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02.05.17
Finanzabteilung

Deutsche CFOs reagieren auf gestiegene politische Risiken

Im Umgang mit politischen Risiken sind deutsche CFOs deutlich vorsichtiger als ihre internationale Kollegen. Auch auf die Weltwirtschaft schauen sie skeptischer – mehr investieren wollen sie 2017 dennoch.

Deutsche CFOs sind im internationalen Vergleich besonders vorsichtig im Umgang mit politischen Risiken, wie eine Umfrage des Finanzdienstleisters American Express unter 650 Finanzchefs weltweit zeigt, die FINANCE exklusiv vorliegt. Demnach geben 97 Prozent der befragten 40 deutschen CFOs an, dass sie sich aus Hochrisikogebieten zurückziehen und geschäftliche Aktivitäten in risikofreiere Regionen verlagern wollen. Nur die befragten Finanzchefs in China sind ähnlich vorsichtig. Der globale Schnitt liegt bei 87 Prozent.

Die Zahl der Hochrisikoländer ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Der Bürgerkrieg in Syrien, der schwelende Russland-Ukraine-Konflikt, die autokratische Entwicklungen in der Türkei, aber auch populistische Tendenzen in entwickelten Ländern wie Großbritannien und den USA bereiten Finanzverantwortlichen Kopfschmerzen. Weltweit seien die politischen Risiken seit 2013 gestiegen, ermittelte kürzlich der Kreditversicherer Coface. Das globale Konfliktrisiko habe sich zwischen 2007 und 2015 verdoppelt, das Terrorismusrisikos sei seit 2008 sogar um das 2,8-fache gestiegen, errechnete Coface.

CFOs rüsten im Risikomanagement auf

Finanzchefs reagieren auf diese Entwicklung: Konkret planen 53 Prozent der von American Express befragten CFOs in Deutschland, ihr Risikomanagement zu verstärken. Zwei Drittel wollen Risiken künftig verstärkt über Versicherungen und Hedging-Strategien absichern. 60 Prozent ziehen in Betracht, physisch ihr Personal zu schützen, 53 Prozent planen das bei ihren Gebäuden.

Dazu passt auch, dass die deutschen CFOs deutlich pessimistischer auf die Weltwirtschaft schauen als ihre internationalen Kollegen: Im vergangenen Jahr erwartete nur knapp jeder zehnte Befragte in Deutschland eine Verschlechterung der Wirtschaft. Bei der diesjährigen Befragung war es die Hälfte. Weltweit hat hingegen mit 18 Prozent nicht einmal jeder Fünfte eine negative Prognose abgegeben.

CFOs wollen 2017 mehr in Prozesseffizienz investieren

Trotz dieses negativen Ausblicks halten die befragten CFOs in Deutschland höhere Investitionen und Ausgaben ihres Unternehmens für wahrscheinlich. 63 Prozent rechnen sogar mit einem Ausgabeplus von 6 Prozent und mehr im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings geht es dabei der Umfrage zufolge weniger um Wachstumsinvestitionen als vielmehr um das Thema Prozesseffizienz: Konkret wollen 43 Prozent der Befragten mehr ausgeben, um administrative und strukturelle Prozesse effizienter zu machen.

Dabei rückt vor allem das Thema IT-Sicherheit in den Fokus: 88 Prozent der weltweit Befragten wollen in diesem Jahr mehr Geld zum Schutz vor Internetkriminalität in die Hand nehmen. Gut die Hälfte gibt an, in ihrem Unternehmen habe es bereits einen „bestätigten Vorfall“ von Cyber-Spionage gegeben, bei dem ein Konkurrent involviert war. Vor allem Unternehmen in Russland (70 Prozent) und Hongkong (67 Prozent) werden demnach oft Opfer von Spionage.

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