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CFOs sollten nicht mit weiterhin niedrigen Rohstoffpreisen rechnen

Der Aluminiumpreis ist seit Jahresanfang deutlich gesunken.
Thinkstock / Getty Images

Die Preise verschiedener Rohstoffe sind derzeit im Sinkflug. „Die Rohstoffnotierungen, insbesondere von Nickel, sind schon seit einiger Zeit auf einem deutlich niedrigeren Niveau [als 2008, Anm. d. Red.]“, sagt Roland Mauss, CFO des Edelstahlschrotthändler KMR Stainless, im Interview mit der FINANCE-Schwesterpublikation Der Treasurer. Das Unternehmen hat vor einigen Wochen seinen syndizierten Kredit zur Finanzierung von Beständen, Forderungen und sonstigem Umlaufvermögen refinanziert und musste dabei das Forderungsfinanzierungsvolumen von rund 180 Millionen Euro nicht erhöhen. „Aufgrund unseres Geschäftswachstums ist zwar die zu finanzierende Menge größer geworden, aber die Preise haben sich in die entgegengesetzte Richtung entwickelt“, erklärte Mauss. Der Aluminiumpreis ist beispielsweise von etwa 1.640 Euro pro Tonne zum Jahreswechsel auf derzeit rund 1.335 Euro pro Tonne gesunken, auch der Weizenpreis ist von rund 250 Euro je Tonne auf etwa 187 Euro je Tonne zurückgegangen.

Angesichts dieser Entwicklungen überrascht es nicht, dass auch anderen Unternehmen die Rohstoffkosten zurzeit weniger Sorgen bereiten als in den Jahren zuvor. Wie eine aktuelle Umfrage der Beratung Inverto unter 76 Vorständen, Geschäftsführern und Einkaufsleitern in diesem Sommer ergeben hat, rechnen 70 Prozent der Unternehmen für die nächsten eineinhalb Jahre nur mit einem moderaten Anstieg der Kosten. „Die Situation hat sich etwas beruhigt, das sollte aber kein trügerisches Signal zur Entwarnung sein“, sagt Christian Debus, Partner bei KPMG. „Einige Finanzinstitute scheinen sich aus dem Markt zurückzuziehen; ebenso hat die starke Nachfrage aus Asien (insbesondere China) wohl etwas nachgelassen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass Unternehmen stets mit unerwarteten signifikanten Preisentwicklungen rechnen müssen.“ Zudem lasse sich aufgrund der abnehmenden Bedeutung von Fundamentalfaktoren die Preissituation an Rohstoffmärkten nicht „realistisch“ einschätzen, glaubt KPMG.  Finanzinvestoren oder die ominösen Praktiken von Warenhausbetreibern, insbesondere bei Aluminium, können auf die Rohstoffpreise eine mögliche Wirkung haben.

Gefühlter Einfluss der Rohstoffkosten auf Ergebnis nimmt ab

Dennoch nimmt der Einfluss der Rohstoffkosten auf die Unternehmensergebnisse in der Wahrnehmung der Unternehmen weiter ab. Dieses Bild zeichnet zumindest die Inverto-Umfrage. Während im Jahr 2011 noch über 90 Prozent der Befragten angaben, die Rohstoffkosten hätten einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmensergebnis, gaben dies 2013 nur noch knapp über 70 Prozent der Befragten an. „Unternehmen haben sich stärker um das Preisrisikomanagement gekümmert und konnten daher den Ergebniseinfluss etwas eindämmen“, sagt Debus. „Darüber hinaus haben die zurückgehenden Preise etlicher Rohstoffe und Energieträger (insb. Strom) sowie die etwas geringere Volatilität zu einem geringeren Einfluss geführt. Insgesamt handelt es sich jedoch bei vielen Unternehmen noch um ein signifikantes Risikoexposure.“

Um dieses angemessen zu managen, ist es sinnvoll, dass der Einkauf mit dem Treasury zusammenarbeitet. Doch dies ist noch selten der Fall. Oftmals agiert der Einkauf im Alleingang. Das untermauert auch die Inverto-Umfrage, in der zwei Drittel der Befragten angaben, dass der Einkauf für die Preisabsicherung der Rohstoffe verantwortlich ist. Hier haben die Unternehmen noch großen Nachholbedarf, auch wenn die Großunternehmen im Umfang und in den Methoden der Sicherung oft schon deutlich weiter sind als der Mittelstand.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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