Immer wieder fallen Konzerne durch hohe Vorstandsgehälter auf. Die Nachvollziehbarkeit der Managervergütung ist aber die größere Baustelle, viele Berichte erschlagen durch ihren Umfang.

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29.05.18
Finanzabteilung

„Vergütungsberichte erschlagen durch ihren Umfang“

Bei vielen Konzernen sind die Vergütungsstrukturen nur schwer nachvollziehbar. Gehaltsexperte Stefan Würz verrät, was ihm am meisten missfällt – und gibt Lösungsvorschläge.

Egal ob der Autobauer Volkswagen, der wankende Möbelriese Steinhoff oder zuletzt der Onlinehändler Zalando: Immer wieder fallen deutsche Konzerne durch üppige Vorstandsgehälter auf. Ein großes Problem für Aktionäre: Die Bonuszahlungen sind häufig schlecht nachvollziehbar. Wieso das so ist, erklärt Stefan Würz, Managing Partner bei den Global Board Services, einem Beratungsunternehmen für Aufsichtsräte, Investoren und Unternehmerfamilien.

Herr Würz, fast alle Dax-Konzerne halten sich bei der Managervergütung mittlerweile an die Vorgaben des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK). Sie kritisieren die Gehälter dennoch als intransparent. Wieso?
Das große Problem ist die Nachvollziehbarkeit der Vergütungspläne bei den Kurzzeitboni, auch STI genannt, und der Langzeitboni, auch als LTI bekannt. Diese basieren auf Ergebniskennzahlen, die nicht nur an den Aktienkurs gekoppelt sind. Die STIs und LTIs geben meistens nur an, wie viel vergütet wurde. Wie der Betrag zustande gekommen ist, bleibt indes offen. Dies wurde auch in unserer Studie zur Transparenz der Vorstandsvergütung deutlich, in der wir die Geschäftsberichte von mehr als 160 in- und ausländischen börsennotierten Unternehmen, unter anderem in Bezug auf deren Inhalte, Darstellungsweise und Nachvollziehbarkeit, analysiert haben.

Was kritisieren Sie konkret?
Ein fiktives Beispiel: Es gibt eine Zielerreichung über drei KPIs – etwa Aktienkurs, Mitarbeiterzufriedenheit und Vorsteuergewinn. Der Vorstand erreicht davon nur den Vorsteuergewinn, die anderen beiden verfehlt er. Die Bonusauszahlung kann dann trotzdem 100 Prozent betragen, weil ein Vorstand auch 150 Prozent erreichen kann, wenn er die Ziele in einem der Bereiche übererfüllt. Als Aktionär kann man hier nicht erkennen, wie die KPIs gewichtet sind und ob der Manager diese im einzelnen überhaupt erreicht hat.

Unternehmen zeigen sich wenig auskunftsfreudig

Gibt es in den Vergütungsberichten noch weitere Punkte, die sie bemängeln?
Ja. Der Aufsichtsrat kann etwa bei der Vorstandsvergütung nach oben oder unten korrigierend eingreifen. Das nennt sich diskretionäres Recht. Ein Eingriff muss im Geschäftsbericht aber nicht offengelegt oder begründet werden.

Das klingt nach Willkür.
Das Eingreifen sehe ich nicht per se kritisch. Wenn ein Konzern sich in einem schwierigen Umfeld befindet, kann der Aktienkurs stark absacken, wodurch die Vergütung des Vorstands sinkt. Dieser kann in der schwierigen Lage trotzdem gute Arbeit leisten. Dann wäre eine sinkende Vergütung nicht gerechtfertigt. In solchen Fällen ergibt es Sinn, dass der Aufsichtsrat eingreifen kann. Das sollte im Vergütungsbericht aber in jedem Fall kenntlich gemacht werden in Form einer Fußnote.

Auch die Unübersichtlichkeit ist bei den Vergütungsberichten immer wieder ein Thema. Wenn man sich durch 20-seitige Vergütungsberichte wühlt, kann man leicht das Gefühl bekommen, Konzerne versuchen etwas zu verstecken.

Ja, viele Unternehmen erschlagen durch den Umfang der Darstellung. Wichtige Aspekte werden unzureichend oder in schwer verständlicher Sprache dargestellt. Wenn wir als Experten die Zusammenhänge schon nicht verstehen, verstehen es auch Kleinanleger nicht. Ansprechpartner in Konzernen verweisen unserer Erfahrung nach auch gerne an eine andere Abteilung, die einen wiederum wieder weiterleitet. Die Konzerne verstecken sich hier in ihren Strukturen. Da unterstelle ich schon eine kreative Absicht.

„Ich unterstelle den Konzernen eine kreative Absicht.“

Stefan Würz, Gehaltsexperte

Zum einen bemängeln Sie Intransparenz, zum anderen kritisieren Sie die zu große Ausführlichkeit. Was wäre denn die Alternative?
Man könnte den Vergütungsbericht in einer kurzen Übersicht zusammenfassen, welche KPIs gesetzt wurden und was die Zielsetzung von diesen ist. Da reichen zehn Zeilen. Konzerne können die Vergütungsstruktur dann in einem kurzen Kapitel verständlich erklären. Da braucht es keine 20 Seiten, das geht viel kürzer. Wenn der Aufsichtsrat von seinem diskretionären Recht Gebrauch macht, wäre es zudem wünschenswert, wenn der Grund dafür offengelegt wird. Wenn diese Punkte umgesetzt würden, wäre ein großer Schritt in Richtung Transparenz gemacht.

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