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„Die politische Lage wird instabil“

Die globale Risikokarte 2013: Rund um den Globus wachsen die Risiken.
Control Risks

Sie haben die neue „Risk Map“ für das Jahr 2013 herausgegeben. Wie entwickelt sich die generelle Risikolage für Unternehmen, die im Ausland Geschäfte machen?

Die weltweite Risikolage wird insgesamt geringfügig schlechter. Gefährlicher wird es natürlich im Maghreb inklusive der angrenzenden Länder. Am südlichen und östlichen Ende von Afrika hellt sich die Lage hingegen deutlich auf, zum Beispiel in Namibia, Sambia, Botswana und Tansania. Dort bieten sich gerade gute Chancen und Startbedingungen für deutsche Industrieunternehmen.
 
Dafür beurteilen Sie das Risiko in den entwickelten Ländern als so hoch ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr und verweisen dabei auf die Euro-Krise. Welche politische Risiken sehen Sie denn noch außer einem möglichen Auseinanderbrechen der Euro-Zone?

In vielen Teilen Europas wird die politische Lage instabil, allen voran in Ungarn und Griechenland. In Griechenland gibt es nicht nur anhaltende Massenproteste, es kommt auch immer häufiger zu körperlichen Angriffen auf Manager. Auch in anderen Ländern wächst das Gewaltpotential durch die schwierige wirtschaftliche Lage.  

Diese Entwicklungen treffen viele Unternehmen auf dem falschen Fuß. Ihre Stakeholder werden risikoaverser, die Regulierung wird strenger. Wie müssen Unternehmen im Risikomanagement reagieren, wenn sie weiter expandieren wollen?

Sie brauchen konkrete Krisenmanagementplanungen auch für Länder, die aktuell ruhig aussehen. Business-Continuity-Pläne sind obligatorisch und müssen regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. Viele Unternehmen machen das auch. Die Meisten gehen nicht mehr so unbedarft wie früher in neue Märkte, sondern nehmen vorab Kontakt mit Spezialisten oder dem Auswärtigen Amt auf.    

"Die Entführungsrisiken nehmen klar zu"

Das empfiehlt sich wahrscheinlich auch mit Blick auf Mexiko. Das Land zieht gerade hohe Investitionen an, insbesondere aus der Autoindustrie, aber die Drogenkriege werden immer brutaler. Jetzt haben die Drogenkartelle das Entführungs- und Erpressungsgeschäft für sich entdeckt. Entstehen dort für ausländische Unternehmen Risiken, wie sie die Ölkonzerne aus Nigeria kennen?

Nein, in Mexiko gibt es keine marodierenden Truppen wie in Nigeria. Aber die Entführungsrisiken nehmen ganz klar zu. Die betroffenen Gebiete weiten sich aus, und es trifft inzwischen auch häufig Ausländer. Und es steigt das Risiko, zum Kollateralschaden bei Schießereien zu werden.

Was kann man dagegen tun?

Sich vorbereiten. Unternehmen, die Mitarbeiter nach Mexiko schicken, sollten sie vorher trainieren und für die Risiken sensibilisieren lassen. Die Investitionsstandorte müssen genau unter die Lupe genommen werden. Und bei der Unterbringung sollte darauf geachtet werden, dass die Wohnanlagen gesichert sind und für die Mitarbeiter vor Ort keine überflüssigen Wege anfallen. Viele Risiken können schon mit einfachen Maßnahmen und einem bewussten Verhalten stark reduziert werden.

Und wie ist die Lage in Myanmar? Dort ist ja eine regelrechte Goldgräberstimmung ausgebrochen, seitdem die Militärjunta das politische System liberalisiert. Kann man in Myanmar schon guten Gewissens Geschäfte machen? 

Die große Frage in Myanmar ist: Wie verläuft der Wandel zu einer Zivilgesellschaft mit einer kompetenten Verwaltung – friedlich oder gewaltsam? Im Moment deutet alles auf einen friedlichen Übergang hin, und die Sicherheitslage ist – abgesehen von einzelnen Grenzregionen im Norden und Westen – wenig problematisch. Dafür gibt es massive Probleme mit der Bürokratie. Viele internationale Konzerne stecken gerade ihre Claims ab, und das lockt dubiose Unterhändler und Vermittler an, die abkassieren wollen. Man braucht deshalb einen guten Partner vor Ort, der sich auskennt und über ein Netzwerk verfügt. Unternehmen, die Myanmar nicht kennen und es trotzdem auf eigene Faust versuchen, gehen das Risiko ein, an die falschen Partner zu geraten und können dafür dann unter Umständen in ihrem Heimatland juristisch belangt werden.       

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