Newsletter

Abonnements

EMIR: Übergangsphase für CFOs

Ab März gelten die EMIR-Regeln, doch die Clearingverpflichtungen der OTC-Derivate greifen erst später.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Auf der Ziellinie haben CFOs und Treasurerverbände in ihrem Kampf gegen Emir nun doch noch einen Teilerfolg erzielt: Die EU gewährt Unternehmen der Realwirtschaft nun eine Übergangsfrist von drei Jahren, bis das Clearing von OTC-Derivaten für sie verpflichtend wird. Für Banken greift diese Pflicht bereits ab Sommer 2014.

In der vergangenen Woche hatte es noch so ausgesehen als kämen auch die Schwellenwerte, ab denen einen Clearing verpflichtend wird, noch einmal auf den Prüfstand. Doch das europäische Parlament zog einen entsprechenden Antrag in letzter Minute zurück – dafür hat sich die Kommission nun im Gegenzug auf die Übergangsfrist eingelassen.

Druck auf Risikomanagement vor allem bei kleinen Unternehmen

Nach der Zustimmung des Parlaments steht Emir jetzt nichts mehr im Wege. In den kommenden Tagen werden die technischen Standards offiziell veröffentlicht. Vorab ist bereits klar, dass die erste Regeln Mitte März greifen werden. CFOs von Unternehmen, die die Schwellenwerte knacken, müssen sich nun beeilen. In vier Wochen muss ihr Risikomanagement so angepasst sein, dass es OTC-Derivate täglich bewerten und melden kann. Doch das dürfte zu schaffen sein, denn große Unternehmen haben das Thema schon lange auf der Agenda, weiß Thomas Schräder, Partner bei PwC im Bereich Corporate Treasury Solutions.  

Problematischer wird es im dritten Quartal, wenn – wie jetzt feststeht – die Meldepflichten für Zins- und Kreditderivate verpflichtend werden. Ab 1. Januar 2014 müssen Unternehmen dann OTC-Geschäfte aller Assetklassen an ein Transaktionsregister melden. Hier wird es eng, denn auch kleine Unternehmen, die die Schwellenwerte nicht annähernd erreichen, müssen ihre OTC-Derivatepositionen melden. “Die Mehrheit dieser Unternehmen hat noch nicht mal von Emir gehört, geschweige denn neue Strukturen aufgebaut“,  sagt John Grout, Direktor der Association of Corporate Treasurers (ACT).

Treasurerverbände: EMIR-Regeln behindern Einsatz von OTC-Derivaten

Er hätte sich über eine Verzögerung gefreut, die in der vergangenen Woche zum Greifen nah war. Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung hatte einen Antrag im Parlament eingereicht, in dem es einige technische Standards, die die europäische Wertpapieraufsichtsbehörde Esma formuliert hatte. Einige Parlamentarier hatten sich darin der Sichtweise von Treasurerverbänden angeschlossen. Sie argumentieren, dass einige Regeln die Realwirtschaft daran hindern, OTC-Derivate zur Risikominimierung einzusetzen. Insbesondere die Berechnung der Schwellenwerte und die Regel, dass ein Unternehmen beim Erreichen des Schwellenwertes für eine Assetklasse alle Assetklassen abwickeln muss, waren auf Widerstand gestoßen. Doch das Komitee zog den Antrag zurück – aus Angst vor einer weiteren Verzögerung. Ursprünglich sollte die Reform am 1. Januar in Kraft treten.

Ein Gutes hat die endgültige Entscheidung und die Bekanntgabe der technischen Standards aus Brüssel in jedem Fall: Die Zeit der Unsicherheit scheint endlich vorbei. CFOs haben mehr Planungssicherheit. Jetzt stehen nur noch die nationale Gesetze aus.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Themen