Beluga: Verwirrung um Ermittlungen gegen Niels Stolberg

dpa

20.03.13
Finanzabteilung

Beluga: Verwirrung um Ermittlungen gegen Niels Stolberg

Seit rund zwei Jahren laufen die Ermittlungen gegen Ex-Beluga-Chef Niels Stolberg. Die Lage ist unklar: Medienberichte, dass die Ermittlungen teilweise eingestellt seien, wollte die Staatsanwaltschaft auf FINANCE-Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Allerdings sollen Teile der Ermittlungen vor dem Abschluss stehen.

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Ex-Beluga-Chef Niels Stolberg anscheinend weiter. „Ich kann keine Einstellung der Ermittlungen bestätigen“, erklärt ein Pressesprecher gegenüber FINANCE. Direkt dementieren wollte er die Meldungen allerdings auch nicht – die Pressestelle der Staatsanwaltschaft berief sich darauf, entsprechende Berichte seien nicht bekannt. Die beiden Medien Spiegel online und die Nordwestzeitung (NWZ) hatten zuvor berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Bremen den Verdacht des Betrugs gegen den 52-Jährigen nicht weiter verfolge, da die Ermittler nach einer zweijährigen Untersuchung nicht nachweisen konnten, dass Stolberg den amerikanischen Finanzinvestor Oaktree finanziell geschädigt hätte.

Der ehemalige Beluga-Chef Niels Stolberg kann nun doch noch nicht aufatmen. Ein Pressesprecher der Staatanwaltschaft Bremen sagte gegenüber FINANCE: „Ich kann nicht bestätigen, dass wir in irgendeiner Weise etwas eingestellt hätten.“ Er könne lediglich sagen, dass die Staatsanwaltschaft Bremen in einem Teilbereich eines Ermittlungskomplexes kurz vor dem Abschluss stünde. Erst Mitte April will die Staatsanwaltschaft sich öffentlich zu dem Thema äußern.

PE-Investor Oaktree zeigte Ex-Beluga-Chef Niels Stolberg 2011 an

Im Jahr 2011 hatte der PE-Investor Oaktree Niels Stolberg nach der Insolvenz von Beluga wegen Betrugs angezeigt. Der damalige Vorwurf: Der Beluga-Gründer soll das Auftragsbuch seiner Reederei massiv manipuliert haben: Den Vorwürfen gemäß soll das Orderbuch der Beluga zum 15. Juni 2010 für die Jahre 2010 und 2011 Aufträge über rund 800 Millionen US-Dollar ausgewiesen haben, diese Angaben sollen falsch gewesen sein. Wie eine mit den Vorgängen vertraute Person im Frühjahr 2011 gegenüber FINANCE erklärte, warf Oaktree der ehemaligen Beluga-Führung zudem vor, Umsätze, Margen und den Cashflow falsch ausgewiesen zu haben. Der PE-Investor soll gegenüber dem ehemaligen Beluga-Chef einen Schaden von rund 130 Millionen Euro geltend gemacht haben.

Gegen Stolberg wird auch wegen Kreditbetrugs und wegen Bilanzfälschung ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, die Kosten für Schiffskäufe zu hoch angegeben und die Differenzbeträge verwendet zu haben, um an anderer Stelle im Konzern Liquiditätslöcher zu stopfen. Stolberg sagte in der Vergangenheit, „stets im unternehmerischen Interesse gehandelt“ zu haben.

Oaktree auch nach Beluga weiter an Schifffahrt interessiert

Der US-Investor Oaktree war während der Schifffahrtskrise im Juli 2010 mit 100 Millionen Euro bei der Reederei Beluga eingestiegen. Nach einer zweiten Finanzspritze hielt der Finanzinvestor im März 2011, als Beluga Insolvenz anmelden musste, 49,5 Prozent der Anteile an Beluga. Oaktree soll der Reederei rund 100 Millionen Euro Fremdkapital zur Verfügung gestellt haben, um damit Schiffe zu bezahlen.

Da Oaktree nach der Beluga-Insolvenz auf einigen neuwertigen Schwergutfrachtern saß und ein Verkauf der Schiffe aufgrund des gesunkenen Wert der Schiffe und des Marktverfalls in der Projektschifffahrt nicht in Frage gekommen war, gründete der PE-Investor 2011 die Reederei Hansa Heavy Lift mit Sitz in Hamburg. Das noch junge Unternehmen gehört heute eigenen Angaben zufolge zu den größten Schwerguttransporteure der Welt. Wie auf der Website von Hansa Heavy Lift zu lesen ist, betreibt das Unternehmen „als Marktführer derzeit 21 eigene Spezialschwergutschiffe und damit die größte Flotte im Schwergut- und Projektmarkt“. Wie aus dem Markt zu hören ist, sieht Oaktree Hansa Heavy Lift als langfristiges Engagement. Der PE-Investor habe einen Zeithorizont von bis zu zehn Jahren, bevor das Unternehmen verkauft oder an die Börse gebracht werden könnte, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Herbst 2012.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de