Infineon

12.10.17
Finanzabteilung

Diese Unternehmen kämpfen mit der Euro-Stärke

Euro-Dollar-Parität? Von wegen! Der Dollar hat seit Jahresbeginn rasant an Wert verloren. Bei einigen Unternehmen hat die überraschende Euro-Stärke schon Spuren hinterlassen. Der Härtetest für die Hedging-Strategien kommt aber erst noch.

Seit Anfang Januar wertete der Euro um gut 11 Prozent gegenüber dem Dollar auf, zuletzt kratzte die Gemeinschaftswährung sogar an der Marke von 1,20 US-Dollar. Ähnlich rasant hatte sich der Wechselkurs des wichtigsten Währungspaares zuletzt von Ende 2014 bis Mitte 2015 verändert – damals wertete der Dollar allerdings auf und nicht ab.

Auch die seit rund zwei Wochen anhaltende leichte Schwächephase des Euro, die Währungsexperten der Investmentbank RBC Capital Markets auf die Katalonien-Krise zurückführen, kann nicht darüber hinweg täuschen: Von der Ende vergangenen Jahres von vielen Analysten prognostizierten Euro-Dollar-Parität ist der Wechselkurs derzeit mit 1,17 Euro/Dollar meilenweit entfernt.

Auch im Vergleich zu anderen Währungen wertete der Euro auf: Gegenüber dem Schweizer Franken legte die Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn um gut 7 Prozent zu, gegenüber dem japanischen Yen um rund 8 Prozent. Im Vergleich zum britischen Pfund kletterte der Euro seit Anfang 2016 gar um mehr als 20 Prozent, im laufenden Jahr liegt das Plus bei 5 Prozent.

Leifheit-CFO Huhmann senkt Prognose wegen Euro-Stärke

Die überraschende Euro-Stärke trifft einige deutsche Unternehmen bereits: Die Lufthansa hat die Aufwertung der Gemeinschaftswährung in den ersten sechs Monaten des Jahres etwa 5 Millionen Euro des operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) gekostet.

Der Haushaltswarenhersteller Leifheit musste Mitte September gar seine Umsatz- und Ergebnisprognose wegen negativer Währungseffekte senken. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen nun ein um 1 bis 2,5 Millionen Euro niedrigeres Ebit. Bisher hatte CFO Ivo Huhmann  ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres, etwas mehr als 22 Millionen Euro, in Aussicht gestellt. Der Umsatz soll ebenfalls leicht unter der bisherigen Prognose liegen, die einen Zuwachs von 3,5 und 4,5 Prozent vorsah.

Um eine Gewinnwarnung kam Merck bislang noch herum. Der Chemie- und Pharmakonzern geht immer noch davon aus, dass das Unternehmen das Jahr im Rahmen seiner Prognose abschneiden werde, sagte CFO Marcus Kuhnert kürzlich bei einer Investorenveranstaltung: „Aber es ist verdammt schwierig“, fügte der CFO warnend hinzu. Die Euro-Stärke ist ein wichtiger Grund dafür: Ende letzten Jahres hatte der Chemie- und Pharmakonzern noch mit einem Umsatzplus aus Währungseffekten von 1 bis 2 Prozent gerechnet. Inzwischen gehen die Darmstädter nicht mehr davon aus, dass Wechselkurseffekte sich im Gesamtjahr positiv auf die Umsatzerlöse auswirken.

Infineon trotz der Dollar-Schwäche

Hatten Unternehmen im vergangenen Jahr vor allem mit der drastischen Abwertung des Pfunds in Folge des Brexit-Votums zu kämpfen, ist es im laufenden Jahr in vielen Fällen die Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro, die Unternehmen Sorge bereitet.

Der Halbleiterhersteller Infineon etwa spürt „deutlichen Gegenwind aus dem schwächeren Dollar“, der wichtigsten Fremdwährung des Dax-Konzerns. Das teilten die Münchener Anfang August bei der Vorlage der Quartalszahlen mit. Die Prognose für das Gesamtjahr 2017, das bei Infineon gerade zum 30. September geendet hat, änderte CFO Dominik Asam allerdings nicht: Er stellte den Investoren trotz eines erwarteten schwächeren Schlussquartals weiterhin ein Umsatzplus von 8 bis 11 Prozent in Aussicht. Am 14. November wird Infineon die Zahlen vorlegen.

Infineon kommt zu Gute, dass es nicht nur Erlöse, sondern auch Kosten in US-Dollar hat. Komplett gebannt ist das Währungsrisiko durch dieses sogenannte Natural Hedging aber nicht: Eine 1-Cent-Abwertung kostet die Münchener im Quartal etwa 9 Millionen Euro Umsatz und 2 Millionen Euro operatives Ergebnis, rechnet CFO Asam vor.

Rational und Krones wollen Natural Hedging ausbauen

Kaum von Natural Hedging profitieren dagegen der Großküchenhersteller Rational und der Anlagenbauer Krones. Rational fertigt komplett in der Euro-Zone, während die USA der zweitwichtigste Markt für den S-Dax-Konzern sind. CFO Axel Kaufmann stellte daher unlängst in Aussicht, künftig auch in den USA produzieren zu wollen.

Ähnlich ist es bei Krones: Der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen verkauft einem Report der Berenberg Bank zufolge 70 Prozent seiner Produkte außerhalb Europas, fertigt aber ausschließlich in Deutschland. Entsprechend drückt der schwache Dollar auf die Profitabilität des börsennotierten Familienunternehmens. CFO Michael Andersen hält den Effekt aber für begrenzt, da die zwei wichtigen Wettbewerber KHS und Sidel dieselben Herausforderungen hätten.

Dass sich Finanzchefs wie Andersen im Umgang mit Währungsrisiken an Wettbewerbern orientieren, ist nicht unüblich: Schließlich hat Unternehmen so die Sicherheit, dass sich Konkurrenten im Falle ungünstiger Wechselkursbewegungen keinen Vorteil verschaffen können, indem sie Abnehmern bessere Konditionen gewähren. 

Härtetest für Hedging-Strategie steht noch aus

All diese harten oder weichen Prognosedämpfungen sind wahrscheinlich nur die Vorboten tieferer Einschnitte. Richtig durchschlagen dürfte die Dollar-Abwertung erst im zweiten Halbjahr. Einerseits läuft dann ein größerer Teil der noch zu günstigeren Kursen geschlossenen Sicherungsgeschäfte aus. Andererseits kam ein Großteil der Abwertung auch erst zum Ende des ersten Halbjahres.

Dass bislang nur vereinzelt negative Währungseffekte zu sehen sind, spricht daher für eine in der Breite erfolgreiche Hedging-Strategie, die sich wenig von Analystenprognosen beeinflussen lässt. Der Härtetest steht aber noch bevor.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de