Der ehemalige CFO des insolventen IT-Severdienstleisters EN Storage wurde verhaftet und sitzt in der JVA Stuttgart. Der Vorwurf: Verdacht auf Betrug.

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15.05.17
Finanzabteilung

CFO von EN Storage verhaftet

Die Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Finanzchef der insolventen EN Storage verhaftet. Gegen Ex-CFO Lutz Beier und den ehemaligen Geschäftsführer Edvin Novalic wird wegen Betrugsverdachts ermittelt.

Der Fall des schwäbischen IT-Infrastrukturanbieters EN Storage entwickelt sich zum Wirtschaftskrimi. Die früheren Geschäftsführer des Unternehmens, über das Anfang Mai das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, stehen unter Betrugsverdacht. Wie die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet, sitzen sie inzwischen beide in Haft. Nach Ex-CEO Edvin Novalic wurde nun auch Lutz Beier verhaftet, der bei EN Storage die Finanzen verantwortete. Die Staatsanwaltschaft sehe dringenden Tatverdacht gegen beide Geschäftsführer, zititert die Zeitung einen Sprecher der Behörde. Die Ermittlungen dauerten noch an.

EN Storage: CFO will von nichts gewusst haben

Beier soll unmittelbar nach Anmeldung der Insolvenz noch angegeben haben, von der Einstellung des Geschäftsbetriebs selbst überrascht worden zu sein. So steht es in einer E-Mail, aus der verschiedene Online-Portale zitieren. Ob diese authentisch ist und wirklich von Beier stammt, lässt sich von außen nicht nachprüfen. Beiers Verhaftung deutet aber zumindest darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft nicht davon ausgeht, dass die Entwicklungen für den Ex-CFO vollkommen überraschend kamen.

EN Storage hatte in den vergangenen Jahren Geld über mehrere Schuldverschreibungen eingesammelt. Den Investoren dieser Papiere drohen nun massive Verluste. Der vorläufige Insolvenzverwalter Holger Leichtle schätzte den Schaden nach einer ersten Bestandsaufnahme auf rund 90 Millionen Euro. Etwa 2.000 Anleger, vorwiegend Privatpersonen, haben in die Papiere investiert, die mit Zinssätzen von bis zu 7 Prozent lockten. EN Storage hatte angegeben, das Geld in Server investieren zu wollen. Leichtle zufolge seien aber nur „wenige Server“ vorhanden gewesen.

Gläubigerversammlung für Investoren der EN Storage

Die Pleite von EN Storage könnte auch für Finanzberater Folgen haben, die ihren Kunden die Papiere des IT-Infrastrukturanbieters empfohlen haben. Verschiedene Anwälte prüfen, ob die Berater ihre Investitionsempfehlung sorgfältig genug geprüft haben. Andernfalls könnten die Vermittler womöglich zur Haftung gezogen werden. Für die Investoren wäre das eine Möglichkeit, zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen.

Wie es genau um die tatsächliche Finanzlage von EN Storage steht, soll sich in den kommenden Wochen genauer klären. Für das Geschäftsjahr vom 1. April 2015 bis zum 31. März 2016 hatte EN Storage selbst einen Gewinn von 6 Millionen Euro und einen Umsatz von 55,1 Millionen Euro angegeben. Doch hinter den offiziellen Angaben stehen große Fragezeichen.

Für die Investoren der Teilschuldverschreibungen 2016/2018, 2016/2019 und 2016/2021 gibt es nun am 28. Juni eine Gläubigerversammlung. Dort wird unter anderem darüber beraten, ob ein gemeinsamer Vertreter bestimmt wird. Ihre Forderungen gegen EN Storage können die Gläubiger noch bis zum 19. Juli anmelden. Eine erste Information durch das Insolvenzgericht soll es dann Ende Juli geben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de