Newsletter

Abonnements

CFOs müssen vermehrt Forderungen abschreiben

Die Kisten bleiben leer und CFOs vermehrt auf ihren Forderungen sitzen. Das geht zu Lasten des Umsatzes, der Liquidität und des organischen Unternehmenswachstums.
Kenishirotie/iStock/Thinkstock/Getty Images

In Europa gehen Unternehmen jährlich rund 350 Milliarden Euro an Forderungen verloren. Dabei ist der Anteil der Forderungen, die CFOs abschreiben müssen, von 2,8 Prozent im vergangenen Jahr auf aktuell 3 Prozent gestiegen. Dies zeigt der European Payment Index 2013. Die Studie führte der Kreditmanagementdienstleister Intrum Justitia zwischen Januar und März 2013 gleichzeitig in 31 Ländern durch.

Der Preis, den die Unternehmen für die entgangenen Forderungen zahlen, ist laut Studie hoch. Fast die Hälfte der 9.800 Studienteilnehmer sagen, dass sie durch ihre angespannte finanzielle Lage ihre Investitionen gekürzt haben. Mehr als 60 Prozent klagen über entgangene Umsätze. Beinahe ebenso viele sehen ihre Liquidität beeinträchtigt und fast die Hälfte gibt an, nicht organisch wachsen zu können.

Die Studie zeigt auch die Unterschiede bei den entgangenen Forderungen zwischen den einzelnen europäischen Ländern auf. Während deutsche Unternehmen lediglich 2 Prozent ihrer Forderungen als uneinbringlich melden, sind es in Griechenland knapp 10 Prozent. Das Beispiel veranschaulicht eine wenig überraschende Entwicklung: CFOs in südeuropäischen Ländern haben deutlich stärker mit uneinbringlichen Forderungen zu kämpfen als ihre Kollegen im Norden Europas.

Finanzchefs schalten Inkassobetrieb früher ein

Auch beim Kreditmanagement gibt es große Unterschiede innerhalb Europas. So ist zwar insgesamt die Anzahl der Tage gesunken, ab der bei säumigen Schuldnern ein Inkassobetrieb eingeschaltet wird, doch vor allem Länder Südeuropas geben ihren Schuldnern viel Zeit, bevor sie aktiv werden. Am striktesten gingen dabei laut Studie Unternehmen in Finnland vor. Hier würde bereits nach 33 Tagen von 72 Prozent der Unternehmen ein Inkassounternehmen beauftragt, um ausstehende Forderungen einzutreiben. In Rumänien hingegen wartet ein gutes Drittel der Unternehmen 120 Tage, bis sie ihre Forderungen eintreiben lassen, in Belgien geben fast 60 Prozent der Studienteilnehmer ihren säumigen Kunden immerhin 85 Tage Zeit.

Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich die befragten Unternehmen wenig optimistisch. 45 Prozent der Teilnehmer rechnen 2014 mit einem größeren Verschuldungsrisiko. Auch Deutschland gehört laut Studie zu den Ländern, in denen das Verschuldungsrisiko am höchsten ist. Ein knappes Drittel der deutschen Studienteilnehmer erwartet außerdem, dass das Risiko des Zahlungsverzugs zunehmen wird. Im vergangenen Jahr gingen davon nur 21 Prozent aus. Finanzchefs in Deutschland und Europa stellen sich offenbar auf härtere Zeiten ein.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

Themen