Stefan Wolf ist nicht länger Aufsichtsratschef von Norma: Die Hauptversammlung hat ihn abgewählt.

Elring Klinger

17.05.18
Finanzabteilung

Norma-Investoren stürzen Aufsichtsratschef

Paukenschlag bei Norma: Die Aktionäre haben Aufsichtsratschef Stefan Wolf gestürzt. Wolf hatte zuvor den Zorn mächtiger Investorenvertreter geweckt.

Die Hauptversammlung beim Verbindungstechnikproduzenten Norma hat ein spektakuläres Ende gefunden: Die Aktionäre haben den Aufsichtsratschef Stefan Wolf gestürzt. Wie das MDax-Unternehmen heute Mittag bekannt gab, hat Wolf nicht die erforderliche Mehrheit erhalten.

Und das Ergebnis war denkbar knapp: Wolf erhielt 49,6 Prozent der Stimmen und damit marginal zu wenig, um wieder in den Aufsichtsrat gewählt zu werden. Dass eine Hauptversammlung den Aufsichtsratschef nicht wiederwählt, ist eine Seltenheit. Und noch seltener passiert dies bei Unternehmen wie Norma, die weder von Managementwechseln noch von Geschäftseinbrüchen oder Finanzskandalen erschüttert worden sind.

Dennoch hatte sich der Konflikt bei Norma abgezeichnet. Wie FINANCE vor wenigen Tagen aus unternehmensnahmen Kreisen erfuhr, hatten gleich mehrere wichtige Aktionärsberater Stellung gegen den Aufsichtsrat bezogen. Diese sogenannten „Proxy Advisors“ wie Glass Lewis oder ISS haben oft großen Einfluss auf das Abstimmungsverhalten institutioneller Investoren. Da Norma keinen Großaktionär hat und sich die Aktien zu 99 Prozent in Streubesitz befinden, waren die Aktionärsberater nicht ohne Chancen, ihre Forderungen durchzusetzen.

Stimmrechtsberater: Aufsichtsräte sind zu alt

Anders als Wolf wurden die anderen Kandidaten Lars Magnus Berg, Rita Forst, Günter Hauptmann, Knut Michelberger und Erika Schulte in den Norma-Aufsichtsrat gewählt, obwohl sich auch an einigen dieser Personen Kritik entzündet hatte. Der Unternehmensberater Berg wurde im späteren Tagesverlauf von seinen Aufsichtsratskollegen zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Besonders gestoßen hatten sich die Berater daran, dass der Norma-Aufsichtsrat offenbar seine eigene Geschäftsordnung ignoriert hat. Dort ist hinterlegt, dass die Amtszeit eines Aufsichtsratsmitglieds nicht über dessen 70. Geburtstag hinaus fortdauern darf. Die Mitglieder, die sich nun zur Wahl stellten, sind im Schnitt aber über 63 Jahre alt, der neue Aufsichtsratschef Berg liegt sogar schon jetzt über der definierten Altersgrenze von 70 Jahren.

Dr. Stefan Wolf, ElringKlinger AG

Nach seiner Promotion arbeitet Wolf zunächst als Rechtsanwalt in der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner. 1997 tritt er als Syndikusanwalt dem Automobilzulieferer Elring Klinger bei und ist bis 2004 Bereichsleiter für Recht und Personal.

Den durch juristische Verschmelzung realisierten Börsengang im Jahr 2000 übernimmt Wolf gleich selbst und wird Leiter Investor Relations. 2004 erhält er die Generalvollmacht des Vorstands und wird 2005 in den Vorstand berufen und zugleich dessen Sprecher. Seit 2006 ist Wolf Vorstandsvorsitzender und verantwortete dabei bis 2016 unter anderem auch den Finanzbereich. Bis Mai 2018 war Wolf außerdem Aufsichtsratschef der Norma Group, wurde von der Hauptversammlung aber nicht mehr wiedergewählt.

zum Profil

Ein Unternehmens-Insider warf gegenüber FINANCE die Frage auf, ob ein Aufsichtsrat mit einem derart hohen Altersdurchschnitt in der Lage sei, das Unternehmen bei der technologischen Revolution in der Automobilindustrie – Normas zentraler Kundengruppe – angemessen zu begleiten.

Norma-Aufsichtsrat kämpfte für Stefan Wolf

Aufsichtsratschef Stefan Wolf kritisierten die Investoren außerdem wegen einer vermeintlichen Ämterhäufung. Wolf ist unter anderem Verhandlungsführer der südwestdeutschen Arbeitgeberverbände und Chef des Autozulieferers Elring Klinger.

Der Aufsichtsrat hat noch mit einem persönlichen Appell an die Aktionäre versucht, Wolfs drohende Abwahl abzuwenden. Unter dem Aufsichtsratschef Wolf habe sich Norma „außerordentlich positiv entwickelt“ und „keine nennenswerten Compliance-Vorfälle“ erlebt. Die Aktionäre und ihre einflussreichen Berater hat das offensichtlich nicht überzeugt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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