärkte und nicht zuletzt durch die Entwicklungen des Sarbanes-Oxley Acts hat es eine Aufwertung der CFO-Position gegeben. „Diesen Profilwandel jedoch heranzuziehen, um zu begründen, dass ein CFO in Deutschland genauso wichtig ist wie der CEO, finde ich überintepretiert“, sagt Michael. H. Kramarsch, Managing Partner der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) gegenüber FINANCE. Der Grund: „Durch das Aktiengesetz ist der Vorstand in Deutschland als ein Gremium definiert, aus dem ganz klar der Vorstandsvorsitzende herausgehoben ist“, sagt Kramarsch. Der CFO sei lediglich ein Mitglied eines gesamthaft verantwortlichen Vorstands. „Ich kann in der grundsätzlichen Verantwortungsverteilung in den deutschen Vorstandsgremien keinen Grund erkennen, warum der CFO gegenüber den anderen ordentlichen Vorstandskollegen herausgehoben sein sollte.“

Aufgrunddessen ist es nicht überraschend, dass der CFO der Auswertung zufolge in der Regel mit den anderen ordentlichen Vorstandsmitgliedern bei der Direktvergütung 2011 gleich auflag. Lediglich bei der Deutsche Telekom, Eon, der Münchener Rück, Daimler und der Allianz gab es deutliche Abweichungen nach oben, bei Henkel, Adidas, Linde, Deutsche Bank und Merck nach unten. Konkret bedeutet das, dass Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges beispielsweise etwa die Hälfte mehr, Merck-CFO Michael Becker rund ein Fünftel weniger als der Durchschnitt seiner Vorstandskollegen (OVM) verdient hatte. „Bei diesen Ausnahmen nach oben wird der CFO in seiner Vergütung stärker durch seine Person als durch die Funktion geprägt“, erklärt Kramarsch. Bei den Ausnahmen nach unten, würden andere Vorstandsmandate als wichtiger als der CFO angesehen. „Die Vergütung ist immer ein guter Gradmesser dafür, wie bedeutend eine Funktion ist, denn durch die Vergütungstransparenz wird die Wertigkeit nach außen und nach innen sichtbar.“ 

Diese Tendenzen bei der Vorstandsvergütung sind grundsätzlich auf die mittelständischen Unternehmen übertragbar. Auch dort verdienen die CFOs in der Regel deutlich weniger als die CEOs. „Allerdings nimmt die Streuung bei der Vergütung der Vorstände und Geschäftsführer zu, da einzelne Aktionäre stärker dominieren“, glaubt Kramarsch.

sabine.paulus(*)finance-magazin(.)de


Hier finden Sie eine Übersicht über die Vergütung der DAX-30-Finanzvorstände 2011.