US-Präsident Trump fordert die Abschaffung von Quartalszahlen.

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07.09.18
Finanzabteilung

DVFA: Trumps Haltung zu Quartalszahlen ist falsch

US-Präsident Trump hat die Abschaffung von Quartalszahlen gefordert und damit eine alte Debatte neu entfacht. Warum eine Lockerung der Berichtspflichten aus Sicht des Kapitalmarkts ein Irrweg wäre, erklärt DVFA-Vorstand Christoph Schlienkamp.

Der Vorwurf, Quartalsberichte würden Unternehmen und Investoren zu kurzfristiger Denke verführen, ist nicht neu. Doch durch einen Tweet des US-Präsidenten Donald Trump hat die Diskussion wieder neuen Schub erhalten. Trump forderte die US-Börsenaufsicht über den Kurznachrichtendienst dazu auf, eine Abschaffung der vierteljährlichen Berichtspflicht zu prüfen. Ich bin hier gänzlich anderer Meinung als Trump: Quartalszahlen müssen bleiben!

Anders als der Ex-Unternehmer Trump bin ich der Überzeugung, dass sich der Mehraufwand, den die Unternehmen gegenüber der Halbjahresberichterstattung leisten müssen, auch aus deren Sicht lohnt. Die durchstrukturierten Schemata der internationalen Rechnungslegungsstandards bieten Orientierung für die eigene Rechnungslegung. Außerdem hat der Vorstand dank der Quartalsberichterstattung mehr Gelegenheiten, die Kapitalmarktstory des Unternehmens zu präzisieren und weiterzuentwickeln, also gerade die eigenen Besonderheiten noch deutlicher herauszuarbeiten.

Quartalsberichte sind Orientierung für Investoren

Vor allem aber brauchen die Investoren das jeweils aktuelle Zahlenwerk einschließlich Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Kapitalflussrechnung, um wesentliche Veränderungen, auffällige Posten, Ereignisse im relevanten Umfeld sowie Prognosen nachvollziehen zu können. 

Die einschlägigen Kennzahlen stehen den Unternehmen dank moderner IT heute quasi auf Knopfdruck zur Verfügung. Hinzu kommt, dass seit 2016 verkürzte Darstellungen durchaus möglich sind. Die Börsenordnung erlaubt jetzt auch für Unternehmen, die im Prime Standard notiert sind, statt eines vollständigen Finanzberichts eine Quartalsmitteilung in den Quartalen 1 und 3. Dadurch haben  sich neue Freiheitsgrade ergeben.

Indes: Auch bei einer verkürzten Berichterstattung sollten branchentypische Besonderheiten und die entsprechenden Kennzahlen deutlich herausgehoben werden. Überdies sind Segmentinformationen auch im Dreimonats-Rhythmus unerlässlich, damit Außenstehende die Geschäftsentwicklungen in den unterschiedlichen Bereichen besser von außen beurteilen können.

Gefahren einer zu dünnen Berichterstattung

Würden die Quartalsberichte entfallen, sehen wir im Verband der Investment-Professionals die Gefahr, dass die Volatilität am Aktienmarkt zunimmt. Immerhin sind es die Zeiten zwischen den Berichten, in denen die Anleger zittrig werden, denn Zeiten ohne Fakten sind Zeiten für Gerüchte.

„Zeiten ohne Fakten sind Zeiten für Gerüchte.“   

Christoph Schlienkamp, DVFA-Vorstand

Das haben auch Forscher der Universität von Pennsylvania und der London Business School in einer aktuellen Studie nachgewiesen: Fehlen unternehmenseigene Zahlen, neigen Investoren dazu, anhand anderer Quellen den Geschäftsverlauf der Unternehmen zu erraten. Oft kommt es in diesem Zuge – in die eine oder andere Richtung – zu Überreaktionen, was bei Vorlage der echten Zahlen dann zu umso heftigeren Korrekturen führen kann.

Dies zeigt, wie wichtig die Quartalszahlen sowohl für die Unternehmen als auch die Investoren sind. Wir sollten uns also von kurzfristigen Tweets des US-Präsidenten nicht in die Irre führen lassen, auch wenn er damit eine alte Debatte neu entfacht. An dem bewährten System der quartalsweisen Unternehmensberichterstattung gilt es unbedingt festzuhalten – im Interesse aller Kapitalmarktteilnehmer.

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Der langjährige Aktienanalyst Christoph Schlienkamp ist Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) und Leiter ihrer Kommission Unternehmensanalyse.