Die Aktionäre im deutschen Mittelstand werden immer internationaler. CFOs sollten wissen, mit welchen Investoren sie es zu tun haben.

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27.01.15
Finanzabteilung

Interesse deutscher Investoren am Mittelstand lässt nach

Von Anna Wulf

Deutsche institutionelle Investoren haben weniger Interesse am börsennotierten deutschen Mittelstand als noch vor einem Jahr. CFOs werden es künftig noch stärker mit ausländischen Aktionären zu tun haben. Das hat Auswirkungen auf die Investorenkommunikation.

Immer weniger deutsche institutionelle Investoren setzen auf den börsennotierten deutschen Mittelstand. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Beratungsunternehmens Cometis und des Investor-Relations-Datenbankanbieters Ipreo, die wie schon im vergangenen Jahr die Aktionärsstruktur der Unternehmen im MDax, SDax und TecDax untersucht hat.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich einiges getan. CFOs im MDax können dabei auf die stabilsten Strukturen setzen: Der Anteil, den institutionelle deutsche Investoren am Streubesitz im MDax halten, hat sich zum Ende des dritten Quartals 2014 gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 1 Prozentpunkt auf 17 Prozent verringert. Auch der Anteil am SDax blieb stabil bei 23 Prozent. Allerdings gab es deutlich größere Verschiebungen beim TecDax: Dort sank der Anteil deutscher institutioneller Investoren deutlich um 4 Prozentpunkte auf 26 Prozent.

Angelsächsische Investoren dominieren mittelständische Indizes

Während deutsche institutionelle Anleger eher den Rückzug angetreten sind, haben Investoren aus dem angelsächsischen Raum ihre Präsenz in MDax, SDax und TecDax gegenüber dem Vorjahr leicht ausgebaut. Sie dominieren in allen drei Indizes weiterhin.

Während im MDax wie auch bereits im Vorjahr rund 55 Prozent der Unternehmensanteile in angelsächsischer Hand sind, ist der Anteil in den anderen beiden Indizes erneut gestiegen: Auch im SDax und TecDax halten angelsächsische Investoren mit 51 Prozent mittlerweile mehr als die Hälfte des Streubesitzes, was einer Steigerung um 4 beziehungsweise 6 Prozentpunkten entspricht. Besonders nordamerikanisches Kapital floss der Analyse zufolge in den SDax und TecDax.

Wenige Investoren aus Asien im börsennotierten deutschen Mittelstand

Asiatische Investoren sind im deutschen Mittelstand weiterhin unterrepräsentiert. Die größten asiatischen Investoren im MDax sind wie im Vorjahr zwei Staatsfonds aus Singapur, Temasek Holdings und GIC Asset Management, mit rund 1 Prozent der Unternehmensanteile.

Andere Investoren sind meist Tochtergesellschaften globaler Investoren, spielen mit kleinen Investitionsvolumina aber kaum eine Rolle in den deutschen Indizes. Im SDax und TecDax ist der Anteil asiatischer Investoren noch geringer und liegt bei jeweils knapp 1 Prozent.

CFOs müssen Investoren richtig ansprechen

Da der Anlegerkreis immer internationaler wird, gewinnt für CFOs die zielgerichtete Kommunikation mit Stakeholdern weiter an Bedeutung. Der Aufwand für die Betreuung bestehender Investoren dürfte weiter zunehmen, da diese aus immer mehr Regionen kommen. Auch die Ansprache neuer Investoren könnte herausfordernder werden, aber zugleich neue Gestaltungsmöglichkeiten für CFOs bieten – vorausgesetzt, dass sie ihre Aktionärsstruktur gut kennen.

Nicht nur mit Blick auf die immer internationalere Investorengemeinschaft sollten sich deutsche CFOs bewusst machen, wer ihre Aktionäre sind. Denn die Ziele der Stakeholder unterscheiden sich drastisch und könnten dementsprechend den Unternehmenserfolg beeinflussen. CFOs könnten im Umkehrschluss die Chance nutzen, gezielt solche Investoren anzusprechen, die zu ihrem Unternehmen und ihrer Strategie passen.

Eine besondere Herausforderung für CFOs können ETFs sein, die im SDax und TecDax 2014 leicht zulegten. Die Indexfonds bilden mit ihren Investitionen den zugrundeliegenden Index ab und sind daher durch CFOs kaum beeinflussbar. Sobald der Aktienkurs eines Unternehmens fällt, ziehen ETFs diese Entwicklung durch Verkäufe der Aktie nach und üben so noch mehr Druck auf den Kurs aus. Halten ETFs einen großen Teil der Unternehmensaktien, ist für CFOs also Vorsicht geboten.

Strategische Ankerinvestoren wie Familien und Stiftungen hingegen geben CFOs mit ihrer langfristigen Orientierung ein hohes Maß an Sicherheit.

Insgesamt hat der strategische Anteilsbesitz jedoch in allen drei Indizes gegenüber dem Streubesitz an Bedeutung verloren. Der Anteil strategischer Anleger sank im MDax um 4 Prozentpunkte auf gut ein Drittel, in den beiden anderen Indizes sogar um jeweils 6 Prozentpunkte. Im SDax machen strategische Investoren noch 41 Prozent aus, gegenüber nur noch 27 Prozent im TecDax.

Bei den größten Investoren im deutschen Mittelstand steht der US-Investor Capital World Investors mit einem Investitionsvolumen von 2,9 Milliarden Euro an der Spitze der MDax-Investoren, obwohl er sich aus dem Dax stark zurückgezogen hat und dort Verkäufe von über 3 Milliarden Euro tätigte. Dicht dahinter folgt trotz Verkäufen von rund 190 Millionen Euro die Norges Bank als zweitgrößter MDax-Investor. Genau wie im Vorjahr mischen mit der Deutsche Asset & Wealth Management Investment und mit Allianz Global Investors nach wie vor auch zwei deutsche Investorengrößen vorn im MDax mit, auch wenn diese Investoren dort Kapital abzogen und zuletzt mehr in den Dax investierten.


anna.wulf[at]finance-magazin.de

Über die Studie:

Untersucht wurde der institutionelle Streubesitz der deutschen Unternehmen, die in den Indizes MDax, SDax und TecDax gelistet sind auf Basis von Shareholder-ID-Daten des Dienstleisters Ipreo  zwischen dem dritten Quartal 2013 und dem dritten Quartal 2014.

Der ausgewertete institutionelle Anteilsbesitz beinhaltet keine strategischen Investitionen von Familien, Unternehmen, Private Equity- und Venture Capital-Investoren.