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Fatca: CFOs können aufatmen

Für Banken ist das vor kurzem in Kraft getretene US-Steuergesetz Fatca eine große Belastung, CFOs dagegen bleiben verschont.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Am Ende scheint sich die Lobbyarbeit im Hinblick auf das US-Steuergesetz Fatca ausgezahlt zu haben – zumindest für die Unternehmen der Realwirtschaft: Die Sorgen, dass Konsortialkredite für europäische Unternehmen mit US-Tochtergesellschaft teurer werden könnten, haben sich zwei Monate nach dem Inkrafttreten von Fatca nicht erfüllt. CFOs können mit wenigen Ausnahmen aufatmen. Die Verantwortung und die Risiken liegen nun bei den Banken.

Das liegt vor allem daran, dass alle großen EU-Länder – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, die Niederlande und zuletzt auch Italien – eingelenkt haben und ihre Bankgeheimnisse gelockert haben. In Abkommen mit den USA haben sie ihre Banken dazu verpflichtet, Kontoinformationen ihrer US-Kunden für die US-Steuerbehörde IRS offenzulegen.

Hätte es diese Vereinbarungen nicht gegeben, hätten sich Banken zwischen der Einhaltung des Bankgeheimnisses und der US-Steuergesetze entscheiden müssen. Einige hätten sich wohl gegen die Fatca-Compliance entschlossen – auch weil die dafür notwendigen Investitionen allein für die deutsche Finanzindustrie knapp 400 Millionen Euro betrug, wie jüngst der Bankenverband vorrechnete. Unternehmen mit US-Töchtern hätten ohne Abkommen sicherstellen müssen, dass alle Banken in ihrem Konsortium die Fatca-Anforderungen erfüllen. Andernfalls hätte eine 30-prozentige Quellensteuer auf ihre Zinszahlungen einbehalten werden sollen.

CFOs mit China-Banken und eigener Bank müssen aufpassen

Diese Probleme entfallen nun. Nur in Einzelfällen müssen Unternehmen aufpassen: Wer etwa chinesische Banken in seinem Konsortium hat, sollte die Fatca-Compliance überprüfen, da China bisher kein Abkommen mit den USA unterzeichnet hat. Auch Unternehmen, die eine eigene Bank betreiben, wie etwa Volkswagen, müssen bei der Absatzfinanzierung mit US-Kunden aufpassen. „Die überwältigende Mehrheit der Industrieunternehmen ist allerdings nicht von Fatca betroffen“, sagt Johannes Tieves, Partner bei der Kanzlei Hengeler Mueller.

Die Befürchtungen im Hinblick auf die möglichen Auswirkungen von Fatca auf die Unternehmensfinanzierung hält Tieves im Nachhinein dennoch nicht für überzogen: „Ohne die bilateralen Abkommen zwischen den USA und den wesentlichen Ländern in Europa hätten wir heute Probleme bei der direkten Finanzierung von Konzerngesellschaften in den USA durch europäische Banken.“ Er hatte vor zwei Jahren im Gespräch mit FINANCE CFOs dazu geraten, die US-Tochtergesellschaften aus Kreditverträgen mit Geldgebern außerhalb der USA herauszuziehen und sie stattdessen indirekt mit Geld zu versorgen, um die Fatca-Risiken zu vermeiden.

CFOs sind fein raus, Risiko liegt bei der Bank

In den Kreditverträgen wird jetzt fast durchgängig vereinbart, dass die Banken das Risiko tragen, wenn im Einzelfall eine Bank nicht Fatca-compliant sein sollte, erklärt Tieves. Zunächst hätte der Markt noch gefordert, dass der Kreditnehmer ein sogenanntes Tax gross-up hätten zahlen müssen, wenn wegen des 30-prozentigen Steuereinbehalts für Fatca nicht der volle Betrag bei einer Bank angekommen wäre. Doch diese Forderung hat sich nicht durchgesetzt, nun ist die Bank im Risiko.

Für CFOs sind das zumindest kurzfristig gute Nachrichten. Die gestiegenen Kosten für die Erfüllung der Fatca-Anforderungen werden die Banken kaum an ihre Firmenkunden weiterreichen können, dafür ist der Wettbewerb im Firmenkundengeschäft zu hoch. Langfristig dürften aber auch CFOs nicht an weiteren Belastungen für ihre Banken interessiert sein.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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