Wie gut wird man abschneiden? Die Entscheidung für oder gegen ein externes Rating ist eine wichtige Entscheidung. Was CFOs vorab über den Prozess wissen sollten, finden Sie in diesem FINANCE-Ratgeber.

apilarinos/iStock/Thinkstock/Getty Images

07.03.17
Finanzabteilung

CFOs und ihr Weg zum ersten Rating

Viele Unternehmen wollen bankenunabhängiger werden. Dabei kann ein externes Rating helfen. Was CFOs auf dem Weg zur ersten Bewertung durch eine Ratingagentur beachten sollten, zeigt der neue FINANCE-Ratgeber.

Gerade sind die Finanzierungskonditionen für viele Unternehmen sehr gut. Auch ungeratete Unternehmen mit einem überzeugenden Geschäftsmodell haben die Möglichkeit, sich am Kapitalmarkt zu relativ guten Konditionen zu finanzieren. Doch die Zeiten können sich auch wieder ändern. Wenn die Zinsen wieder steigen, kann ein externes Rating CFOs bei der Finanzierung einige Basispunkte sparen. Was CFOs vor dem ersten Rating wissen sollten, fasst dieser FINANCE-Ratgeber zusammen.

Wer sich entschieden hat, zum ersten Mal ein externes Rating einzuholen, könnte zunächst einen Rating Advsior mandatieren, schlägt Anjali Sharma vor, die bei der Ratingagentur Fitch als Head of Business and Relationship Management für Unternehmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika zuständig ist: „Die Berater geben Unternehmen vor dem ersten Rating elementare Tipps und Hilfestellungen.“

Welche Agentur ist die beste für das erste externe Rating?

Gemeinsam mit den Beratern kann auch entschieden werden, welche Ratingagentur die richtige ist. Die drei großen Ratingagenturen Fitch, S&P und Moody’s rufen höhere Preise auf als die kleineren Agenturen. Allerdings sind die Ratings der Großen international anerkannt und renommiert. Die europäische Ratingagentur Scope versucht inzwischen, den Big Three im europäischen Markt Kunden streitig zu machen. Das Dax-Oligopol hat sie schon geknackt.
  
Gerade nach den vielen Ausfällen am Markt für Mittelstandsanleihen könnten die Mittelstands-Ratings der kleineren Agenturen, die in dem Segment aktiv waren, von Investoren kritischer betrachtet werden. Allerdings werben einige kleinere Agenturen damit, dass ihre Ratingmodelle besser zu den Geschäftsmodellen mittelständischer Unternehmen passen als die internationalen Bewertungsrahmen der großen Agenturen. Deshalb sollte man sich im Vorfeld genau mit den Kriterien der jeweiligen Ratingagentur auseinandersetzen, rät die Fitch-Expertin.

Ohnehin steht nicht jede Agentur auch allen Unternehmen offen. „Wir richten uns an Unternehmen, die bereits ein ausstehendes Finanzierungsvolumen von 150 Millionen Euro oder mehr haben oder nun emittieren wollen“, erklärt Anjali Sharma von Fitch.

Vorbereitung für das Debüt beim externen Rating

Wenn die Ratingagentur erst einmal eingeschaltet ist, kann es in manchen Fällen ganz schnell gehen. „Von dem Punkt an, ab dem die Agentur formell eingebunden ist, bis zur Veröffentlichung des Ratings kann es zwischen drei und vier Wochen dauern“, erklärt Anjali Sharma. „Allerdings nur, wenn das Unternehmen gut vorbereitet ist“, betont sie. Eine unzureichende Aufarbeitung der Daten ist für sie der größte und häufigste Fehler, den Unternehmen beim ersten Rating machen.

Ein genauer Geschäftsplan, ein Ausblick über die zukünftige Geschäftsentwicklung sowie aufbereitete Daten über den Verlauf der letzten drei Jahre sind für den Ratingprozess nötig. In Sharmas Erfahrung haben vor allem diejenigen Unternehmen schon viel Zeit auf die schnelle Bereitstellung der Daten verwendet, die das Rating für eine konkrete geplante Finanzierung benötigen. Die Firmen, die sich mit einem externen Rating eher langfristig strategisch besser aufstellen wollen, lassen sich mehr Zeit dabei, die nötigen Daten bereitzustellen.

