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Schlammschlacht in der IR-Gemeinde

Als Lautsprecher für die Interessen der IR-Verantwortlichen fiel der DIRK in den vergangenen Jahren weitgehend aus.
Thinkstock / Getty Images

Im Deutschen Investor Relations Verband (DIRK) brodelt es im Moment heftig: Zunächst drang vergangene Woche an die Öffentlichkeit, dass die DIRK-Präsidentin Magdalena Moll auf der Mitgliedsversammlung im Oktober angeblich zum Boykott einer Konferenz des mit ähnlichen Themen befassten IR-Clubs aufgerufen haben soll. Der IR-Club ist eine Online-Plattform – eine Art Facebook für IR-Verantwortliche – die Patrick Kiss, IR-Leiter beim MDAX-Unternehmen Deutsche Euroshop, 2011 nach eigener Aussage als Hobby ins Leben rief. Am Montag warf dann auch noch DIRK-Geschäftsführerin Christa Scholl das Handtuch. In den vergangenen zwei Jahren hat der DIRK nun nicht weniger als fünf Geschäftsführer verschlissen. Nun soll Kay Bommer, der den Verband bereits bis 2010 als Geschäftsführer leitete, den Laden wieder auf Vordermann bringen.

Für Bommer gibt es einiges zu tun, denn in der IR-Gemeinde ist der Unmut über den Verband groß: „Seit 2010 hat sich dort nicht viel getan, außer dass die Mitgliedsbeiträge erhöht wurden“, ärgert sich der IR-Leiter eines MDAX-Unternehmens, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit FINANCE. Man habe keine Antwort mehr auf Mails und Telefonanrufe bekommen. Deshalb sei man aus dem Verband ausgetreten: „Das war die folgerichtige Konsequenz.“

DIRK schwieg bei EuGH-Urteil und zum Thema Social Media

Dabei gibt es derzeit mehr als genug Investor-Relations-Themen, auf die CFOs und ihre IR-Verantwortlichen Antworten finden müssen – und bei denen sich viele eine bessere Interessensvertretung durch den DIRK gewünscht hätten. Vielen Finanzchefs ist etwa nach wie vor unklar, wie sie mit dem EuGH-Urteil zur Kommunikation von Personalentscheidungen umgehen sollen. Im vergangenen Sommer hatte das Gericht in einem Fall rund um den ehemaligen Daimler-Vorstandschef Schrempp entschieden, dass Unternehmen ihre Anleger schon über die Vorbereitungen eines Personalwechsels per Ad-Hoc Mitteilung informieren müssen – und nicht erst, wenn die Entscheidung bereits gefallen ist. Einige Finanzverantwortliche befürchten, dass dies die Personalsuche erschweren wird, weil potentielle Kandidaten ihre Namen nur ungern früh im Prozess preisgeben.

Ein weiteres Thema ist die Nutzung von Social Media für die Kapitalmarktkommunikation. Einerseits erwarten viele Investoren diese Funktion inzwischen, andererseits lauern auch dort rechtliche Fallstricke: Francesca-CFO Gene Morphis verlor im vergangenen Mai sogar seinen Job, weil er vertrauliche Informationen twitterte.

DIRK und IR-Club wollen künftig kooperieren

In die Lücke, die der DIRK offen gelassen hat, ist der IR-Club gestoßen. „Ich habe die Plattform gegründet, um meinen Kollegen das Thema Social Media näher zu bringen“, sagt Patrick Kiss. Außerdem könne man in dem Netzwerk – anders als beim DIRK – auch direkt mit IR-Beratungen und Wissenschaftlern in Kontakt treten: „Ich wollte die strikte Trennung, die es so fast nur in Deutschland gibt, aufheben.“ Lobbying und Weiterbildung wolle er dagegen nicht übernehmen. Deshalb versteht er sich auch nicht als Konkurrent zum DIRK. Über den Boykottaufruf ist er enttäuscht, sagt aber: „Der DIRK hat sich entschuldigt. Für mich ist das Thema damit abgehakt. Ich bin weiterhin zu einer Zusammenarbeit bereit.“

Eine Kooperation hält auch Kay Bommer, alter und neuer Geschäftsführer des DIRK, für möglich. Er will nicht ausschließen, dass der IR-Club von einigen im Verband als Konkurrent angesehen wird, sagt aber klar: „Ich sehe das nicht so.“ Bei der Konferenz, zu deren Boykott Präsidentin Moll aufgerufen haben soll, tritt Bommer als Referent auf. Er verspricht den Mitgliedern Besserung: „Es gibt eine Menge Themen, die wir in der Vergangenheit nicht mit der nötigen Vehemenz nach außen vertreten haben. Das wollen wir nun besser machen.“

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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