Newsletter

Abonnements

Behörden beäugen Steuerpläne kritisch

Facebook spart durch Steuerplanung Millionen, doch Experten erwarten, dass CFOs mit einer kritischeren Prüfung ihrer Steuermodelle rechnen müssen.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Wenn das Geld knapp wird, rücken Steuern als Einnahmequelle schnell wieder in den Fokus der Behörden. Umso größer die Aufregung, wenn Konzerne wie Facebook durch gezielte Steuerplanung Millionen sparen. Experten gehen davon aus, dass CFOs künftig mit kritischeren Prüfungen ihrer Steuermodelle rechnen müssen.

Facebook hat zwar nichts unrechtes getan, dennoch sind die Briten verstimmt: Das Unternehmen, das Analystenschätzungen zufolge im vergangenen Jahr rund 175 Millionen Pfund eingenommen haben soll, zahlte nur mickrige 238.000 Pfund an Unternehmenssteuern. Beobachter gehen davon aus, dass die Firmen einen großen Teil ihrer Umsätze nicht in dem Land verbuchen, in dem sie anfallen, sondern sie stattdessen über die Europa-Zentrale buchen. Offiziell weist Facebook daher auch nur 20 Millionen Pfund an Einnahmen für Großbritannien aus. Der Europa-Hautpsitz von Facebook befindet sich in Irland – wo die Steuersätze deutlich vorteilhafter sind.

Behörden prüfen Firmenfinanzen stärker

Experten gehen davon aus, dass Finanzchefs zunehmend häufiger auf negative Reaktionen treffen können. „Staaten weisen ihre Steuerbehörden an, härter zu veranlagen“, sagte Stephan Kuhn, Leiter Tax EMEIA bei Ernst & Young, kürzlich gegenüber FINANCE. „Die Finanzämter wollen viel mehr Offenlegung.“

Auch versuchen die Steuerbehörden ihren Strukturnachteil gegenüber den Multis, national organisiert zu sein, dadurch wettzumachen, dass sie verstärkt international zusammenarbeiten und Informationen austauschen, um sich ein Bild vom gesamten Konzern zu machen.

Genau hingeschaut werde künftig bei Steuerumgehung. Diese liegt in einer Grauzone zwischen legaler Vermeidung und illegaler Hinterziehung. Man kann davon ausgehen, dass dies vorliegt, wenn Konzerne statt direkt von A nach B zu gehen, einen Umweg über B und C nehmen, sagt Kuhn weiter. Er empfiehlt Konzernen, eine gute Beziehung zu den Finanzämtern zu pflegen. 

Öffentlicher Druck nimmt zu

„Es ist möglich, dass Steuerumgehung künftig in die Nähe von Steuerhinterziehung gerückt wird“, sagt Kuhn. Auch der Druck der Öffentlichkeit steigt. In Großbritannien hat die Interessenvertretung The Taxpayers‘ Alliance bereits Änderungen am Steuersystem gefordert.

Was Facebooks CFO David Ebersman entwickelt hat, ist rechtlich gesehen nicht angreifbar. Doch die Emotionen kochen hoch – zumal die Steuerpläne mehrerer Konzerne zuletzt für Unmut sorgten. Wegen ähnlicher Fälle gerieten bereits Google, Ebay, Amazon und Vodafone in die Kritik der Behörden, auch sie haben ihren Sitz in Irland und Luxemburg, Ländern mit vergleichsweise niedrigen Steuersätzen. Steuerplanung wird insofern zur strategischen Entscheidung. „Der Risikoappetit von Konzernen ist sehr unterschiedlich“, sagt Kuhn.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

Themen