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14.02.18
Finanzabteilung

CFOs müssen immer häufiger ihre Prognosen kassieren

Auf die Gewinn- und Umsatzprognosen börsennotierter Unternehmen können Investoren sich immer weniger verlassen. 59 Prozent der Unternehmen mussten im vergangenen Jahr die Vorhersage korrigieren. Schuld daran ist auch US-Präsident Donald Trump.

Die Konjunktur boomt, und doch mussten im vergangenen Jahr viele Unternehmen ihre Prognose kassieren: Eine Analyse des Beratungshauses EY zählt 95 Gewinn- oder Umsatzwarnungen. Das ist ein Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert seit der ersten Analyse im Jahr 2011. Die häufigsten Gründe für die Umsatzwarnung waren der Erhebung zufolge die Konjunktur- und Marktlage (30 Prozent), gefolgt von Auftrags- und Umsatzverschiebungen (26 Prozent) und Problemen bei internen Abläufen (16 Prozent).

Einige dieser Korrekturen nach unten gehen auf das Konto der von US-Präsident Donald Trump verkündeten Steuerreform. Aus diesem Grund mussten beispielsweise Qiagen, Heidelberger Druckmaschinen und die Deutsche Bank zusätzliche Belastungen ausweisen. Die Deutsche Bank erwartet demnach einen negativen Effekt von rund 1,4 Milliarden Euro im vierten Quartal 2017.

Viele CFOs planten zu konservativ

Insgesamt korrigierten im vergangenen Jahr 59 Prozent der Unternehmen mindestens einmal ihre Prognose, ob nach oben oder nach unten. Das ist EY zufolge ein neuer Höchststand. Im Vorjahr mussten nur 38 Prozent der CFOs die Prognose berichtigen. Die Zahl der Korrekturen stieg insgesamt um 90 Prozent von 155 auf 294 Fälle.

Auf viele Investoren warteten allerdings positive Überraschungen: Die Zahl der Unternehmen, die ihre Erwartungen übererfüllten, verdoppelte sich gegenüber 2016 und stieg von 89 auf 199 Fälle. Marc Förstemann, EY-Partner in der operativen Restrukturierungsberatung, führt dies darauf zurück, dass einige Unternehmen ihr Geschäftsjahr vorsichtiger geplant hätten und dann die positiven Entwicklungen in verbesserten Prognosen ausdrückten. Die Konjunktur- und Marktlage ist entsprechend auch in 52 Prozent der Prognoseanhebungen der Grund für die Korrektur nach oben. In 12 Prozent der Fälle führen Verkäufe oder Zukäufe zu einer gesteigerten Prognose.  

Freud und Leid mit der US-Steuerreform

Wie so häufig gilt auch bei den Prognosen: Des einen Leid, des anderen Freud‘. Denn während die Deutsche Bank aufgrund der US-Steuerreform einen negativen Einfluss verzeichnete, korrigierten andere Unternehmen wie Daimler und BMW ihre Prognosen aufgrund der Reform nach oben. Daimler erwartet einen Steuerertrag von rund 1,7 Milliarden Euro, BMW geht von einem um bis zu 1,55 Milliarden Euro höheren Jahresüberschuss aus. Insgesamt gehen laut Analyse 2 Prozent der Prognosesteigerungen auf die US-Steuerreform zurück.

Die Dax-CFOs konnten ihre Investoren besonders häufig mit guten Nachrichten überraschen: 21 Mal hoben Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr die Prognose an, nur drei Mal musste der Ausblick gesenkt werden.

Prognosesenkung verschreckt Investoren

Eine Prognosesenkungen kann die Investoren für längere Zeit abschrecken. Im Durchschnitt sanken die Kurse am Tag einer Gewinnwarnung um 7 Prozent. Eine Woche später lag der Aktienkurs um durchschnittlich 8 Prozent unter dem Stand vor der Prognosekorrektur.

Prognosesteigerungen werden zwar goutiert, schlagen sich im Aktienkurs aber deutlich weniger stark nieder. Nach einer Woche konnten die Unternehmen im Schnitt ein Kursplus von 3 Prozent verbuchen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Die Studie

Für die Erhebung wurden alle veröffentlichungspflichtigen Korrekturen der Gewinn- und Umsatzprognose in den Jahren 2011 bis 2017 ausgewertet. Betrachtet wurden die insgesamt 304 Unternehmen, die im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet sind.