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12.06.12
Finanzabteilung

Compliance wird kapitalmarktrelevant

Die Compliance-Organisationen von Unternehmen rücken immer stärker in das Blickfeld der Investoren, der Kreditgeber und sogar potentieller Kaufinteressenten. Für CFOs liegt darin ein erhebliches Risiko, Unternehmenswert zu vernichten.

Viele CFOs haben nach wie vor ein recht einseitiges Verständnis von Compliance. Doch eine Compliance-Struktur dient nicht nur dazu, die Haftungsgefahr der Unternehmensführung zu senken. „Wenn Compliance viel zu sehr als organisatorisches Schutzregime für die handelnden Personen –  Vorstände und Geschäftsführer – verstanden wird, dann ist Compliance letztlich eine Risikominimierung allein der persönlichen strafrechtlichen Risiken bestimmter Entscheider“, meint Thomas Klindt, Partner der Sozietät Noerr. „Dabei geht aus den Augen verloren, wie essentiell Compliance für die Werthaltigkeit des Unternehmens ist. Es muss ein Umdenken geben vom ,Save my ass’ zum ,Save my assets’. Compliance sichert den Wert des Unternehmens.“

Wie dringend dieses Umdenken ist, zeigt, dass die Unternehmensstrafen für Non-Compliance-Fälle immer höher werden. So hat alleine die EU zwischen 1990 und 1999 noch Kartellstrafen von insgesamt lediglich 833 Millionen Euro verhängt. Zwischen dem Jahr 2000 und jetzt explodierten sie aber auf fast 16,9 Milliarden Euro.

Kapitalmärkte bestrafen Non-Compliance

Vieles deutet darauf hin, dass der Compliance in Zukunft verstärkt strategische Bedeutung zukommen wird. So wollen schon heute die meisten DAX-Unternehmen nur solche Geschäftspartner, die ihrerseits auch eine vernünftige Compliance-Organisation vorweisen können. Auch führen im Vorfeld eines M&A-Deals zahlreiche Unternehmen beim Target mittlerweile eine Compliance-Due-Diligence durch, unter ihnen Siemens, MAN, Ferrostaal, Daimler und die Deutsche Bahn. Compliance wird zu einem Wettbewerbsfaktor.

„An vielen Stellen kann man zeigen, dass Compliance einen Mehrwert bietet, beispielsweise in der Bewerbungspraxis. Wir werden heute schon von Bewerbern darauf angesprochen, was wir auf diesem Gebiet machen. Man gewinnt also im Wettbewerb um die besseren Köpfe“, sagt Dr. Dirk-Christoph Schautes, Head of Group Compliance der Metro. Experten sind sich sicher, dass eine gute Compliance-Organisation über kurz oder lang auch an der Börse honoriert und bei der Kreditvergabe berücksichtigt wird. „Das Risiko, bei Non-Compliance erwischt zu werden, ist derart hoch, dass der Kapitalmarkt den Risikowert für das Unternehmen erhöhen und damit den Unternehmenswert absenken wird“, erwartet Dr. Guido Krüger, Partner der Kanzlei Beiten Burkhardt. In die gleiche Kerbe schlägt Thomas Wittrock, stellvertretender Compliance-Beauftragter von HSBC Trinkaus: „Wir schauen uns bei der Kreditvergabe grundsätzlich an, ob unsere Kunden compliant sind. Bei einem Kredit an ein Unternehmen, das vor dem Hintergrund unlauterer
Methoden Compliance-Risiken birgt, ist das Risiko eines Kreditausfalls natürlich höher.  Die bankseitige Prüfung dient unserer eigenen Sicherheit.“

Ein solches Umdenken hätte Konsequenzen für die Position des Compliance Officers, für die Berichtslinien und für das Compliance-Budget. „Irgendwann werden sich die Anteilseigner darauf besinnen, dass Compliance notwendig ist, weil Compliance-Verstöße sehr teuer sind und ihr investiertes Geld vernichten können. Und dann wird sich einiges ändern“, warnt Klindt.

irina.jaekel[at]finance-magazin.de