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„Solange wie möglich an der Guidance festhalten“

Daimler-CFO Bodo Uebber: Versteckte Gewinnwarnung
Daimler

Aus Sicht des Kommunikationsexperten Harald Kinzler von Hering Schuppener Consulting haben es Daimler-CFO Bodo Uebber, Siemens-Finanzchef Joe Kaeser und viele ihrer Kollegen aus der zweiten Reihe in den vergangenen Wochen richtig gemacht: „An der Guidance sollte man so lange wie möglich festhalten“, sagte Kinzler gegenüber FINANCE-TV. Wie Uebber und Kaeser den Markt nur mittels einschränkender Formulierungen auf ein eventuelles Verfehlen der Ziele vorzubereiten, hält er für legitim.

In der Nähe von Insider-Informationen

Größere Risiken sieht er bei einem anderen Weg, den Finanzchefs und IR-Manager im Vorfeld der Zahlenverkündung gerne gehen – in vertraulichen Gesprächen mit Analysten und Investoren versuchen sie die Markterwartungen zu dämpfen. Bei diesem Vorgehen mahnt Kinzler allerdings zur Vorsicht: „Ab dem Moment, an dem der CFO die Zahlen kennen könnte, sollte er aufhören, allzu konkret über die Geschäftsentwicklung zu sprechen, um nicht in die Nähe von Insider-Informationen zu geraten. Das gilt ab drei bis vier Wochen vor der Präsentation der Zahlen.“ Dennoch käme ein CFO manchmal nicht umhin, Analysten einzufangen, wenn diese einzelne Aspekte falsch eingeordnet haben. „Die Konsensschätzungen sollten nicht zu weit von den Ergebnissen entfernt liegen“, meint Kinzler.

Bei aller Schwierigkeit, in dem aktuell hoch volatilen Umfeld die Planzahlen aufrecht zu erhalten, sollten CFOs aber keinesfalls der Verlockung erliegen, zu defensiv zu kommunizieren, warnt Kinzler: „Der größte Fehler ist es, gar keine Guidance zu geben. Denn wie sollen die Investoren wissen, wo die Reise hin geht, wenn ihnen nicht mal das Management eine Orientierung gibt?“

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