Mit gut gemachter Finanzkommunikation können CFOs die Finanzierungskosten senken. Was man bei der Investor-Relations-Arbeit beachten muss, zeigt der FINANCE-Ratgeber.

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06.01.17
Finanzabteilung

FINANCE-Ratgeber: So funktioniert IR-Arbeit für Bondemittenten

Viele Unternehmen setzen zur Finanzierung auf den Fremdkapitalmarkt. Gute Investor-Relations-Arbeit spart CFOs dort bares Geld. Debütemittenten sollten den Aufwand allerdings nicht unterschätzen.

Die Finanzierungskonditionen am Bondmarkt sind für Unternehmen so gut wie noch nie. Einige Unternehmen schaffen es sogar, Anleihen mit negativer Rendite zu platzieren. Trotzdem wäre es ein Fehler, deshalb die Relevanz der Investor-Relations-Arbeit aus den Augen zu verlieren. Gute Investorenkommunikation kann auch im Niedrigzinsumfeld die Höhe des Risikoaufschlags um einige Basispunkte beeinflussen. Für CFOs spart das bares Geld.

Außerdem können Unternehmen mit guter IR-Arbeit Marktverwerfungen besser abfangen als andere – vor allem, wenn sie sich damit einen stabilen Investorenstamm aufgebaut haben. Gerade eine hohe Zahl von Buy-and-Hold-Investoren stabilisiert die Kurse der eigenen Papiere am Sekundärmarkt, was wiederum ein Vorteil für die Preisfindung bei Neuemissionen ist.

Wie Unternehmen, die an den Kapitalmarkt wollen, am besten eine IR-Abteilung aufbauen, was die größten Herausforderungen sind und welche Fehler man vermeiden sollte, hat der Deutsche Investor Relations Verband (DIRK) in einem Investor-Relations-Guide für Bondemittenten zusammengestellt, den Sie hier herunterladen können. Die wichtigsten Punkte im Überblick zeigt dieser FINANCE-Ratgeber.

Investor-Relations-Abteilung richtig aufbauen

Welche Struktur für die Investor-Relations-Abteilung die richtige ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum einen spielt die Höhe des Finanzierungsvolumens eine Rolle, ebenso die Bonität des Unternehmens. Gerade für Unternehmen mit schlechteren Ratings ist eine transparente und zuverlässige Investorenarbeit unerlässlich. Auch bei Unternehmen mit expansiven Wachstumsstrategien, die kurzfristig die Finanzkennzahlen stark unter Druck setzen und das Rating verschlechtern können, kann gute Finanzkommunikation negative Investorenreaktion abmildern.

Unternehmen, die sich mit gehandeltem Fremdkapital finanzieren, sollten ihre IR-Arbeit deshalb ebenso professionell handhaben wie börsennotierte Unternehmen. Meist stellen Unternehmen zwischen 0,5 bis 4 Mitarbeitern für die IR-Arbeit im Fremdkapitalsegment ab. Das geht aus einer DIRK-Umfrage aus dem Sommer dieses Jahres hervor.

Bei börsennotierten Unternehmen sind Fixed-Income-IR-Manager meist direkt in die bestehende IR-Abteilung integriert. Emittenten, die nicht an der Börse notiert sind, müssen entscheiden, wo sie die IR-Manager im eigenen Haus ansiedeln. Klassiker sind die Kommunikations- oder die Finanzabteilung. Größere Bondemittenten bauen auch eigenständige Abteilungen auf.

Unabhängig davon, zu welcher Abteilung sie gehören, sind IR-Verantwortliche bei nichtbörsennotierten Unternehmen eng mit der Finanzabteilung verknüpft. Das liegt vor allem daran, dass die Bankbeziehungen aus der Finanzabteilung, speziell dem Treasury, heraus gesteuert werden.

Der DIRK rät jedoch, auch bei der Kommunikation mit den Banken die IR-Verantwortlichen stärker einzubinden: Im Rahmen von Basel III würden neben den quantitativen auch qualitative Faktoren – zum Beispiel in Bezug auf die Strategie, die Marktentwicklung oder auch die Unternehmensführung – an Relevanz gewinnen. Je stärker die IR-Manager eingebunden sind, umso mehr tritt das Unternehmen gegenüber all seinen Geldgebern mit einer Kommunikation aus einem Guss auf.

