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19.05.17
Finanzabteilung

Das denken Treasurer über Zahlungsverkehr in Echtzeit

Zahlungen in Echtzeit sollen schon bald Realität werden. Viele Treasurer halten die sogenannten Sepa Instant Payments zwar für grundsätzlich relevant. Ob ihr Unternehmen sie nutzen wird, können sie allerdings nicht sagen.

Viele Treasury-Chefs sind unsicher, was Zahlungsverkehr in Echtzeit für ihr Unternehmen bedeuten wird. Das geht aus dem 18. Treasurer-Panel hervor, für das die FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer gemeinsam mit der Deutschen Bank 100 Treasury-Verantwortliche im deutschsprachigen Raum befragt hat. Gut die Hälfte der Befragten kann heute noch nicht einschätzen, ob ihr Unternehmen künftig die sogenannten Sepa Instant Payment nutzen wird.

Schon in einem halben Jahr sollen diese standardisierten Echtzeit-Überweisungen in Euro möglich sein. Dieses Ziel haben Regulatoren, Infrastrukturanbieter und Bankverbände formuliert. Bis Privatpersonen und Unternehmen tatsächlich rund um die Uhr in Echtzeit bezahlen können, wird aber wohl noch etwas Zeit vergehen: „Die ersten Sepa Instant Payments dürften nicht vor Mitte 2018 durchgeführt werden“, sagt Lothar Meenen, Global Head of Corporate Cash Management Sales bei der Deutschen Bank.

Zahlungsverkehr in Echtzeit nur bis 15.000 Euro

Aktuell plant lediglich jeder fünfte befragte Treasury-Verantwortliche, Echtzeitzahlungen zu nutzen. Die meisten erhoffen sich davon ein besseres Liquiditätsmanagement. Ebenso oft wird auch die Senkung des Risikos genannt. Dies ist ein Kern des Projekts: Innerhalb von zehn Sekunden muss das Geld final auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben sein. Das Risiko, dass ein Kunde nicht zahlt, wird so eliminiert.

Dagegen will jeder zehnte Befragte Echtzeitzahlungen nicht nutzen. Sie geben mehrheitlich als Begründung an, dies hätte für das eigene Geschäftsmodell keinen Mehrwert. Ein weiteres Hindernis ist die Betragsgrenze, die zunächst bei 15.000 Euro liegen wird. Zudem geben einzelne Befragte an, die Prozesse im Treasury seien nicht auf Instant Payments ausgelegt.

Instant Payments auch für Zahlungen zwischen Unternehmen?

Obwohl die Mehrheit noch nicht weiß, ob ihr Unternehmen Sepa-Echtzeitzahlungen nutzen wird, halten viele sie aber grundsätzlich für relevant. Diesen Schluss legt ein anderes Umfrageergebnis nahe: Gefragt danach, für welche Art von Zahlungen Instant Payments sich am besten eignen, geben 41 Prozent Zahlungen zwischen Unternehmen (B2B) an. Im Interview mit FINANCE-TV hatte Andreas Windmeier, Leiter Treasury Services Deutschland und Österreich bei JP Morgan, dieser Hoffnung kürzlich eine Absage erteilt: „Am Anfang werden Instant Payments im B2B-Bereich keine Rolle spielen.“

Jeweils 36 Prozent sehen sie als Bargeldersatz im C2B- oder B2C-Bereich sowie als weitere Zahlmethode im (Online)-Handel. Lediglich gut jeder Fünfte hält sie für Zahlungen zwischen Privatpersonen für relevant.

Was Treasurer über die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 denken, das erfahren Sie in der aktuellen Aufmachergeschichte von DerTreasurer.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Welche Auswirkungen haben die aktuellen Regulierungsvorhaben im Zahlungsverkehr auf das Treasury? Und wie bereiten sich Treasurer auf den Brexit vor? Das gesamte Treasurer-Panel können Sie im Research-Bereich von FINANCE herunterladen.