Mit nur 38 Jahren wird Gunnar Wiedenfels am kommenden Montag Dax-CFO. Was das Gehalt angeht, kann er sich nicht mit den anderen Finanzchefs im Index messen.

ProSiebenSat.1

18.03.16
Finanzabteilung

ProSieben-Finanzchef Wiedenfels: Dax-CFO ohne Dax-Gehalt

Mit nur 38 Jahren wird Gunnar Wiedenfels am kommenden Montag Dax-CFO. Was das Gehalt angeht, kann er sich nicht mit den anderen Finanzchefs im Index messen.

Karrieresprung für Gunnar Wiedenfels: Ab dem kommenden Montag darf sich der Finanzvorstand des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 Dax-CFO nennen. Wiedenfels wird durch den Eintritt seines Unternehmens in die erste Index-Liga mit nur 38 Jahren Dax-CFO.

Ex-CFO Axel Salzmann kassierte 2014 saftigen Bonus

In Sachen Gehalt findet sich Wiedenfels nur am unteren Ende der Tabelle der Dax-Finanzchefs wieder. Im Jahr 2015 verdiente er 774.000 Euro. ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling kassierte mit 2,8 Millionen Euro das Vierfache. Selbst wenn man bedenkt, dass Wiedenfels die CFO-Position erst Anfang April des vergangenen Jahres angetreten hat, dürfte seine Vergütung deutlich unter dem Dax-Durchschnitt von 3,1 Millionen Euro im Jahr 2014 liegen. Schlusslicht war seinerzeit der inzwischen aus dem Unternehmen ausgeschiedene Beiersdorf-CFO Ulrich Schmidt mit 998.000 Euro.

Die Vergütung von Wiedenfels steht in Kontrast zur starken Entwicklung von ProSieben. Seit Wiedenfels im Jahr 2009 zum Unternehmen gestoßen ist, ist der Börsenwert von unter einem Euro auf über 45 Euro explodiert. Im Geschäftsjahr 2015 erwirtschaftete der Medienkonzern einen Rekordumsatz von 3,2 Milliarden Euro bei einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 730 Millionen Euro.

Die Performance ist allerdings nicht in erster Linie Wiedenfels, sondern seinem Vorgänger Axel Salzmann und CEO Ebeling zuzuschreiben. Sie kassierten bereits 2014 ein dickes Bonus-Paket: Salzmann erhielt 15,5 Millionen Euro Gesamtvergütung, Ebeling satte 28,5 Millionen Euro. Grund war die Veräußerung der mittelbaren Aktien durch den früheren Mehrheitsaktionär Lavena, der Holding der PE-Investoren KKR und Permira, die lange an ProSiebenSat.1 beteiligt war.

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ProSiebenSat.1 sucht M&A-Targets

Wiedenfels hat die Entwicklung bei den Unterföhringern (bei München) eng begleitet. Sukzessive hat sich der dreifache Vater bei ProSiebenSat.1 hochgearbeitet: Nachdem er 2009 in der Strategieabteilung anfing, war der frühere McKinsey-Manager von 2010 bis 2011 stellvertretender Group Controller und in der Position für die konzernweite Budgetplanung und -steuerung sowie für das Management-Reporting zuständig. Später erhielt Wiedenfels die kaufmännische Verantwortung für das deutschsprachige Free-TV-Segment. 2012 zum Controlling-Chef von ProSiebenSat.1 ernannt, 2014 zum stellvertretenden CFO.

Damit sich ProSiebenSat.1 langfristig im Dax hält, muss CFO Wiedenfels die Augen nach attraktiven M&A-Targets offen halten. Der Medienkonzern will vor allem das Digitalgeschäft ausbauen: Bis 2018 soll der Anteil am Gesamtumsatz von derzeit 26 auf über 35 Prozent steigen. Der Konzernumsatz soll bis dahin auf 4,2 Milliarden Euro zulegen, die Digitalsparte muss also klar im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Attraktive Akquisitionsziele sind aber rar gesät, auch die Konkurrenten Axel Springer und Bertelsmann wollen ihr Digitalgeschäft ausbauen.

Dass Wiedenfels Akquisitionsobjekte finden kann, hat er bereits bewiesen. Im Sommer 2015 kaufte ProSiebenSat.1 das Online-Vergleichsportal Verivox für 170 Millionen Euro. Wenn Wiedenfels weitere M&A-Deals glücken, könnte auch sein Gehalt deutlich zulegen. Einen Bonus wie sein Vorgänger Salzmann im Jahr 2014 wird er aber eher nicht bekommen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de