Wie früh wusste Ex-CFO Hans Dieter Pötsch über die manipulierten Abgaswerte bei VW Bescheid?

VW

07.03.16
Finanzabteilung

VW: Diesel-Gate holt Ex-CFO Hans Dieter Pötsch ein

Für den Ex-CFO und jetzigen Aufsichtsratschef von VW, Hans Dieter Pötsch, wird es eng. Es verdichten sich die Anzeichen, dass das Management schon Wochen vor der Information des Kapitalmarkts vom Dieselskandal gewusst hat.

Den langjährigen CEO Martin Winterkorn hat die Diesel-Gate-Affäre bei Volkswagen bereits den Job gekostet. Jetzt könnte es auch für seinen damaligen CFO Hans Dieter Pötsch ungemütlich werden. Denn laut einem Bericht der Bild am Sonntag soll Pötsch bereits am 8. September 2015 in einer Vorstandsitzung über die manipulierte Software informiert worden sein. Die bei kursrelevanten Entwicklungen vorgeschriebene Ad-hoc-Meldung veröffentlichte VW aber erst am 22. September.

Pötsch, der inzwischen Aufsichtsratchef des Wolfsburger Autobauers ist, war in seiner Rolle als CFO für die Kommunikation mit dem Kapitalmarkt verantwortlich. VW weißt die Vorwürfe zurück: Man „habe die kapitalmarktrechtlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllt“, ließ ein Konzernsprecher verlauten. Bis zur Veröffentlichung der Ad-hoc-Meldung sei man von einem Qualitätsproblem ausgegangen, wie es in diesem Geschäft häufiger vorkommt. Die finanzielle Tragweite des Problems – VW stellte im dritten Quartal vergangenen Jahres 6,5 Milliarden Euro zurück – sei dem Konzern erst am 22. September bewusst geworden.

Juristen könnten über die Zukunft von Hans Dieter Pötsch entscheiden

Die Diskussion um den Kenntnisstand des damaligen Managements könnte sich sogar noch weiter in die Vergangenheit verschieben: Wie Reuters berichtet, hat VW-Chef Winterkorn erste Vermerke bezüglich der manipulierten Software bereits eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden des Skandals erhalten. Im November 2014 soll die zweite Information an ihn heran getragen worden sein. In der Folge soll laut Reuters sogar eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden sein, die sich mit den fragwürdigen Abgaswerten der VW-Dieselautos befasste. Spätestens am 27. Juli hätten Mitarbeiter in Anwesenheit Winterkorns und des VW-Markenchefs Herbert Diess über die Problematik gesprochen.

Nun wird es darauf ankommen, wie Juristen die Tragweite der Informationen zu den Manipulationen der Abgaswerte einschätzen, die das Management nach und nach erreicht haben. Für Pötsch steht einiges auf dem Spiel – aber auch für die Großaktionäre des Konzerns. Denn obwohl Pötsch schon damals wegen der späten Ad-hoc-Meldung im Zentrum der Kritik stand, wählten ihn die Großaktionäre im Oktober 2015 an die Spitze des Aufsichtsrats, von wo aus er seitdem die Aufarbeitung des Skandals überwachen soll.    

Klarheit könnte die zweite April-Hälfte bringen. Dann will VW über das Ergebnis der Untersuchungen im Abgasskandal berichten – und damit wohl auch über die Rolle der damaligen Unternehmensführung im Umgang mit der Affäre.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de