Schwäbische Treasurer verdienen mehr

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10.08.12
Finanzabteilung

Schwäbische Treasurer verdienen mehr

Mehr als die Hälfte der deutschen Treasurer erhielten 2011 eine Gehaltserhöhung. Die Spezialisten in Finanzabteilungen im Süden Deutschlands verdienten dabei im Schnitt am meisten. Auch zwischen Männer und Frauen gibt es deutliche Unterschiede.

Mehr als jeder zweite deutsche Treasurer konnte sich 2011 über eine Gehaltserhöhung freuen. Im Durchschnitt bekamen die Spezialisten 5,1 Prozent mehr Gehalt als im Vorjahr auf das Konto. Das hat eine Umfrage von Robert Half unter rund 60 deutschen Treasurern ergeben, die im Januar und Februar dieses Jahres durchgeführt und jetzt veröffentlicht wurde. Die Gehaltssteigerungen sind deutlich höher als bei der vorherigen Umfrage der Personalberatung. Im Krisenjahr 2009 haben rund 10 Prozent weniger eine Gehaltserhöhung von durchschnittlich 4 Prozent erhalten. „Der Treasurer-Markt ist im Moment sehr eng, das Angebot an passenden Mitarbeitern ist nach wie vor nicht so groß“, sagt Sven Hennige, Managing Director Central Europe bei Robert Half. „Die Firmen wollen ihre Treasury-Mitarbeiter auf jeden Fall halten.“ Dabei sei ein höheres Gehalt ein guter Anreiz.

Wie bei anderen Berufsgruppen auch gibt es ein sehr starkes Nord-Süd-Gefälle: In Baden-Württemberg verdienen Treasurer im Schnitt mehr als 91.000 Euro, in Berlin muss sich ein Treasury-Mitarbeiter mit lediglich 55.000 Euro zufriedengeben. Eine ähnliche Tendenz gibt es auch bei Finanzexperten in den Bereichen Controlling und Buchhaltung. Die norddeutschen Regionen könnten jedoch aufholen: „In Hamburg und in Nordrhein-Westfalen werden die Gehälter in den kommenden Jahren überdurchschnittlich steigen“, prognostiziert Hennige. Der Grund: steigende Lebenshaltungskosten, die besonders in Hamburg zu spüren seien.

Nord-Süd-Gefälle beim Gehalt der Treasurer (Angaben in Euro)

Baden-Württemberg: 91.105
Bayern: 81.468
Hamburg: 64.166
Nordrhein-Westfalen: 58.958
Berlin: 55.000

Quelle: Robert Half

Treasurer öfter mit variablem Gehaltsteil

Variable Bestandteile nehmen Hennige zufolge zudem einen immer größeren Anteil ein. 60 Prozent der Treasurer haben der Umfrage zufolge 2011 einen variablen Gehaltsanteil von durchschnittlich 16 Prozent des Jahreseinkommens erhalten, 2009 lag er noch bei nur 11 Prozent. Bei den Zusatzleistungen gab es einige Verschiebungen im Vergleich zu den vergangenen Umfragen. Die vermögenswirksamen Leistungen hat es auf den letzten Platz verschlagen, bei der vergangenen Umfrage waren sie noch auf Platz eins. Flexible Arbeitszeiten können nach wie vor mehr als die Hälfte der Befragten in Anspruch nehmen. Auch nutzen immer mehr Treasurer ein Firmenhandy oder einen Firmenlaptop.

„Die Nachfrage in Deutschland nach Mitarbeitern im Finanzbereich ist so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr“, sagt Hennige. Deshalb bestünde derzeit wieder die Möglichkeit, dass sich die Gehaltsvorstellungen wie 2007 und 2008 hochschaukeln – darin könnte auch eine Gefahr liegen. „Jeder Bewerber sollte sich richtig einschätzen und nicht zu viel verlangen“, rät Hennige. „Das kommt sonst in einer möglichen Krise wie ein Boomerang zurück und man gehört zu den ersten, die gehen müssen.“

Auch zwischen den Geschlechtern gibt es deutlich Unterschiede: Männer verdienen im Durchschnitt 82.792 Euro, Frauen nur 66.411 Euro. Hinzu kommt, dass Männer durchschnittlich zwei Stunden in der Woche länger arbeiten als ihre weiblichen Kolleginnen (Männer/Frauen: vertragliche Arbeitszeit: 39,6h/37,8h, tatsächliche Arbeitszeit: 48,2h/46,6h). Diese Differenzen liegen vor allem daran, dass mehr Männer als Frauen Führungspositionen bekleiden. „Sind Frauen in einer Führungsrolle, dann erhalten sie aber das gleiche Gehalt wie Männer“, betont Hennige.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de