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29.08.17
Finanzabteilung

Zahl der Gewinnwarnungen steigt auf Sechsjahreshoch

Im ersten Halbjahr 2017 mussten 29 im Prime Standard notierte Unternehmen ihre Gewinnerwartung kassieren. Im Schnitt korrigieren die Firmen die Prognose dabei um 30 Prozent nach unten.

Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten rund um den Globus machen es deutschen Unternehmen schwerer, belastbare Gewinnprognosen abzugeben. Das ergibt eine Studie von EY. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft analysiert jedes Jahr die veröffentlichten Gewinn- und Umsatzkorrekturen aller 300 im Prime Standard gelisteten Unternehmen.

Laut der Studie hat die Zahl der Umsatz- und Gewinnwarnungen im ersten Halbjahr mit 29 ein Sechsjahreshoch erreicht. Das sind 7 Prozent aller im Prime Standard gelisteter Unternehmen. Wie schwer sich Unternehmen derzeit mit ihren Prognosen tun, zeigt das Ausmaß der veröffentlichten Gewinnwarnungen. Laut der Studie lagen die Korrekturen durchschnittlich um ganze 30 Prozent unter dem ursprünglichen Planwert.

Aktionäre strafen Gewinnwarnungen ab

Die Folgen der Gewinnwarnungen sind gravierend. EY hat festgestellt, dass die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen im Schnitt am Tag nach der Gewinnwarnung um 6 Prozent eingebrochen sind. In der Folgewoche lag der Kurs durchschnittlich um 7 Prozent unter dem Kurs am Vortag der Ad-hoc-Meldung.

Die größten Prognoseschwierigkeiten hatten der Studie zufolge Konzerne, die im SDax gelistet sind. Fast die Hälfte dieser Unternehmen mussten in der ersten Jahreshälfte ihre Prognosen anpassen. Zum Vergleich: Im Dax waren es nur 33 Prozent, im TecDax 40 Prozent und im MDax 24 Prozent der Unternehmen.

Mehr Aufwärtskorrekturen als Gewinnwarnungen

Doch nicht alle dieser Unternehmen verschreckten ihre Anleger mit Gewinnwarnungen. Tatsächlich hatten die meisten Konzerne ihre Gewinne zu Jahresbeginn zu konservativ geschätzt und korrigierten ihre Prognose nach oben. 29 der 36 Prozent der Korrekturen waren laut EY Anpassungen nach oben. Auch das ist ein Sechsjahreshoch. 

Die Studie zeigt weiter, dass die Kursanstiege nach einer so genannten Gewinnankündigung in Relation zu den Kursverlusten nach einer Gewinnwarnung deutlich geringer ausgefallen sind. Das liegt laut EY auch daran, dass Gewinnprognosen im Schnitt um 30 Prozent nach unten, jedoch nur um 15 Prozent nach oben korrigiert wurden.

EY rechnet für das zweite Halbjahr 2017 mit einer positiven Entwicklung und macht das an den veröffentlichten Halbjahresberichten der Dax-Konzerne fest. Sowohl Adidas, BASF, BMW, Telekom, Lufthansa, Volkswagen als auch Allianz haben zuletzt ihre Prognosen angehoben. Lediglich Merck senkte seine Umsatzprognose. EY warnt aber zugleich vor einem weiteren Anstieg des Eurokurses, vor stärkerem Protektionismus und vor Risiken aus dem Brexit. Zudem befinde sich die deutsche Automobilindustrie in schwierigem Fahrwasser.