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Bei Compliance ist noch viel Luft nach oben

Das Bewusstsein für Compliance ist bei vielen Mitarbeitern noch zu wenig ausgeprägt.
filmfoto/iStock/Thinkstock/Getty Images

Ob Cyber-Sicherheit, Korruption oder Kartellverfahren: Compliance-Risiken lauern an verschiedenen Stellen. Viele Unternehmen in Deutschland haben ihre Compliance-Anstrengungen in den vergangenen Jahren daher deutlich gesteigert, zeigt das erstmals erhobene Compliance-Barometer der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland. Für die Studie hat das Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Kanzlei 175 Compliance-Verantwortliche in Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern anonym zum Thema befragt.

Das Ergebnis: Die Unternehmen treiben zwar einen höheren Aufwand, um interne Verhaltensregeln und Werte festzulegen und umzusetzen. Das Ergebnis ist aber noch nicht überall befriedigend. Fast die Hälfte der Unternehmen hat der Befragung zufolge in den vergangenen Jahren die personellen und finanziellen Ressourcen für Compliance erhöht. Dennoch fühlen sich nach wie vor nur 42 Prozent der Befragten in dem Bereich gut ausgestattet.

Riskante Zuständigkeitsstruktur für Compliance

Oft stammen die Compliance-Verantwortlichen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen, vorwiegend aus der Rechtsabteilung, dem Controlling, der Revision oder dem Risikomanagement. Nur 28 Prozent der befragten Unternehmen haben eine eigenständige Compliance-Abteilung. Kein Wunder, dass Compliance-Themen für Berater oftmals Umsatzbringer sind: Je nach Themenbereich lassen sich die Unternehmen bei bis zu 80 Prozent der Fälle extern beraten.

Bei etwa 30 Prozent der befragten Unternehmen liegt in der Zuständigkeit für die Compliance selbst ein Risiko begründet: Dort üben Mitarbeiter aus den für Compliance-Vorfälle besonders anfälligen Bereichen Vertrieb und Einkauf die Compliance-Funktion aus. „Hier können Haftungsrisiken drohen, wenn operatives Risikogeschäft und Compliance-Verantwortlichkeiten nicht klar getrennt voneinander gemanagt werden“, sagt Tobias Teicke, Compliance-Experte am Berliner Standort der Kanzlei CMS.

Compliance-Index liegt bei 64 von 100 möglichen Punkten

Den derzeitigen Stand der Unternehmen in Compliance-Fragen zeigt ein Index, bei dem die erhobenen Kernergebnisse für einzelne Bereiche auf einer Matrix zwischen 0 Punkten (Compliance spielt keine Rolle) und 100 Punkten (Compliance durchdringt die gesamte Wirtschaft) abgetragen werden. Betrachtet werden dabei der Bedarf an Compliance-Lösungen, die Vorsorge, Ausstattung und Organisation, die Compliance-Kultur in der Belegschaft und im Management. Während die Compliance-Kultur im Management schon einen Indexwert von 90 erzielt, liegt beispielsweise der Wert für die Organisation nur bei rund 50 Punkten.

Insgesamt verortet CMS den aktuellen Compliance-Index bei 64 von 100 möglichen Punkten. Zwar haben viele Unternehmen verstanden, dass Compliance für sie von Bedeutung ist, in der Umsetzung ist aber noch viel Luft nach oben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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