Deutsche Börse

18.09.17
Finanzabteilung

Deutsche Börse will Bonus von Kengeter begrenzen

Die Deutsche Börse will die Vergütung von Chef Carsten Kengeter begrenzen. Im Visier sind Bonusregelungen, die ihm bis zu 40 Millionen Euro einbringen könnten.

Die Diskussionen um Carsten Kengeter zeigen offenbar Wirkung. Wie das „Handelsblatt“ unter Bezug auf vier Konzerninsider berichtet, plant der Frankfurter Dax-Konzern die Vergütung seines CEOs zu deckeln.

Kengeter war in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) wegen des Verdachts auf Insiderhandel und Marktmanipulation ermittelt. Der 50-Jährige hatte im Dezember 2015 im Rahmen seines Vergütungsprogramms Aktien im Wert von 4,5 Millionen Euro aus eigenen Mitteln gekauft.

Die Ankläger argumentieren, dass die mittlerweile gescheiterte Fusion mit der Londoner Börse LSE für Kengeter und die Börse damals bereits wahrscheinlich war. Die Frankfurter und ihr Chef haben die Vorwürfe stets zurückgewiesen, einigten sich in der vergangenen Woche aber auf eine Zahlung von 10,5 Millionen Euro.  Kengeter persönlich hofft, dass das Verfahren gegen ihn gegen Zahlung eines mittleren sechsstelligen Betrags eingestellt wird.

Carsten Kengeter hat 2016 gut 8 Millionen Euro verdient

Dem Bericht des „Handelsblatts“ zufolge will die Deutsche Börse nun die sogenannten Co-Performance-Shares ins Visier nehmen, die Kengeter im Dezember 2015 in gleicher Höhe zu seinen privat gekauften Aktien bekommen hatte. Dabei handelt es sich um virtuelle Aktien, deren Wert neben dem Aktienkurs selbst von verschiedenen Indikatoren abhängt – etwa vom Konzernüberschuss und Benchmark-Kennzahlen.

Bei einer extrem guten Geschäftsentwicklung könnten Kengeter so zwischen 30 und 40 Millionen Euro zufließen, kalkulieren laut dem „Handelsblatt“ Aktionäre und Aktionärsberater. „Das ist nie gewollt gewesen. Und wenn das einer Klarstellung bedarf, dann stellen wir das mit allergrößter Freude klar“, zitiert das Blatt einen der Insider.

Kengeter ist laut Geschäftsbericht der einzige Börse-Vorstand, der beide Vergütungskomponenten (echte und virtuelle Aktien)  hat. Ursprünglich war der Plan, den Manager so langfristig an den Dax-Konzern zu binden. Seine Vergütung (Zufluss) lag gemäß Geschäftsbericht im vergangenen Jahr mit 8 Millionen Euro im marktüblichen Bereich. Die Co-Performance-Shares würden erst 2019 zu seinem Gehalt hinzukommen.

Wie eventuelle Änderungen im Detail aussehen könnten, ist noch nicht bekannt. Endgültig beschlossen sind diese noch nicht. Die Deutsche Börse wollte den Bericht auf FINANCE-Anfrage nicht kommentieren.

Verlängert die Deutsche Börse mit CEO Kengeter?

Damit Kengeter überhaupt von den Änderungen betroffen ist, müsste sein im März 2018 auslaufender Vertrag in den kommenden Monaten verlängert werden. Dagegen bilden sich zunehmend Widerstände: Die verpatzte LSE-Fusion hat knapp 80 Millionen Euro gekostet – vor allem aufgrund hoher Beraterhonorare. Hinzu kommt nun das Bußgeld in Höhe von 10,5 Millionen Euro. Die Bafin prüft zudem, ob der Vorstand der Deutschen Börse noch als zuverlässig einzuschätzen ist. Der Ausgang ist offen.

Offiziell steht der Aufsichtsrat zwar hinter Kengeter. Zuletzt kamen aber Medienberichte auf, dass der Börse-Chef nicht mehr den vollen Rückhalt des Kontrollgremiums genießt. Die Zukunft von Aufsichtsratschef Joachim Faber gilt als fest verknüpft mit dem des Börsen-Chefs Kengeter. Fabers Amt steht im kommenden Jahr zur Wiederwahl, er muss in den kommenden Wochen bei den Großaktionären entsprechend auf Stimmenfang gehen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Nicht nur die Deutsche Börse wird wegen ihrer Vergütungsstruktur kritisiert. Auch Konzerne wie die Deutsche Post und SAP müssen sich immer wieder rechtfertigen. Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der FINANCE-Themenseite Managervergütung.