Gehälter der Dax-CFOs stagnieren

Fuse

16.04.13
Finanzabteilung

Gehälter der Dax-CFOs stagnieren

Die Vergütung der Dax-Finanzchefs lag 2012 ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Die durchschnittliche Direktvergütung stieg um knapp 2 Prozent, ergab eine Analyse, die FINANCE exklusiv vorliegt. In einzelnen Fällen gab es jedoch deutliche Ausreißer nach oben.

Die Gehälter der Dax-Finanzvorstände stagnierten im vergangenen Jahr. Die durchschnittliche Direktvergütung (Grundvergütung plus ein- und mehrjährige variable Vergütung) der Finanzchefs der 30 größten börsennotierten Unternehmen ist lediglich um knapp 2 Prozent gestiegen, ergab eine aktuelle Auswertung der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp), die FINANCE exklusiv vorliegt.

Aber die individuelle Entwicklung der Dax-CFOs ist davon deutlich abgekoppelt. Der VW-Vorstand führt auch 2012 die Liste der Top-Verdiener an. Wie Martin Winterkorn bei den CEOs führt auch VW-CFO Hans Dieter Pötsch die Gehälterliste bei den Dax-Finanzvorständen an. Er bekam stattliche 5,3 Millionen Euro im vergangenen Jahr, was rund ein Drittel weniger ist als noch 2011. Werner Baumann, Finanzchef von Bayer, konnte sich 2012 über eine Direktvergütung von 2,9 Millionen Euro freuen, was im Vergleich zu 2011 einer Steigerung von 36,9 Prozent entspricht. Auch E.on-CFO Marcus Schenck verzeichnete fast ein Drittel mehr Geld auf seinem Konto. 2012 verdiente der Finanzchef des Energieversorgers 4 Millionen Euro, 2011 waren es 3 Millionen Euro. Allerdings sind die Zahlen mit etwas Vorsicht zu genießen, da die Konzerne unterschiedliche Ausweispraktiken angewendet haben. „Da werden teilweise Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt Michael H. Kramarsch, Managing Partner bei hkp. Das würde sich durch die vorgeschlagenen Änderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (siehe Infokasten) ändern: „Wenn diese Regelungen in der geforderten Form kommen, kenne ich kein anderes Transparenzregime, das dann noch an unseres herankäme“, ergänzt Kramarsch.

Barvergütung der Dax-CFOs 18 Prozent niedriger als 2006

Im Zeitraum von 2006 (erstmalige individuelle Veröffentlichung) bis 2012 ist die durchschnittliche Direktvergütung der Dax-Vorstandsmitglieder einschließlich CFO hkp zufolge um 1,9 Prozent jährlich gestiegen. Im Vergleich dazu hat die Gesamtvergütung der CEOs im gleichen Zeitraum um 2,5 Prozent zugelegt. Festvergütung und Boni, auf die ein CFO sofort Zugriff hat, sind dagegen in den vergangenen sechs Jahren um 18 Prozent gesunken. Bei den CEOs ist die Barvergütung im gleichen Zeitraum um 15 Prozent gesunken. Diese Entwicklung zeigt, dass die Vergütungssteigerungen bei den Vorständen über langfristige Komponenten erfolgen. Mehr als zwei Drittel der variablen Vergütung werden nach langfristig orientierten Kriterien vergeben. Im Jahr 2012 lag die durchschnittliche Höhe der mehrjährigen variablen Vergütung aller Dax-Vorstandsmitglieder einschließlich CFOs laut hkp bei nur 1,2 Millionen Euro.

Dax-CFO verdient die Hälfte des CEO

Der Finanzvorstand eines DAX-30-Konzerns verdiente auch 2012 deutlich weniger als sein CEO-Kollege. Im Durchschnitt hatte der CFO 45 Prozent der Auswertung zufolge weniger in der Tasche. Die Unterscheide zwischen der CEO- und der CFO-Direktvergütung schwanken allerdings sehr stark. Am größten war die Differenz 2012 wie im Vorjahr beim Industriegasehersteller Linde. CFO Georg Denoke musste sich bei der Direktvergütung mit 63,7 Prozent weniger zufriedengeben als Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Adidas-Finanzchef Robin J. Stalker bekam beispielsweise 58,0 Prozent weniger als CEO Herbert Hainer. Beim Dax-Neuling Continental sind die Unterschiede zwischen CEO Elmar Degenhart und Finanzchef Wolfgang Schäfer deutlich kleiner: CFO Schäfer verdiente 20,3 Prozent weniger als Conti-Chef Degenhart.

In den deutschen Vorstandsetagen ist der CEO also nach wie vor noch der Primus, was sich auch in der Vergütung widerspiegelt. Normalerweise bekommt der CEO hkp zufolge das 1,8- bis zweifache mehr als die anderen Vorstände einschließlich CFO. „In Deutschland gibt es in der Vorstandsvergütung keine funktionsbezogene Unterscheidung mit Ausnahme des CEOs“, erläutert Dirk Filbert, Partner bei hkp. „Dort, wo der CFO mehr oder weniger bekommt als die anderen ordentlichen Vorstandsmitglieder, ist die Vergütung in der Regel personenbezogen und es wird die ,Seniorität‘ des CFOs, d.h. Alter, Erfahrung etc., bei der Vergütung berücksichtigt.“ Im Durchschnitt verdiente der CFO 2012 7,2 Prozent mehr als der Durchschnitt der Vorstandskollegen mit Ausnahme des CEOs.

An dieser Entwicklung wird sich auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern. „Die Vergütungssysteme ändern sich nicht jährlich“, sagt Filbert. „Es ist aber auch wünschenswert, wenn es bei der Vorstandsvergütung eine gewisse Kontinuität gibt.“

2013 werden die CFO-Gehälter stagnieren

Auch in diesem Jahr dürften die Gehälter der Dax-Finanzvorstände stagnieren. „Ich erwarte nicht wirklich große Änderungen, weder nach oben noch nach unten, da ich nicht von einem Rekordjahr ausgehe“, sagt Filbert. Nur wenn die Ergebnisse der Unternehmen deutlich steigen sollten, ginge die Vorstandsvergütung gegebenenfalls leicht hoch. Hintergrund für die Stagnation bei den Gehältern ist die verbreitete Struktur der Vergütungspakete: Das, was die Unternehmen ihren Vorständen kurzfristig ausbezahlen, ist deutlich geringer geworden. Auf das Jahresergebnis ist nur noch ein knappes Drittel der variablen Vergütung ausgerichtet. Damit hat das Ergebnis des Jahres 2013 keinen großen Einfluss auf die Gesamt- und Direktvergütungen der Vorstände.

Vorschläge der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex zur Verbesserung des Vergütungsausweises

•    Darstellung von tatsächlich realisierten Vergütungen
•    Darstellung von Zielwerten zur Einordnung von tatsächlich realisierten Vergütungen
•    Darstellung von Vergütungsobergrenzen und damit Möglichkeit zur Beurteilung durch Aktionäre und Öffentlichkeit (schon heute geben 83 Prozent der Dax-Unternehmen an, für ihre Bonuspläne über eine betragsmäßige Obergrenze zu verfügen)
•    Ausweis des Dienstzeitaufwands ermöglicht endlich Aussagen zum jährlichen Vergütungswert der Altersversorgung

Mit den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodexes werden die Veröffentlichungspflichten um eine Zuwendungs- und Zufluss-Sicht ergänzt.