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Doch, wir sind vorbereitet!

Das Unheimliche am Zusammenbruch der Eurozone ist, dass er einerseits unvermeidbar erscheint, es aber andererseits unglaublich schwierig ist, sich auf ihn vorzubereiten. Der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion könnte einen Feuersturm entzünden, der sich von Europa über die ganze Welt ausbreitet. Aber erinnern Sie sich noch an den berüchtigten Millenium-Bug, das Softwareproblem, das angeblich die gesamte Welt lähmen sollte, als wir vom Jahr 1999 ins neue Jahrtausend 2000 wechselten? Der Jahreswechsel kam und ging, ohne jegliche Auswirkungen.

Im Vergleich dazu sind, im Hinblick auf die Eurozone, die CFOs jetzt in einer ungleich schwierigeren Lage. Nichts zu tun ist nicht wirklich eine Option, aber Geld und Managementressourcen für die Lösung eines Problems rauszuschmeißen, das schwer zu erkennen und fast unmöglich zu lösen ist, scheint sinnlos. An diesem Widerspruch liegt es, dass sich die CFOs in allen Umfragen wie der Jüngsten von FT und Economist selbst als „unvorbereitet“ bezeichnen.

Es gibt ein paar konkrete Maßnahmen, um sich abzusichern. So können Geschäftsaktivitäten in von der Krise betroffenen Regionen minimiert werden. Auch können bestehende Verträge überprüft und bei neuen Verträgen Klauseln eingebracht werden, die zum Beispiel festlegen, welche Währung bei einem Eurozusammenbruch genutzt werden soll. Weitere sinnvolle Schritte sind der Kauf von Devisenoptionen, um eine Euro-Abwertung auszugleichen, und die Überprüfung von Cash-Pooling-Strukturen, damit keine größeren Geldsummen ungeschützt in gefährdeten Ländern verbleiben.

Die Wahrheit ist jedoch, dass viele CFOs diese Schritte schon längst unternommen haben. Die meisten Unternehmen haben also inzwischen zumindest einen Basisschutz gegen das Euro-Risiko erreicht. Natürlich wäre es jetzt das Richtige, eine unternehmensweite, von der Finanzabteilung koordinierte Risikomanagementübung durchzuführen. Aber wer die CFOs der Untätigkeit beschuldigt, zeigt mit dem Finger auf den Falschen. Die CFOs haben ihre Maßnahmen nur noch nicht deutlich genug gemacht.

steven.arons(*)finance-magazin(.)de

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