Hat Investor Relations bei der Roadshow das Sagen?

Wie oft man den direkten Kontakt mit den Investoren sucht, ist jedem Unternehmen überlassen. Doch zu einer guten Investorenbeziehung gehört Beständigkeit. Der DIRK empfiehlt, mindestens einmal im Jahr die wichtigsten Investoren aufzusuchen. Eine Umfrage des Verbands zeigt, dass große Unternehmen mit vielen ausstehende Anleihen bis zu zehnmal im Jahr Treffen für Fixed-Income-Investoren veranstalten, ohne dass es dabei um eine neue Emission geht.

Es sollte in jedem Unternehmen feste Regeln darüber geben, wer bei diesen Roadshows den Ton angibt. Bei Deal-Veranstaltungen, also Roadshows, bei denen es um die Neuemission einer Anleihe geht, sollte die Finanzabteilung die Federführung übernehmen. Nur sie hat das tiefgehende Wissen zu den technischen Details der Transaktion. IR-Verantwortliche sollte solche Veranstaltung dazu nutzen, den Kontakt zu einzelnen wichtigen Investoren zu pflegen.

Bei Veranstaltungen, bei denen keine aktuelle Bondemission ansteht, sollten dagegen die IR-Verantwortlichen stärker im Vordergrund stehen, um die strategischen Entwicklungen im Unternehmen zu erläutern und den Kontakt zu den Investoren zu pflegen, rät der DIRK.

CFOs müssen Arbeit der Credit-Analysten verstehen

Bei guter IR-Arbeit im Fixed-Income-Bereich geht es aber nicht darum, die spannendste und attraktivste Unternehmensgeschichte zu erzählen. Wie auch im Equity-Bereich denken die Teilnehmer der Investorentreffen in Modellen. Jedes Argument und jede Aussage sollte deshalb in einer Zahl ausgedrückt werden.

Zudem müssen sich gerade Unternehmen, die neu an den Kapitalmarkt kommen, genau damit auseinandersetzen, wer ihnen bei ihren Roadshows gegenüber sitzt und die Arbeitsweise ihrer Investoren verstehen. Neben institutionellen Investoren und Portfoliomanagern spielen dabei Analysten eine besonders wichtige Rolle. „Durch eine gute Kommunikation mit 20 Prozent der wichtigsten Analysten erreicht man circa 80 Prozent des Marktes“, betont der DIRK.

Und gute Kommunikation bedeutet viel Eigeninitiative. Ein Analyst einer Bank (Credit-Sell-Side-Analyst) betrachtet im Fixed-Income-Bereich laut DIRK rund 30 bis 60 Unternehmen. Im Vergleich dazu bewertet ein Equity-Sell-Side-Analyst lediglich zwischen fünf und 15 Unternehmen. Bondemittenten sind deshalb gefordert, Informationen über ihr Unternehmen von sich aus gut aufbereitet an die Analysten heranzutragen, um die notwendige Aufmerksamkeit zu bekommen.

Investor Relations bei vielen Mittelstandsanleihen ein Desaster

Fast schon banal klingt der Hinweis, dass eine transparente Kommunikationspolitik für Unternehmen am Kapitalmarkt unerlässlich ist. Doch gerade kleinere Emittenten im Mittelstandssegment haben in dieser Hinsicht viel zu wünschen übrig gelassen. Gerade in volatilen Marktphasen zahlt sich eine gute und umfassende IR-Arbeit aus. Aber auch in ruhigeren Zeiten werden Unternehmen, die lediglich den gesetzlichen Pflichten nachkommen, es schwer haben, mit einer Folgeemission Investoren anzulocken.

Zur guten IR-Arbeit gehört zudem, auch schlechte Nachrichten ohne Verzögerung an die Investoren weiterzugeben. Wenn die Krise schon da ist, ist es zu spät. Und es ist extrem schwer verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Den vollständigen Fixed-Income-IR-Guide des Deutschen Investor Relations Verband können Sie hier herunterladen.

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