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Commerzbank: Mittelstand noch nicht auf Sepa vorbereitet

Unternehmen müssen sich beeilen, um rechtzeitig zum Stichtag ihren Zahlungsverkehr auf Sepa umgestellt zu haben.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Doch im Hinblick auf die Sepa-Umstellung haben Banken die Hoffnung, dass alle Unternehmen zum Stichtag am 1. Februar 2014 fertig sein werden, längst zu Grabe getragen. „Wir sind zutiefst überzeugt davon, dass nicht alle Unternehmen rechtzeitig umgestellt haben werden“, sagte Klaus Windheuser, Leiter des globalen Cash Managements bei der Commerzbank, jetzt bei einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Den Eindruck bestätigt eine Studie, die die Bank diese Woche vorstellte: Demnach haben erst 10 Prozent der 6.000 befragten Firmenkunden vollständig auf Sepa umgestellt. 76 Prozent der kleinen Mittelständler bis 12,5 Millionen Euro Umsatz haben sich noch gar nicht mit dem Thema Sepa befasst oder zumindest noch keine Projekte zur Umstellung des Zahlungsverkehrs gestartet. Bei den Großkunden der Commerzbank sieht das Bild nicht viel rosiger aus: Dort geben gerade einmal 4 Prozent der Unternehmen an, vollständig auf Sepa umgestellt zu haben. Immerhin beschäftigen sich in dem Segment 61 Prozent der CFOs mit dem Thema.

Eine Studie der Beratung PwC war im Februar zu ähnlichen Ergebnissen gelangt: Sie ergab, dass nach damaligem Projektstand 55 Prozent der Unternehmen Gefahr liefen, nicht rechtzeitig zum Umstelltermin am 1. Februar 2014 Euro-Zahlungen mit dem Sepa-Verfahren abwickeln zu können.

Banken nach Sepa-Stichtag in der Zwickmühle

Doch an dem Stichtag, an dem nationale Verfahren abgestellt werden, wird nicht gerüttelt: „Eine weitere Verschiebung wird es nicht geben. Treasurer sollten diese Hoffnung endlich aufgeben“, hatte  der Chairman des European Payment Councils (EPC), Javier Santamaria, erst vergangenen Woche bei einer Konferenz angemahnt.
Banken bringt das in eine Zwickmühle. Rechtlich sind sie laut EU Sepa-Verordnung verpflichtet, mit dem Stichtag weder alte Kontodaten noch alte Formate anzunehmen. Unternehmen müssen ihnen Zahlungsaufträge mit IBAN und BIC und im XML-Format anliefern.

Doch keine Bank will das Risiko eingehen, ihre Kunden vom Zahlungsverkehr abschneiden und dadurch verärgern zu müssen. Die Banker argumentieren vordergründig mit der Funktionsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Zwischen den Zeilen schwingt aber auch der Wettbewerb mit anderen Geldhäusern mit: Denn viele wollen sich mit Sepa-Services strategisch als Dienstleister ihrer Kunden positionieren und können es sich schon deshalb nicht leisten, Unternehmen im Regen stehen zu lassen. Daher arbeitet eine Reihe von Banken – mehr oder weniger offen – an Konvertierungslösungen, mit denen sie Zahlungsaufträge, die der Kunde noch im alten Format anliefert, in die Sepa-konformen Formate umwandeln können.

„Wir bereiten uns darauf vor nationale Formate sowie Kontonummer und BLZ nach dem Stichtag in Sepa-konforme Formate und Daten zu konvertieren“, sagt Windheuser. „Auch für Basis-Lastschriften arbeiten wir gerade an einer Konvertierungslösung.“ Dieses Angebot werde aber nicht kostenlos sein. Ähnliche Töne sind auch aus anderen Geldhäusern zu vernehmen.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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