Ab dem kommenden Jahr gilt die neue CSR-Berichtspflicht. Für Unternehmen bedeutet das mehr Aufwand.

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15.09.16
Finanzabteilung

CSR-Berichtspflicht rückt näher

Ab nächstem Jahr müssen kapitalmarktorientierte Unternehmen mehr Transparenz über die sozialen und ökologischen Aspekte ihrer Arbeit schaffen. Bei einigen laufen die Vorbereitungen auf die neue CSR-Berichtspflicht aber noch sehr schleppend.

Die Berichtspflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen über die sogenannten nichtfinanziellen Informationen rückt näher. Gemeint sind damit Umwelt-, Arbeitnehmer- oder Sozialbelange, aber auch Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption, über die Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2017 Rechenschaft ablegen müssen.

Spätestens am 6. Dezember muss die 2014 beschlossene EU-Richtlinie in nationales Recht gegossen sein. Das neue Gesetz trifft kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, deren Umsatz entweder 40 Millionen Euro oder deren Bilanzsumme 20 Millionen Euro überschreitet.

Nicht alle Unternehmen sind gut vorbereitet, beobachtet Wirtschaftsprüfer Christoph Brauchle von Ebner Stolz. „Während viele schon mitten in der Vorbereitung sind, gibt es einige, die das Thema noch gar nicht auf der Agenda haben“, sagt er. Einige warten den konkreten Gesetzentwurf ab, der noch auf sich warten lässt. Das ist ein Fehler: „Wir gehen davon aus, dass der Regierungsentwurf im Laufe des Septembers oder auch erst im Oktober vorgelegt wird“. Dann bleibt nicht mehr viel Zeit, bis die Neuregelungen ab Januar zu beachten sind. Mit großen Änderungen zum Referentenentwurf, der seit März vorliegt, rechnet er außerdem nicht. CEOs und CFOs sollten unbedingt deshalb jetzt schon die Zeit nutzen, um sich vorzubereiten.

Unternehmen zögern mit Vorbereitungen für CSR-Berichtspflicht

Der offensichtliche Grund für die Verschieberei: Unternehmen unterschätzen den Aufwand, denn auf den ersten Blick wirkt die neue Verpflichtung nicht dramatisch, sie haben viel Spielraum. So müssen Firmen in Abhängigkeit ihrer Unternehmenstätigkeit selbst entscheiden, über welche konkreten nichtfinanziellen Informationen sie berichten. „Die EU-Kommission plant allerdings, eine unverbindliche Leitlinie dazu zu veröffentlichen, worüber in welchen Branchen und Unternehmenstypen generell zu berichten ist“, erläutert Brauchle. Das Papier soll bis Anfang Dezember erscheinen.

Zudem müssen die Wirtschaftsprüfer den Bericht über die nichtfinanziellen Informationen nur formal, aber nicht inhaltlich prüfen. Ein zahnloser Tiger sei die neue Regelung trotzdem nicht: „Das entbindet weder den Aufsichtsrat noch die Geschäftsführung von der Pflicht, die Richtigkeit der Angaben zu gewährleisten“, betont Thomas Epple, ebenfalls Wirtschaftsprüfer bei Ebner Stolz. Außerdem wichtig: „Wenn Unternehmen ihren nichtfinanziellen Bericht einer freiwilligen Prüfung unterziehen, dann ist der Prüfungsbericht offenzulegen“, erklärt er. Ob sich dieser umstrittene Punkt in dieser Form auch im finalen Gesetzentwurf wiederfindet ist noch offen.

Aufbau der Reporting-Strukturen braucht Zeit

Unternehmen sollten nicht zu lange warten, um die notwenigen Strukturen in ihrem Unternehmen aufzubauen. Denn viele Informationen, die ab dem Geschäftsjahr 2017 berichtet werden müssen, werden jetzt noch nicht erhoben und es bleibt wenig Zeit bis Januar. „Wer zum Ende des Geschäftsjahres zum Beispiel darüber Auskunft geben muss, wie viel Wasser in einzelnen Unternehmensbereichen verwendet wurde, muss die Zahlen schon ab dem Jahresbeginn korrekt dokumentieren“, sagt Thomas Epple.

Zudem liegt bei einigen Bereichen nicht direkt auf der Hand, wie den Berichtspflichten am besten nachzukommen ist. „Gerade im Bereich Korruption oder Geldwäsche müssen sich Unternehmen zunächst Gedanken machen, wie sie ihre Vorgehensweise in dieser Sache am besten darstellen“, sagt Epple. Gerade für kleinere Unternehmen, die keine eigene Compliance-Abteilung haben, ist das Gebiet häufig Neuland.

Internationale Töchter und Zulieferer erschweren Reporting

Auch bei Unternehmen mit vielen Auslandstöchtern kann der Aufbau der notwendigen Berichtstrukturen besonders viel Zeit in Anspruch nehmen, da viele Kennzahlen, die bisher von den einzelnen Gesellschaften nicht erhoben wurden, eingeholt werden müssen. Wie schwierig diese Prozesse sind, hat sich bei Unternehmen gezeigt, die freiwillig ein Green Controlling aufgebaut haben, wie zum Beispiel der Technologiekonzern Voith.

Zudem ist es mit dem reinen Berichten nicht getan. „Unternehmen müssen zudem Konzepte entwickeln, wie sie sich in einem bestimmten Bereich entwickeln wollen“, erklärt Thomas Epple. Das heißt: Unternehmen, die zum Beispiel über ihren Energieverbrauch berichten, müssen auch ihre strategische Zielvorstellung in diesem Bereich darstellen. „Sie müssen darstellen, um wie viel sie den Energieverbrauch in welchem Zeitraum senken wollen und über das Ergebnis berichten“. 

Nachhaltig und sozial – ein Investor-Relations-Thema

Abgesehen von der Datensammlung sollten sich die IR-Verantwortlichen auch Gedanken machen, wie sie den Bericht gestalten. Denn die Zahl der Investoren und die interessierte Allgemeinheit, die auf CSR-Themen ein besonderes Augenmerk legen, wächst. „Die Verantwortlichen müssen genau überlegen, wie viel und wie sie berichten“, so Epple. „Was genau ist für den Adressatenkreis aufgrund der gesetzlichen Vorgaben von Relevanz?“

Lange bleibt den kapitalmarktorientierten Unternehmen nicht mehr, um sich auf die Berichtspflicht vorzubereiten. „Eine Karenzzeit gibt es nicht“, betont CSR-Experte Christoph Brauchle. „Wer die Zeit jetzt nicht nutzt, könnte Ende 2017 beim Schreiben des Berichts ins Straucheln geraten“.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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