CFO-Rolle im Ratingprozess genau definieren

Wie stark der CFO in den Ratingprozess eingebunden ist, hängt von der Unternehmensgröße ab. Bei kleineren Häusern ist der Finanzchef meistens ein wichtiger Ansprechpartner, bei größeren Unternehmen übernimmt häufig die Treasury-Abteilung die regelmäßige Kommunikation mit den Ratingberatern und der Agentur. „Wer diese Rolle als Kontaktperson übernimmt, sollten die Unternehmen unbedingt genau festlegen“, rät Sharma.

Startpunkt des Verfahrens ist ein Meeting der Ratinganalysten mit dem Unternehmen, in dem der für die Agentur erarbeitete Geschäftsplan vorgestellt wird. Die Analysten der Agentur stellen Fragen und fordern gegebenenfalls weitere Daten an. „In der Regel dauert dieses Treffen zwei bis drei Stunden“, sagt Expertin Anjali Sharma.

Im Anschluss daran analysieren die Experten die Bonität des Unternehmens und stellen gegebenenfalls weitere Nachfragen. „Die Entscheidung über das Rating liegt aber nicht nur bei ihnen“, erläutert Sharma. Die Analysten präsentieren ihren Bericht ihrerseits im Rahmen eines Ratingkomitees, in dem dann die Entscheidung getroffen wird.

Entscheidung über öffentliches externes Rating frühzeitig treffen

Wenn das Urteil gefallen ist, ist das Unternehmen wieder am Zug. CEO und CFO müssen entscheiden: Wird das Rating öffentlich gemacht oder nicht? „Wenn ein Unternehmen das Rating mit einer bestimmten geplanten Finanzierung im Blick erstellt hat, dann entscheiden sie sich auch meistens für die Veröffentlichung“, berichtet Sharma. Bei den anderen kommt es dagegen häufiger vor, dass die Unternehmen noch warten, bis ein Rating für sie relevanter wird.

„CFOs sollten sich das vorher gut überlegen, denn eine Nichtveröffentlichung bringt in Zukunft möglicherweise neue Kosten mit sich“, erklärt die Fitch-Expertin. Im Fall eines neuen Ratings zu einem späteren Zeitpunkt fallen alle Gebühren erneut an, weil die Analyse wiederholt werden muss. „Es gibt allerdings auch die Möglichkeit, ein privates Rating von uns weiterhin beobachten zu lassen“, sagt sie. In dem Fall kann sich das Unternehmen dann in Zukunft für eine Veröffentlichung entscheiden, ohne noch einmal für ein Erst-Rating bezahlen zu müssen. Die laufende Beobachtung durch die Ratingagentur gibt es allerdings auch nicht umsonst. Zu den genauen Konditionen will Sharma sich nicht äußern.

So kommunizieren CFOs mit der Ratingagentur

Ist das Rating erst einmal veröffentlicht, ist die weitere Arbeit für die Unternehmen überschaubar, wenn es keine außergewöhnlichen Geschäftsereignisse gibt. „Es gibt eine jährliche Überprüfung, ansonsten beobachten die Analysten das Unternehmen auch ohne direkten Kontakt zum Management fortlaufend“, so Sharma.

Je aktiver ein Unternehmen am Kapital- und M&A-Markt ist, desto intensiver ist der Kontakt. „Die Zeit, die man auf die Kommunikation mit der Agentur aufbringen muss, sollten solche Unternehmen nicht unterschätzen“, sagt die Expertin.

Genug Zeit für erstes externes Rating einplanen

Ein Unternehmen, das sich ausreichend Zeit nimmt, die notwendigen Daten vorzubereiten und im eigenen Haus die Zuständigkeiten genau definiert, hat in Anjali Sharmas Augen einen leichteren Weg hin zum ersten externen Rating.

„Bei allem Fokus auf die Anforderungen der Ratingagentur sollten Unternehmen aber eins nicht vergessen: ihr eigenes Informationsbedürfnis“, warnt sie. Während für die Agentur selbst ein Management-Meeting ausreichend sein kann, wollen viele Unternehmen häufigere Treffen, um die Analysten und die Agentur besser kennen zu lernen. Gerade für nicht börsennotierte Unternehmen, die bisher in Sachen Finanzkennzahlen eher zugeknöpft waren, kann der Prozess, sich für Außenstehende zu öffnen, schwierig sein. Dafür sollten Unternehmen unbedingt vorab genug Zeit einplanen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Egal ob IR-Arbeit, Hedging von M&A-Deals, Schutz vor Cybercrime oder Due Diligence: Hilfreiche Tipps für CFOs finden Sie auf unserer Themenseite FINANCE-Ratgeber.