Ex-Banker müssen bei Unternehmen zwar mit weniger Boni rechnen. Allerdings können sie dafür meist früher nach Hause.

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20.12.18
Finanzabteilung

So viel Gehalt zahlen Unternehmen ihren M&A-Spezialisten

Immer mehr Konzerne setzen auf eigene M&A-Teams und holen sich Ex-Banker ins Boot. Die müssen zwar mit weniger Gehalt rechnen, erhalten dafür aber andere Vorteile.

Früher waren M&A-Spezialisten hauptsächlich bei Banken und Beratern zu finden. Heute setzen hingegen immer mehr Unternehmen auf eigene Übernahmespezialisten. Vor allem Dax-Konzerne und große Familienunternehmen haben sich in den vergangenen Jahren eigene Mannschaften aufgebaut, mit denen sie Targets selbst finden und komplexe M&A-Deals in großen Teilen selbst stemmen.

Das Interesse der Industrie an M&A-Experten zieht zunehmend Investmentbanker an, beobachtet Jan Graffelder von der Personalberatung Look & Graffelder: „Jedes Jahr wechseln mehr und mehr Banker auf die Unternehmensseite“, sagt er. Das sei auch dadurch bedingt, dass die großen deutschen Geldhäuser sparen und Stellen abbauen, was die Zufriedenheit der Investmentbanker senke.

120.000 Euro Jahresgehalt im Corporate M&A möglich

Aber wie sehr leidet der Geldbeutel der Banker durch den Schritt auf die Corporate-Seite? Junior Manager verdienen auf Unternehmensseite zwischen 50.000 Euro und 70.000 Euro. Ein M&A-Manager kann bis zu 110.000 Euro bekommen, während Senior M&A-Manager für gewöhnlich nicht mehr als 120.000 Euro erhalten.

Die Leiter der M&A-Teams sind Unternehmen dann schon bis zu 250.000 Euro wert – dafür würden wohl auch einige Banker gern die Seite wechseln. Allerdings engagieren Unternehmen nur selten Investmentbanker als M&A-Chef: „Zumindest bei großen Konzernen werden fast alle Leiter M&A intern besetzt“, sagt Headhunter Graffelder. Zu wichtig sei die Vernetzung und auch, dass der M&A-Chef die Unternehmensprozesse gut kennt.

Quelle: Compensation Partner, Fricke Finance & Legal, Page Group und Tri Finance

Insgesamt müssen M&A-Banker bei einem Wechsel auf die Corporate-Seite jedoch kleinere Brötchen backen. „Selbst Junior Manager verschlechtern sich meist signifikant“, sagt Graffelder. Er schätzt, dass die Vergütungseinbußen bei 30 bis 50 Prozent liegen. „Hier fällt vor allem der Bonus ins Gewicht, der im Investmentbanking deutlich höher ausfällt.“

Geld ist jedoch nicht alles: Unternehmen bieten Bankern andere Vorzüge. „Man kann dort strategisch mitarbeiten, während man als Banker nur Dienstleister ist, der nach einer Übernahme komplett raus ist“, erklärt Graffelder. Dabei sind es oft erst die einer Akquisition folgenden Integrationsarbeiten, die das M&A-Geschäft so spannend machen. Die Arbeitszeiten sind in Unternehmen zudem deutlich humaner.

Gute Karriereaussichten für M&A-Spezialisten

Der Wechsel von der M&A-Abteilung einer Bank in ein Unternehmen kann sich auch karrieretechnisch lohnen, wie das Beispiel Frank Herzogs zeigt. Nach Stationen als Investmentbanker bei Goldman Sachs und Citigroup ging er 2012 zum Gabelstaplerhersteller Kion, wo er als Leiter Corporate Finance auch das M&A-Ressort betreute.

In der Funktion fädelte er mit der Übernahme des US-Automatisierungsspezialisten Dematic den größten M&A-Deal der Firmengeschichte mit ein. Nach Abschluss der Akquisition wurde Herzog dann CFO der neuen Kion-Sparte. Den Posten hat er vor wenigen Wochen allerdings wieder abgegeben, um sich einer neuen, noch unbekannten Herausforderung in Europa zuzuwenden.

Herzog war bei seinem Wechsel auf die Corporate-Seite allerdings schon Mitte 40. Typischerweise wechseln M&Aler früher von der Banken- auf die Unternehmensseite. „Die meisten stellen nach drei bis sechs Jahren in der Bank fest, dass sie etwas anderes machen wollen“, sagt Headhunter Graffelder.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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